Eigentlich sollte er nur zur Ausbildung ins Landratsamt Coburg, um danach in der Gemeindeverwaltung in seiner Heimat Grub am Forst zu arbeiten. Doch aus drei Jahren wurden dann 49. Dieter Pillmann, als Leiter des Geschäftsbereichs Zentrale Angelegenheiten und Geschäftsleitender Beamter der höchste Beamte im Landkreis Coburg, hat am letzten Apriltag nach fast einem halben Jahrhundert im Dienste des Landkreises Coburg seine Aufgaben an seinen Nachfolger Felix Hanft übergeben.

Es ist der 1. September 1971, als Dieter Pillmann als damals 16-Jähriger ins Landratsamt Coburg kommt. "Immer auf Sieg spielen", sagt der Sportler gerne. In diesem Fall sollte es ein Sieg für die Gemeindeverwaltung in Dieter Pillmanns Heimatgemeinde Grub am Forst werden. Eigentlich. Denn Pillmanns Ausbildungsende fällt mitten in die Gebietsreform und damit gibt es jede Menge Aufgaben für ihn im Landratsamt. Schließlich wollen rund 80 Gemeinden in der damaligen gemeindlichen Steuer- und Buchungsstelle betreut werden. Ob Grundsteuererhebung, Verwendungsnachweise oder Haushaltspläne - all dies wird damals für die vielen kleinen Gemeinden zentral im Landratsamt erledigt. Bis die Kommunen eigene leistungsfähige Verwaltungen aufgebaut hatten.

Doch auch dann ging es nicht nach Grub, sondern 1976 in die Kreiskämmerei, und nach seinem Aufstieg in den gehobenen Dienst wird Dieter Pillmann 1987 stellvertretender Sachgebietsleiter in der Haupt- und Personalverwaltung, 20 Jahre später Personalleiter und 2010 dann, nach der Qualifikation für den höheren Dienst, Geschäftsleitender Beamter und damit höchster Beamter im Landkreis Coburg.

Das Spannendste für ihn in einer Zeit von der Gebietsreform über den Mauerfall bis hin zur Corona-Krise? Dieter Pillmann kann von vielem berichten. Etwa von der Zeit, in der die Belege noch von Hand geschrieben wurden, von der ersten Datenstation - einer HP 3000 -, von neuen Berufsbildern, die mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind, wie etwa die allerersten Jugendpfleger, oder insgesamt von fünf Landräten, unter denen er gearbeitet hat: Dr. Klaus Groebe, Helmut Knauer, Karl Zeitler, Michael Busch und Sebastian Straubel.

Doch das Spannendste bleibt für ihn die Gebietsreform. Er blättert in einem Heft, das er zwischen all den Unterlagen, die er derzeit aussortiert, wiedergefunden hat: "25 Jahre Gebietsreform". "Das war schon 'ne wilde Zeit", sagt er und grinst. "An meinem allerersten Ausbildungstag - da haben wir Auszubildende Werbesendungen in die Briefkästen von Trübenbach und den Steinachtalgemeinden geworfen, um sie für den Landkreis Coburg zu gewinnen. Mit dem Steinachtal hat's nicht funktioniert, aber mit Trübenbach - da hab ich eingeworfen", sagt er mit einem Augenzwinkern und lacht. Ein typischer Pillmann-Spruch eben. Wer ihn kennt, weiß, dass ihm eigentlich immer ein lockerer Spruch auf der Zunge liegt. Und gerne lacht er auch selbst darüber. Dieter Pillmann sagt, was er denkt. Geradlinig. Ehrlich. Offen. "Ein Mann der klaren Worte, aber mit einem unglaublich großen Fachwissen und Sachverstand" - so beschreiben ihn Kollegen.

"Nie langweilig"

Gerade im inneren Bereich einer Verwaltung, sagt Pillmann, werde es nie langweilig. "Da gibt es immer wieder etwas Neues. Das sieht man ja jetzt an der Corona-Krise und den Herausforderungen, die sie auch für die innere Organisation mit sich bringt." Und gerade in seiner Position als Leiter des Geschäftsbereichs Zentrale Angelegenheiten sei es immer spannend - wie in einer Schaltzentrale: "Man ist nah dran am Landrat, kann mitgestalten und mitwirken."

Freude an seinem Job hatte Dieter Pillmann immer, gerade "wenn man etwas erreicht hat, man jemandem helfen konnte" oder, wie er es als "alter" Personaler sagt: "Ziel ist der richtige Mensch am richtigen Platz, also die Übereinstimmung von Fähigkeiten und Aufgaben. Dann ist der Gewinn für alle am größten." Natürlich habe es auch Momente gegeben, in denen er sich mal geärgert habe. Aber man dürfe sich "nicht im Kleinklein verlieren, sondern muss das große Ganze sehen", gibt Pillmann auch seinem Nachfolger, dem 33-jährigen Felix Hanft, mit. Wenngleich er sich mit Ratschlägen lieber zurückhalten will. "Felix weiß, was es bedeutet, Abläufe zu organisieren. Er ist kreativ, um passende Lösungen für Herausforderungen zu finden", davon konnte sich Pillmann in den vergangenen Jahren überzeugen. Und letztendlich "gibt es keine Bedienungsanleitung. Jeder findet seinen eigenen Weg", sagt er. Und wie dieser aussieht, davon hat Felix Hanft eine ganz klare Vorstellung. Sein Werdegang liest sich fast ein bisschen wie der seines Vorgängers: 2003 im mittleren Dienst im Landratsamt angefangen, geht es für ihn, nach einem kurzen Abstecher im Jobcenter, direkt in die Personalabteilung, 2011 bis 2013 durchläuft er den Aufstieg in den gehobenen Dienst und wird danach Aufgabenbereichsleiter Zentrale Dienste sowie stellvertretender Fachbereichsleiter Personal und Organisation.

Eine Auswirkung von Corona

Die neue Position als Leiter des Geschäftsbereichs Zentrale Angelegenheiten oder kurz Geschäftsleitender Beamter sei ein "spannender, abwechslungsreicher und herausfordernder Aufgabenbereich" für ihn, eine Schlüsselposition, in der er "mitgestalten, Akzente setzen" kann. Zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung: "Die Corona-Krise hat uns deren Bedeutung ja ganz klar aufgezeigt und uns schon ein Stück weit gezwungen, digitaler zu arbeiten. Vielleicht ergibt sich daraus schon einiges", so Hanft, der als weiteren Schwerpunkt seiner Aufgabe das Intensivieren des Dienstleistungs- beziehungsweise Bürgerservicegedankens im Landratsamt Coburg sieht. "Ich denke, wir stehen ganz gut da. Gerade für die eingeschränkten finanziellen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, konnten wir bereits einiges realisieren. Wir sind als Verwaltung gut aufgestellt, ein gutes Team, und ich denke, gemeinsam können wir noch vieles angehen und bewegen."

Apropos bewegen. In Bewegung will auch Dieter Pillmann bleiben - trotz Ruhestand. Zwar will er erst mal entschleunigen, doch dann warten da nicht nur die Familie, insbesondere zwei Enkel, ein Haus und ein Garten, sondern beispielsweise auch der Heimatverein, für den er nun mehr Zeit hat, Recherchen im Staatsarchiv anzustellen oder Veranstaltungen zu planen, und der Sport, wie das Radfahren oder mehrtägige Wandertouren. Und dann ist da ja noch die Gemeinde Grub. Wenn es schon mit der geplanten Tätigkeit in der Verwaltung nicht so recht klappen wollte, dann engagiert sich Dieter Pillmann nun wieder als Gemeinderat für seine Heimatgemeinde. Jede Menge Wissen hat er nach 49 Jahren Kommunalverwaltung auf jeden Fall.

Und selbst der Draht ins Landratsamt wird nicht abreißen, denn da ist neben den freundschaftlichen Verbindungen ja auch noch die Tippgemeinschaft.

Landrat hält Verbindung

Landrat Sebastian Straubel dankt Dieter Pillmann für sein jahrzehntelanges Engagement für den Landkreis Coburg. "Insbesondere in meinem ersten Jahr als Landrat war Dieter Pillmann mir mit seinem großen Erfahrungsschatz eine große Stütze und ich hoffe, ich darf auch, wenn er jetzt im Ruhestand ist, noch das ein oder andere Mal darauf zurückgreifen." Straubel freut sich zugleich auf eine gute Zusammenarbeit mit Pillmanns Nachfolger Felix Hanft: "Auch er hat bereits seit vielen Jahren Erfahrung im Landratsamt Coburg und ich bin sicher, dass wir gemeinsam die Herausforderungen gut meistern werden und viel bewegen können. Ich freue mich darauf!"