Christoph Böger Es sollte ein ganz besonderer Denkzettel werden. "Und das ist uns sicher auch gelungen!" Eine von insgesamt acht "Täterinnen" von damals will heute anonym bleiben - also nennen wir sie an dieser Stelle einmal Frau Meier. Sie sagt auch weshalb: "Wir haben schon damals nicht verraten, wer alles dabei war. Und das bleibt auch so. Da halten nach wie vor wir fest zusammen." Überhaupt war es eine geheimnisvolle Tat, die sich da Anfang der achtziger Jahre auf dem Sportplatz des FC Haarbrücken abspielte. Folgendes geschah: Eine Gruppe von acht jungen Frauen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren fasste den Mut, ihrem Vereinsvorsitzenden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufzulauern, ihn zu packen und mit vereinten Kräften festzuhalten, um ihn anschließend sofort mit Seilen zu fesseln. Damit nicht genug.

"Casanova" mit Seilen gefesselt

Der "Casanova", wie ihn "Frau Meier" bezeichnet, wurde unter höchsten Anstrengungen über den alten FCH-Platz zum Sportheim-Tor geschleppt und an den linken Pfosten gebunden.

"Das fiel uns gar nicht so einfach." Acht fest entschlossene Amazonen tranchierten den Klubchef, der sich nach besten Kräften, aber vergeblich wehrte. "Er hat sogar mehrmals um Hilfe geschrien, aber es war zwecklos. Wir hatten ihn fest im Griff", lacht "Meier" noch heute über diese im Verein Aufsehen erregende, skurrile Sportplatz-Story. Eine Aktion, die sich damals natürlich wie ein Lauffeuer verbreitete.

Plötzlich ging das Flutlicht an

Der Spuk hatte allerdings schnell ein Ende, denn die Frauen wurden auf frischer Tat ertappt. "Plötzlich brannte das Flutlicht!" Irgendjemand hatte die Hilferufe wohl gehört, eilte aus dem Sportplatz und knipste sofort das Flutlicht an.

"Wir sind erschrocken, manche von uns bekamen sogar Panik und hatten Angst. Dann sind wir schnell in alle Himmelsrichtung geflüchtet", erzählt die Rädelsführerin. Passiert sei nichts. Das "Opfer" wurde schon wenige Minuten später befreit.

Die Haarbrücker Damen-Bande ist allerdings noch heute davon überzeugt, dass ihr "Denkzettel" die Wirkung nicht verfehlte. "Er trug es mit Fassung, war nie nachtragend, nur seine Frau sprach danach kein Wort mehr mit einigen von uns".

Wie ein Cowboy am Marterpfahl

"Verständlich" - da sind sich im Nachhinein alle einig. Aber der vorlaute Vorsitzender habe es verdient gehabt. Wie ein verurteilter Cowboy wurde er an den "Marterpfahl" gebunden. Schließlich sei er ein großer Spruchbeutel gewesen und hat die Mädels gerne mit seinen Ansagen aufgezogen. Unverschämt sei er dabei nie gewesen. Ganz im Gegenteil: Charmant und redegewandt war er. Trotzdem entschloss sich die Gang zu dieser kuriosen Fessel-Aktion am Alu-Pfosten - ein äußerst skurriler Denkzettel...