"Abstand!" - wie oft hat man dieses Wort in den letzten Monaten wohl gehört? Es dürfte nach "Corona" den zweiten Platz einnehmen: In seiner ersten Neuproduktion nach dem Lockdown spürt das Bamberger Brentano-Theater den unterschiedlichsten Dimensionen des Abstandhaltens nach.

Wenn Menschen sich nicht nahe kommen dürfen, kann das Schmerz und Trauer bedeuten. Entfremdungen oder verbales Aneinandervorbei bergen aber auch wahrhaft Hochkomisches, wie es Szenen von Christian Morgenstern und Kurt Tucholsky, Gedichte von Wilhelm Busch und Joachim Ringelnatz vergnüglich zeigen werden.

Bleibt man auf Abstand zu einem ersehnten, unerreichbaren Ziel, so kann dies tragisch geschildert werden, wie in Kafkas Parabel "Vor dem Gesetz" oder als Lachnummer wie es Karl Valentins unvergänglicher "Buchbinder Wanniger" erleben wird.

Genau diesem Wechselbad der Gefühle verschreiben sich Nadine Panjas und Martin Neubauer in einem bunten Abstands-Reigen, wobei sie versichern, dass "das Heitere überwiegen" wird.

In einer Szene aus Shakespeares "Die lustigen Weiber von Windsor" hat Frau Flut reichlich zu tun, den alten Trunkenbold Falstaff auf mindestens "Einmeterfünfzig" zu halten. Zarte Poesie verströmt eine Situation aus Maurice Maeterlincks Schauspiel "Pelleas und Melisande", in der ein Mädchen im Wald gefunden wird, dessen erste Worte immer nur lauten: "Rühr mich nicht an!".

"Es wird bestimmt kein Corona-Aufarbeitungsprogramm, aber ein paar kurios urfränkische Reaktionen, die ich hören durfte oder musste, kann ich mir als humoristische Einlage nicht vorenthalten!", seufzt Martin Neubauer.

Durch die Auswahl der Szenen können die Interpreten bei voller Aktion jederzeit hübsch die vorgeschriebene Distanz wahren. Auch das Publikum ist angehalten, sich spazierend nur auf Abstand näher zu kommen. Aber der bedeutet ja zum Glück noch lange keine Entfernung! red