von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Burgkunstadt/Baiersdorf — Wer schafft, braucht Kraft und eine ordentliche Mahlzeit. Für Letzteres sorgte in der Burgkunstadter Maschinenfabrik Fischer, die Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt, Ursula Weniger. Mit dem Klassiker Schnitzel mit Pommes oder dem exotischen Nasi Goreng hatte die Kantinenfachkraft viele hungrige Münder satt gemacht. Am Mittwochabend wird die 62-jährige aus Schwärzdorf bei Mitwitz, die dem Unternehmen 15 Jahre lang die Treue gehalten hatte, gemeinsam mit Günther Pregler aus Weismain, der neun Jahre im Magazin gearbeitet hatte, im "Fränkischen Hof" in Baiersdorf in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Zartes Elchfleisch schmeckt ihr

Kötbullar, die schwedischen Hackbällchen, hatte sie nicht serviert. Aber naheliegend wäre es gewesen. Denn Ursula Weniger stammt aus dem kleinen schwedischen Dorf Nittorp bei Göteborg. "Vor 18 Jahren verschlug es mich der Liebe wegen nach Deutschland. Ich sprach damals kein Wort Deutsch", erzählt sie in lockerer Runde. Immer wieder wird an diesem Abend ihre Herkunft zum Gesprächsthema. Die leutselige Frau aus dem hohen Norden verrät, dass sie gerne Fleisch von jungen Elchen isst ("Das ist so herrlich zart"), wie man Weihnachten in Schweden feiert ("An Heiligabend beschert der Weihnachtsmann die Kinder") und dass es das aus der Ikea-Werbung bekannte Fest "Knut" ("Am 13. Januar endet bei uns die Weihnachtszeit und wir entsorgen unsere Christbäume") wirklich gibt.
Wie kam Weniger zur Maschinenfabrik Fischer? "Mein Ex-Mann, der heute noch als Monteur bei dem Burgkunstadter Unternehmen arbeitet, hatte mir den Job in der Kantine vermittelt." Mit der deutschen Sprache steht die 62-Jährige, die sich als Autodidaktin zu erkennen gibt, nur noch ganz selten auf Kriegsfuß. Ohne Deutschkurs, nur vom Hörensagen, habe sie sich die anfangs fremde Sprache angeeignet.
Was schätzt die ehemalige Schwedin an Deutschland? "Die Deutschen sind viel kontaktfreudiger als die Schweden. In Franken erfuhr ich eine herzliche Aufnahme." Andererseits habe sie die Erfahrung gemacht, dass es in ihrer zweiten Heimat viel formeller zugehe als in ihrer alten, wo vor Jahrzehnten die Du-Reform eingeführt worden sei.
Beruflich war es in Deutschland ein Neuanfang für die Schwedin, die einst als Krankenschwester in der Psychiatrie gearbeitet hatte. Ein willkommener noch dazu, wie Weniger offen zugibt: "In der Psychiatrie zu arbeiten, erfordert viel Kraft und nimmt einen emotional mit. Manchmal kam ich abends heim und weinte. Nach 20 Jahren hatte ich genug davon."

Gute Seele des Caterings

"Als gute Seele des Caterings hast Du für das leibliche Wohl unserer Mitarbeiter und Firmenkunden gesorgt", lobt Geschäftsführerin Simone Thies die frischgebackene Rentnerin, die ihren Empfindungen freien Lauf lässt: "Wenn die Leute satt und zufrieden die Kantine verlassen haben, dann empfand ich das als eine Art Anerkennung."
Als "gute Seele des Lagers" rühmt Thies Günther Pregler. Der 65-Jährige war für die Warenannahme, das Einlagern sowie das Kommissionieren der Maschinenkomponenten für die Montage und der Ersatzteile zuständig. "In meiner Familie sind gleich mehrere Generationen mit der Firma Fischer verbandelt: Mein Schwiegervater Heinz Bieder arbeitete 42 Jahre lang am Langhobel, mein 18-jähriger Sohn Tobias im Konstruktionsbüro", erzählt der Weismainer.