Altenkunstadt — Wenn es draußen eher dunkel wird, dann versammelte sich früher die Familie - meist waren auch Nachbarn dabei - in der warmen Stube. Während das Holz im Ofen knisterte und knackte, beschäftigte man sich mit den unterschiedlichsten Arbeiten und erzählte dabei Geschichten. Ein schöner Brauch, der im modernen Medienzeitalter fast völlig in Vergessenheit geraten ist.
Mit einem Frauenabend versuchte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Altenkunstadt/Strössendorf jetzt, an die alte Tradition des Zusam-mensitzens in der dunklen Jahreszeit anzuknüpfen. Zahlreiche Frauen hatten sich dazu im Saal des Kreuzberg-Gemeindezentrums versammelt. Mit einem herzlichen Hallo begrüßte man Isabell Rix aus Mangersreuth. Die Ehefrau des früheren Gemeindepfarrers Jürgen Rix hatte vor einigen Jahren zusammen mit Gerhilde Weber und Waltraud Fischer die Frauenabende ins Leben gerufen.
Um Advents- und Türkränze ging es im praktischen Teil des Abends. Aus Strohrohlingen sowie immergrünen Zweigen wie Tanne, Thuja, Kiefer, Fichte und Buchs kreierten die Teilnehmerinnen dekorative Kränze in unterschiedlichen Größen. "Die grünen Zweige sagen uns, dass das Leben stärker ist als der Tod. Der runde Kranz will deutlich machen, dass Gott uns unendliches Leben schenkt, während die roten Kerzen den Weg der Liebe weisen", hieß es im "Adventskranz-Segen". Wäh-rend des Werkelns erfuhren die Frauen, dass der Adventskranz auf den Gründer der Inneren Mission der evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Wichern, zurückgeht. Der Theologe baute 1839 erstmals aus einem hölzernen Wagenrad einen Kranz, schmückte ihn mit Tannengrün und hängte ihn im Betsaal des "Rauhen Hauses" in Hamburg auf. Wichern kümmerte sich dort um obdachlose und verwahrloste Kinder und Jugendliche aus den Elendsvierteln der Hansestadt. Auf den Leuchter steckte er Kerzen: kleine rote Lichter für die Werktage und große weiße für die Adventssonntage. Jeden Tag wurde eine Kerze mehr angezündet, bis schließlich an Heiligabend alle Lichter brannten. Der Geistliche wollte damit seinen Schützlingen die Bedeutung des "Wartens und Erwartens" symbolisch klarmachen.
Gerhilde Weber, Vertrauensfrau des evangelischen Kirchenvorstandes, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Kreativkreis "Die Montagsbastler" der evangelischen Kirchengemeinde einen großen Adventskranz für den Eingangsbereich des Altenkunstadter Rathauses gesteckt hat. Unter dem Motto "Weihnachten bei uns daheim" stand der gesellige Teil des Abends. Bei Tee und Plätzchen erzählten die Frauen, wie in ihren Familien das Christfest begangen wird. Man erinnerte an altes, fast in Vergessenheit geratenes Brauchtum und befasste sich ausgiebig mit weihnachtlichen Gaumenfreuden. Auf keinen Fall fehlen darf am 24. Dezember Linsensuppe oder -eintopf zum Mittagessen. In diesem Punkt waren sich alle einig. Bernd Kleinert