"Unsere Leute waren im Wasser, sie waren unterhalb der Unglücksstelle, sie haben wirklich überall gesucht, wo sie konnten."

Hans Steinbrecher vom BRK in Grainau weiß auch, dass das Ergebnis, das die Suche nach dem Vermissten im Höllental gebracht hat, das Schlechteste ist. Nämlich keines. Die Einsatzkräfte von Polizei, Bergwacht und Wasserwacht hatten am Mittwochmorgen wieder mit der Suche nach dem 34 Jahre alten Mann aus Seßlach begonnen, nachdem sie zwei Tage zuvor wegen des Wetters nicht ausrücken konnten. Aber gefunden haben sie den Vermissten nicht. Und jetzt gibt es keine Stelle, an der sie noch weitermachen könnten. Steinbrecher: "Wir haben keinen Ansatzpunkt, wir haben bis hoch zum Kochelsee gesucht, mit dem Helikopter, mit Drohnen, aber nichts gefunden." Der Kochelsee ist mehr als zehn Kilometer vom Unglücksort entfernt.

Drohnen und Hubschrauber

Dort waren am Montag vor einer Woche eine Frau (33) und ihr Lebensgefährte offenbar vom Wasser in der Höllentalklamm erfasst und mitgerissen worden. Die Frau aus dem Landkreis Lichtenfels konnte danach tot geborgen werden, von dem 34-Jährigen fehlt weiterhin jede Spur. Wie es genau zu dem Unglück kam, ist Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II. Es werde dem Verdacht der fahrlässigen Tötung nachgegangen, ohne dass gegen bestimmte Personen ermittelt werde, hatte die Staatsanwaltschaft nach dem Unglück mitgeteilt.

Was genau geschehen ist, ist noch im Dunkeln. Zunächst hatte es in vielen Medien geheißen, eine große Flutwelle habe die beiden Urlauber mitgerissen, mitsamt des Steges, auf dem sie standen. Doch nach Informationen unserer Zeitung war auch zum Unglückszeitpunkt der Wasserpegel in der Schlucht nicht mehr als 30 Zentimeter über normal. Dass jetzt die Suche ergebnislos enden musste, ist auch für die Einsatzkräfte belastend.

"Alles Menschenmögliche"

Das weiß Hans Steinbrecher vom BRK aus eigener Erfahrung. "Für einen selbst ist es unbefriedigend. Man hat alles Menschenmögliche und hat kein Ergebnis erreicht." Noch schlimmer sei es aber, dass man auch als Mitglied des Suchtrupps wisse, dass es für die Angehörigen von vermissten Personen noch schlimmer sei - denn sie hätten nichts. Noch nicht einmal Gewissheit. Steinbrecher: "Auch die Retter wissen dann, dass die Hinterbliebenen keinen Abschied nehmen konnten. Und dass ihnen alles immer wieder im Kopf herumgehen muss."

Wie Vermisste im Krieg

Das sei das Schlimmste, was passieren kann, sagt der Notfallseelsorger und Notfallpsychologe Gerald Jose von der Hochschule Coburg im Gespräch mit unserer Zeitung. "Man kann das mit der Situation vergleichen, wenn jemand im Krieg als vermisst gemeldet wird. Man geht schon davon aus, dass ein Mensch tot ist, aber das ist kein Abschluss."

Jeder gehe zwar mit so einer Situation unterschiedlich um, aber wenn dieses Wissen da sei, mache es die Sache schlimmer. "Wenn man wirklich weiß, was mit jemandem passiert ist - und sei es auch das Wissen, dass jemand tot ist, dann ist das in vielen Fällen eine Erleichterung." Kann man sich denn selbst klar machen, dass jemand tot ist, ohne dass es den endgültigen Beweis dafür gibt? "Es gibt Menschen, die können das. Aber es kommt auch immer etwas auf das Umfeld an. Oder auch auf die Art, wie man mit der Lage umgeht. Wie spricht man von diesem Menschen? Sagt man war oder ist, wenn es um die Person geht?"

Für manche sei es ein helfender Schritt, wenn ein vermisster Mensch offiziell für tot erklärt werde. "Das wird ja nach einer gewissen Zeit von behördlichen Stellen eingeleitet. Aber es gibt auch Angehörige, die versuchen, diesen Schritt einzuleiten, um dann wenigstens so einen Abschluss zu haben."