von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Kleukheim — Ein Streunen war es, das Wilhelm Ebitsch mit einer kleinen Gruppe Interessierter am Sonntagnachmittag unternahm. Hin zu den Obstwiesen, den Bäumen rund um und den Ort, zu seinen Kellern oder Kellerlinden. Weil auch Pflanzen und Bäume Landschaftselemente sind und Geschichten zu erzählen haben, wie Ebitsch findet.
Als Programmpunkt der Umweltstation des Landratsamtes war der Kleukheimer im zweiten Teil seiner Sommerexkursion über drei erhellende Stunden mit einem kleinen Tross unterwegs. Alte Bäume rund um Kleukheim - so das Thema, welchem sich der 73-jährige Ebitsch stellte. Der ehemalige Krankenpfleger und Landwirt kann auch im gesetzten Alter nicht von der Natur lassen, denn er übernimmt die Naturschutzwacht und fertigt nach seinen Rundgängen Streifenberichte und Foto-Dokumentationen für das Landratsamt an.

Planquadrat um Planquadrat

Es geht um Fragen der Müllbeseitigung, des Pflanzenschutzes und um die Einhaltung von Naturschutzgesetzen. In einem vierzehntägigen Lehrgang hat sich der rüstige Senior diesbezüglich einst schulen lassen und fit gemacht. 20 Kilometer lang und zehn Kilometer breit ist sein Revier bei Ebensfeld und für seine Gänge arbeitet er es Planquadrat um Planquadrat (5x5 km) ab. Im Allgemeinen stellt er der Natur rund um Kleukheim ein gutes Zeugnis aus. "Man muss halt dahinter sein", sagt er.
Von Bäumen, die absterben, lässt er sich nicht in Panik versetzen. Es ist ja nicht so, dass das Absterben wider die Natur wäre. Und so erklärte der überaus rüstige Senior seinen Zuhörern an einer Stelle, wie lange ein Baum zum Sterben benötigt und dass er in dieser Zeit auch als natürlicher Unterschlupf für Vögel oder Käfer dient. Biologischer Anschauungsunterricht in lockerer Runde.
Manchmal mutete es erstaunlich an, wie viel Verständnis frühere Generationen für die Vorgänge in der Natur hatten. So führte Ebitsch an einem Brunnen vorbei, in dessen Nähe sich in früherer Zeit auch Klärwerk sammelte. Aber die Menschen pflanzten dort Linden - weil Linden Nitrate aufnehmen. Auch die nach 1871 einsetzende erhöhte Anzahl an Linden hat seine Bewandtnis.
Sie liegt im Deutsch-Französischen Krieg, der 1871 beendet wurde und nachdem die Tradition entstand, Friedenslinden zu pflanzen. "Alte Bäume haben für mich Symbolkraft", stellt der Senior klar und verweist auf ein Wegkreuz, welches von zwei Linden eingefasst wird. "Das hebt die Botschaft hervor, die Linden tun das Kreuz erheben."
Sinnvoll sei es auch gewesen, an den Eingängen alter Keller, welche in früherer Zeit zur Lagerung und Kühlung von Lebensmitteln dienten, Linden zu pflanzen. Sie hätten durch ihr abschirmendes Blattwerk gleichfalls zu den konstant kühlen Temperaturen beigetragen.

Lob und Tadel verteilt

Aber es war nicht immer nur Lob, was Wilhelm Ebitsch von den Lippen kam. Der Mann kann sich auch echauffieren, dann, wenn vermeintliche Absichten zu offensichtlich zutage treten. So dauerten ihn zwei Linden, die darum geschlagen worden sein sollen, weil sie, erst einmal unter Naturschutz gestellt, den Besitzer zur Pflege verpflichtet hätten. Dafür hat der 73-Jährige an freudigen Anblicken umso mehr Gefallen. Innerorts stößt er auf einen alten Nussbaum, der in Schuss gehalten wird. "Vor so einem Menschen (gemeint ist der Besitzer) muss man Respekt haben, der lässt den stehen."