"So bleibt der hier angedeutete Angriff des anderen ohne Wirkung - und läuft ins Leere", erklärt Aikidoka Silke Dorsch dem elfjährigen Andre. Die Sanftheit der aus Japan stammenden, betont defensiven Kampfkunst Aikido zog sich wie ein roter Faden durch den Schnupperkurs in Pferdsfeld im Rahmen des Kinderferienprogramms des Kreisjugendrings.
Dass mit Andre sowie dem sechsjährigen Elias lediglich zwei Jungs mit ihren Vätern an der Ferienaktion des Vereins "Aikido-Familientraining" teilnahmen, war schade. Andererseits konnten Christian Bär und Silke Dorsch, die das Schnuppertraining leiteten, dadurch besonders gut auf die Kinder eingehen. An der Wand im Übungsraum der Aikido-Schule Herbert Wagner hängt das Bild eines bärtigen Japaners. "Das ist Morihei Ueshiba, der Anfang des 20. Jahrhunderts aus verschiedenen Disziplinen das Aikido entwickelte", erklärt Silke Dorsch. Doch die beiden Aikidoka langweilen Elias und Andre nicht lange mit der Historie. Auf dem weichen Boden des Übungsraums folgen zwangslose und lockere Aufwärmübungen.


Vor- und Rückwärtsrollen

Laufen auf Zehenspitzen, Beckenkreisen oder sich schnell um die eigene Achse drehen - so wird der Körper spielerisch aufgewärmt und vorbereitet. Trainiert werden anschließend grundlegende Übungen der 1960 nach Deutschland gekommenen defensiven Kampfkunst. Dazu gehört das Vor- und Rückwärtsrollen - aber wohlgemerkt nicht über den Kopf, sondern quasi seitlich daran vorbei über das Knie - sowie im Stehen eine 180-Grad-Drehung des Körpers durch geschickte Beinbewegungen. Bei erfahrenen Aikidoka - Silke Dorsch trainiert seit 15 Jahren - schaut dies flüssig und gekonnt aus. Doch sie war einst genauso Anfängerin: "Ich dachte auch am Anfang, das lerne ich nie. Aber das wird von Mal zu Mal mit regelmäßiger Übung immer runder."
Angesichts der Tatsache, dass Aikido für sie komplettes Neuland war, stellten sich Andre und Elias aber ganz ordentlich an. "Das klappt schon ganz gut", fanden das Trainergespann immer wieder lobende Worte. Im Verlauf der Ferienaktion ging es schließlich einen Schritt weiter, es wurden drei wichtige Basistechniken des Aikido geübt. Im Fachjargon verwendet der Insider die Begriffe "Shiho-Nage", "Techni-Nage" und "Irimi Nage". Altersgerecht vermittelten Christian Bär und Silke Dorsch diese Bewegungsabläufe. Zunächst demonstrierten sie das Ganze den Teilnehmern quasi "in Zeitlupe", bevor sich Elias und Andre - in der Regel zusammen mit ihren Vätern - selbst daran versuchten. Wie schon diese Basisübungen verdeutlichten, besteht das Ziel des Aikido daran, einem Angriff dadurch zu abzuwehren, dass man die Angriffskraft quasi umleitet und es so dem Gegner unmöglich macht, seinen Angriff fortzuführen. Der friedlichen, geistigen Haltung des Aikido entsprechend - diese findet bei den Trainingseinheiten ihren Ausdruck durch eine freundliche, höfliche und von gegenseitigem Respekt geprägte Atmosphäre - geschieht dies ganz bewusst ohne jegliche Absicht zum Gegenangriff.
Aikidoka schätzen vor allem die aus dem Training resultierende Schulung von Körper und Geist. Körperspannung und -beherrschung werden geschult. Zudem fordert das Training die Fokussierung auf das Hier und Jetzt. "Egal, was einen im Alltag so beschäftigt - beim Aikido ist das ganz weit weg - und das tut richtig gut", meint lächelnd Silke Dorsch. Der Wettbewerbsgedanke spielt beim Aikido übrigens keine Rolle.