Wenn an diesem Nachmittag im Arbeitsraum des Kronacher Kunstvereins (KKV) geredet wird, dann nur im Flüsterton. Hochkonzentriert sind die fünf Damen und der eine Herr bei der Arbeit. Seite an Seite sitzen die Hobbymaler vor ihren Staffeleien. Darüber haben sie jeweils ein großes Foto mit ihrem ausgewählten Bildmotiv angebracht.
Unter ihnen ist auch Karin Schöntag, die sich für zwei große prachtvolle Zierfische in leuchtenden Farben vor dunklem Hintergrund entschieden hat. Kritisch schaut sie immer wieder auf ihre Vorlage. Dann versucht sie, aus verschiedenen Öl-Farben den genau übereinstimmenden Farbton zu mischen: Kein leichtes Unterfangen!
Seit Juli sind im Fürstenbau der Festung Rosenberg die magischen Bildwelten des spanisch-deutschen Künstlers Jorge Villalba zu sehen. Die Ausstellung umfasst zwölf raumfüllende Gemälde, die große Dramen aus Mythologie und Bibel interpretieren. Dabei muss man schon zweimal hinsehen, ob es sich um hochwertige Fotografien handelt oder eben um Malerei. Nahezu jeder Betrachter der Werke wird sich dabei fragen, wie solch fotorealistische Effekte bis ins kleinste Detail möglich sind. Einen exklusiven Einblick "dahinter" erhalten noch bis zum morgigen Samstag die sechs Hobbymaler, die seit Montag am vom Künstler - in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem KKV - angebotenen Malkurs teilnehmen.
"Fotorealistische Malerei ist vor allem Technik", sagt der in Gotha arbeitende und lebende Maler ("90 Prozent bei der fotorealistischen Ölmalerei macht die Technik aus"). Dabei legt er Wert auf die Feststellung, dass er keine Kunst unterrichte. "Kunst ist immer das Produkt des Künstlers. Ich bin nicht hier, um Menschen zu Künstlern zu machen, sondern um ihnen die hierfür notwendige Technik aufzuzeigen sowie Strategien und Tricks", betont er. Alles andere wäre eine Lüge. "Jeder kann ein fotorealistisches Bild malen. Aber das dauert. Es ist ein Prozess und eine Frage der Zeit", bekundet er.
Begrüßt wurden die sechs Teilnehmer zum Auftakt auch vom Museologen Alexander Süß sowie dem KKV-Vorsitzenden Karol Hurec. Beide zeigten sich sehr stolz, den Künstler für diesen exklusiven Kurs gewonnen zu haben. "Für mich war die Eröffnung seiner Ausstellung die spannendste seit Langem", verrät Süß. Villalba beherrsche die Techniken der alten Meister und interpretiere sie neu, was eine perfekte Verbindung zu Lucas Cranach schaffe. "Mit dem Workshop können wir nun eine weitere Perle an unsere schöne Kette aneinanderreihen", freut er sich. Daher sei es auch angedacht, bei genügend Nachfrage, den - für eine Teilnehmerzahl zwischen sechs und zwölf Personen angelegten - Kurs als Dauereinrichtung zu etablieren. Dieser richtet sich an Anfänger wie auch Fortgeschrittene. Die nächsten Termine im Frühjahr 2018 stehen bereits fest.
"Kronach braucht sich mit seinem kulturellen Angebot nicht zu verstecken", würdigt Hurec, der auf eine Reihe alljährlich wiederkehrender Highlights verweist, mit denen man Menschen nach Kronach anlocke. Dies gelte insbesondere auch für den Kurs, bei dem vier der sechs Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet kommen. "Wenn sie eine Woche in Kronach bleiben, in Hotels unterkommen, einkaufen - dann ist das zwar ein kleiner, aber dennoch erwähnenswerter Wirtschaftsfaktor", schloss sich ihm Süß an.


Landkreis: zwei Teilnehmerinnen

Einer von ihnen ist Gerd Friedrich aus Bonn. Der gebürtige Plauener malt seit eineinhalb Jahren. "Ich habe damals einen VHS-Kurs mitgemacht", erzählt der 65-Jährige, der vor seinem Ruhestand Handwerker war. Die Ausstellung habe er übers Internet entdeckt. "Ich dachte sofort, die muss ich sehen", verrät er. Davon sei er so begeistert gewesen, dass er sich für diesen Kurs angemeldet habe, um die Technik zu erlernen. In Kronach gefällt es ihm sehr gut. Der Kurs mache ihm viel Spaß. Die Atmosphäre sei locker, das Miteinander gut. So sehen es auch Karin Schöntag aus Kronach sowie Eva Quast aus Unterrodach, die beiden einzigen Teilnehmerinnen aus dem Landkreis Kronach. Beide wurden ebenfalls über die großartige Ausstellung auf den Künstler aufmerksam. Der Kurs sei sehr spannend. "Das ist so ein
freundlicher und liebenswerter Künstler, sehr bodenständig und überhaupt nicht abgehoben. Man kann ihn immer fragen", ist Schöntag begeistert.