Was genau macht eigentlich ein Politiker? Wie sieht sein Arbeitsalltag aus und mit welchen Themen beschäftigt er sich? Um Schülern die Gelegenheit zu bieten, diese Fragen einmal einem Abgeordneten zu stellen und dabei deren Politikinteresse zu fördern, hatten 168 freie Schulen vor Kurzem 137 Landtagsabgeordnete eingeladen, eine Schulstunde mit ihren Schülern zu verbringen. Der Landtagsabgeordnete Walter Nussel (CSU) war dabei in der Herzogenauracher Montessori-Schule zu Gast.
Dort empfing ihn laut einer Pressemitteilung aus seinem Büro die jahrgangsgemischte Klasse 9/10 unter der Klassenleitung von Stefanie Schmidt, um Politik einmal "live" erleben zu dürfen. Nussel, der gerade von einer Delegationsreise nach Kasachstan mit dem Ziel, die bayerisch-kasachischen Beziehungen zu stärken, zurückgekehrt war, berichtete den interessierten Schülern über seine mehr als 25 Jahre in der Politik - vom Herzogenauracher Stadtrat über den mittelfränkischen Bezirkstag bis hin zu seiner Arbeit im Landtag, dem er seit 2013 als direkt gewählter Abgeordneter angehört.
Im Anschluss an seinen Bericht bekamen die Schüler die Gelegenheit, Walter Nussel Fragen zu stellen. Von besonderem Interesse war dabei das gegenwärtig alles dominierende Thema Flüchtlingskrise. Auf seine Haltung zur aktuellen Situation und zur AfD angesprochen, antwortete der Abgeordnete: "Wir müssen eine christlich-soziale Lösung der Flüchtlingskrise finden, die sowohl die humanitäre Hilfe für die vor Verfolgung und Krieg fliehenden Menschen als auch die Interessen unserer Bevölkerung in den Mittelpunkt stellt. Die AfD bietet dabei keinerlei alternative oder akzeptable Ansätze." Auch die Stadt-Umland-Bahn, der Bau des Berliner Flughafens oder das Freizeit-Angebot für Herzogenauracher Jugendliche interessierte die Schüler.


Einblick in den Alltag

Neben konkreten Sachfragen ging es ebenso um allgemeine Fragen zum politischen Alltag. Wie hoch ist die Arbeitsbelastung eines Abgeordneten? Wie sieht die Arbeit in der Kommunalpolitik aus? Und: Gibt es oft Streit in der politischen Debatte? Durchaus, so Nussel, aber: "Politik lebt auch von der Auseinandersetzung. Politik ist der Streit um Ideen und der anschließende Versuch, einen Konsens zu finden."
Nicht nur die Schüler bekamen dabei Antworten auf ihre Fragen, auch Walter Nussel selbst informierte sich bei den Schülern und Lehrern über das Montessori-Konzept, bei dem es keine Noten gibt und individuell und praxis- und projektbezogen gelernt wird. Private Schulen wie die Montessori-Schulen spielen dabei in der bayerischen Schullandschaft eine wichtige Rolle. Immerhin 22,3 Prozent der bayerischen Schulen sind private Schulen und unterrichten dabei 14,4 Prozent der Schüler.
Nussel zog ein positives Fazit der auch für ihn sehr interessanten Schulstunde: "Es hat mich sehr gefreut, heute bei euch sein zu dürfen. Gerade für Politiker ist es wichtig, durch solche Besuche auch Rückmeldungen aus den Schulen zu erfahren und sich vor Ort mit Schülern auseinanderzusetzen. Dafür bietet der Tag der freien Schulen eine tolle Gelegenheit." red