A uf dem Heimweg nach dem Vorabendgottesdienst holt mich ein Herr ein, der seit einiger Zeit in unsrer Straße lebt. Er wohnt ein Stück entfernt von unserm Haus, also kein "nächster" Nachbar - und ich waaß net amol, wie er haßt. Gleich spricht er mich an: "Also, heut hob i scho den ganzn Dooch on ihä Gschichtla denken müssn!" "Ja, welchs maana Sie denn?" sag ich, " es gibt ja a poor hunnert!" Jetzt fängt er zu erzählen an, aber nach einigen Sätzen merke ich: "Des Gschichtla kenn i net, des is net vo miä!" Drum bitt ich den "Herrn Nachbärn" doch weiterzumachen und hör gespannt zu.

Also, der Hans, ein Bauer aus dem Umland, so Mitte 50, weiß von seinem Arzt, dass er nicht mehr lang zu leben hat. Jetzt möchte er mit der Anni, seiner Frau, besprechen, wie es nach seinem Tod weitergehen soll: mit dem Anwesen, dem Viehbestand und den Feldern. "Also Anni", sagt er, "du bist doch a ganz Stück jünger wie ich und in die bestn Johr, du musst donn bald widdä heiärn!"

Allein tät sie das alles nicht schaffen, sie bräuchte unbedingt einen Mann dazu. Die Anni ist entsetzt und schreit: "Nie und nimmä! Ka andrä Moo kummt miä nein Haus, für miich bist du der aanzich!" Aber der Hans gibt nicht nach und macht Vorschläge: "Wos maanstn zum Andrees? Der is doch a Witwer und hot aa wos drauf?" Die Anni: " Naa, kummt ja goä net in Frooch, den hob i nuch nie leidn gäkönnt!" "Und, wie wärs mitn Heiner? Dem sei Felder liegn je direkt nebä unsära!" "Niemols! Der ko doch diä net es Wasser reichn! Do bleib i liebä allaa - als dei Witfraa! Alle weiteren Vorschläge lehnt sie zornig ab. Schließlich versucht es der Hans ein letztes Mal: "Und, wie wärs mitn Fritz ausm Nachbärort? Des is doch a sauberä Moo - sei Alter sicht mä na übähaupt net oo - und mä ko sich auf na välossn!"

Schaut amol oo: Plötzlich wird die Anni wankend: "Ooch - o den hob i nuch goä net gädocht!" Und Hans merkt, dass sie den Gedanken nicht schlecht findet. Jetzt sagt sie: "Und dem passn fei zägoä dei Hemmädä!(Hemden)! Des hob i nämlich gämerkt, wie er neulich widdä bei miä woä!" Jetzt kann ich das Lachen nicht mehr zurückhalten und der Erzähler stimmt mit ein. "Derf i des Gschichtla aufschreibn?", bitt ich ihn. "No freilich!"