Stephan Herbert Fuchs Anfang des Jahres war es Stadtgespräch: Ein junger Mann soll am frühen Morgen des 1. Februar kurz nach 4 Uhr in der Oberen Stadt vor dem Lokal "Sohle" auf zwei andere Männer, 43 und 48 Jahre alt, losgegangen sein. Mit einer abgebrochenen Bierflasche soll er den beiden Schnittwunden an den Händen zugefügt haben, die später im Klinikum genäht werden mussten. Seit gestern muss sich der junge Mann wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Zum Prozessauftakt stand Aussage gegen Aussage. Er habe die beiden nicht geschlagen und er habe auch nicht mit einer Flasche auf sie eingestochen, sagte der Angeklagte. "Ich sagte nur, sie sollen mich in Ruhe lassen."

Niemanden getroffen

Es sei ganz anders gewesen, so der Beschuldigte. Die beiden seien auf ihn losgegangen, da habe er die Flasche abgebrochen und mit den Scherben herumgefuchtelt, um die beiden auf Distanz zu halten. Getroffen habe er aber niemanden. Er habe die zwei Männer nur darum gebeten, dass sie ihn in Frieden lassen sollen, doch das hätten sie nicht getan.

"Die beiden Männer waren sehr aggressiv", so der Angeklagte. Sie hätten ihn am Hals erwischt und an der Hand habe er selbst eine Schnittwunde davongetragen. Warum die beiden auf ihn losgegangen waren, konnte sich der junge Mann nicht erklären. "Vielleicht, weil ich der einzige Schwarze war", mutmaßte er. Er glaube schon, dass die beiden etwas gegen ihn als Ausländer gehabt hatten.

Energischer Widerspruch

Dem widersprach eines der beiden vermeintlichen Opfer, das sich mit einem Kumpel zu einem Absacker in der Sohle getroffen hatte, energisch. Der Angeklagte sei schon im Lokal aufgefallen und habe herumgestresst, sagte der 43-Jährige. Er habe die Leute, vor allem Mädels, blöd angesprochen und sei auf Stänkern aus gewesen. Da habe er ihn vor dem Lokal zur Rede stellen wollen, doch weit sei er nicht gekommen, schon habe der Angeklagte zugestochen. Wie genau und vor allem womit, das konnte der Zeuge nicht erklären. Plötzlich habe er stark geblutet und die Bedienung habe den Notarzt gerufen.

2,5 Promille

Das geschilderte Verhalten des Angeklagten konnten allerdings der zweite Beteiligte, ein 48-jähriger Kulmbacher, und auch ein weiterer Augenzeuge so nicht bestätigen. "Mir ist der Angeklagte in der ,Sohle' vorher nicht aufgefallen", sagte der 48-Jährige und auch der Zeuge bestätigte überraschend: "Niemand ist mir negativ aufgefallen". Dazu kommt, dass die beiden Opfer ganz offensichtlich stark betrunken waren. Der Ältere hatte einen Alkoholpegel von 2,5 Promille, beim 43-Jährigen sei es gar nicht möglich gewesen, überhaupt zu messen, hieß es in den Protokollen.

Dafür hatte der Zeuge gesehen, wie der Angeklagte vor dem Lokal gleich zwei Flaschen gegen den Boden geschlagen hatte, bis sie zerbrochen waren. Als die Streithähne aneinander gerieten, habe er noch versucht zu schlichten. "Ich wollte doch nur, dass Ruhe einkehrt", sagte der Zeuge. Doch da war es offensichtlich schon zu spät.

Tiefe Schnittwunde

Zuerst kam der Notarztwagen, dann die Polizei. Fest steht allerdings auch, dass der 43-Jährige eine tiefe Schnittwunde an der Hand erlitten hatte, die mit fünf Stichen noch in der Nacht genäht wurde. Zwölf Tage lang war der Mann arbeitsunfähig. Beim zweiten Opfer war die Verletzung nicht so gravierend. Er trug lediglich eine kleinere Schnittwunde am Zeigefinger davon, die nach wenigen Tagen ausgeheilt war.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.