von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — - Perfide wäre es zu nennen, wenn der 24-jährige Lichtenfelser sein Tun bei klarem Verstand verrichtete. Doch sein Alkoholspiegel warf Fragen auf. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung bekam es der junge Mann am Donnerstag mit Richterin Anja Wolf-Albrecht und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft, Christoph Pabstmann, zu tun. Am Ende stand ein Bekenntnis: "Ich glaube, es wird mir guttun", so der Angeklagte zu seiner Haftstrafe. Sechs Monate Haft. Zwar auf Bewährung, aber dies nun wirklich zum letzten Mal und als allerletzte Chance, wie Pabstmann sich ausdrückte.

Etliche amtliche Einträge

Das Vorleben des Angeklagten wies schon Einträge ins Führungszeugnis auf, so Hausfriedensbruch, vorsätzliche Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Ganz nüchtern war der Mann auch in den Morgenstunden des 13. Septembers 2014 nicht. Dafür gedankenlos, fahrlässig und gemeingefährlich. Mit einem Laserpointer leuchtete er am Lichtenfelser Bahnhof einem Entgegenkommenden in die Augen. Das blendet und birgt die Gefahr ernsthafter Netzhautverletzungen.
Vor allem aber schlug der 24-Jährige dem geblendeten Marktgraitzer mit der Faust ins Gesicht. So jedenfalls trug es Staatsanwalt Pabstmann vor, so bestätigte es das beinahe gleichaltrige Opfer und so räumte es auch der Täter ein. "Warum hatten Sie überhaupt einen Laserpointer?", hakte Pabstmann nach. "Ich habe überall rumgeleuchtet, wollte Aufmerksamkeit erregen", so die Antwort.
Ganz wehrlos gab sich das Opfer nicht. Der Mann, als Wachsoldat ausgebildet, fixierte den Leuchter und rief die Polizei. Die stellte dann einen Alkoholspiegel von 1,2 Promille fest. "Alkoholisiert war er sichtlich - er wollte die Hose als Pulli anziehen", erinnerte sich der Polizeiobermeister, der mit ihm zu tun bekam. Der Geschädigte nahm den Vorfall vor Gericht locker. Auf das Entschuldigungsangebot ging er mit "ja, macht ja nix" entspannt ein und zeigte keinerlei Verfolgungseifer.
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Rechtsreferendar Pabstmann, hingegen machte deutlich, was er in Zukunft von dem Lichtenfelser Techniker erwartet: Suchtberatung. Tatsächlich trank der Angeklagte nicht zum ersten Mal, sondern hat ein Alkoholproblem. Auch die Stimme der Bewährungshilfe ließ erkennen, dass der Täter "grundsätzlich zu einem straffreien Leben fähig wäre", allerdings "nur ohne Alkohol".
Urteil und in Aussicht stehende Therapie bedachte der Beschuldigte in seinen ihm zustehenden letzten Worten vor Urteilsverkündung mit dem Satz: "Ich glaube, dass es mir guttun wird." Sechs Monate Haft sprach Anja Wolf-Albrecht gegen den 24-Jährigen aus. Dabei blieb sie unter den von Pabstmann geforderten acht Monaten, bestand aber auf jeder Menge Auflagen. Vier Jahre Bewährungszeit, zwei Jahre Bewährungsaufsicht, 300 Euro Geldzahlung und regelmäßige Suchtberatung mit Nachweis der Teilnahme bei Gericht.