Zahlreiche Vertreter aus Politik, Gesellschaft und den Kirchen kamen zum Festakt anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Landkreises Bamberg.

Landrat Johann Kalb (CSU) sprachdavon, dass 90 Jahre Landkreis ein "Anlass zu großer Freude und Dankbarkeit" seien, denn 70 Jahre davon konnten in Frieden und Freiheit erlebt werden. Kalb warnte davor, das als selbstverständlich zu betrachten, gerade in Zeiten von Nationalismus und zunehmender Fremdenfeindlichkeit.

Der Landkreischef würdigte Bezirksoberamtsrat Paul Köttnitz, den ersten Behördenchef der neuen Gebietskörperschaft, die am 1. Oktober 1929 durch die Zusammenlegung der Bezirksämter Bamberg I und Bamberg II entstand. Köttnitz begehrte gegen die Nationalsozialisten auf und wurde deshalb seines Amts in Bamberg enthoben und nach Würzburg versetzt.

Seine jüngste Tochter Alexandra Draheim erinnert sich lebhaft an die Geburtsstunde des Landkreises, obwohl das 90 Jahre zurückliegt und sie schon ihren 103. Geburtstag feiern konnte. In einer kleinen Talkrunde schilderte sie, wie sie und ihre Familie Sonntag für Sonntag mit der Bahn die Region erkundeten, erzählte vom Widerstand ihres Vaters gegen die Nationalsozialisten und von den Werten, die ihr ihre Eltern vermittelt haben.

Für die Regierung von Oberfranken gratulierte Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz dem Landkreis und bescheinigte ihm Vorbildfunktion. Mit denkbar niedriger Arbeitslosigkeit, enormem Beschäftigtenzuwachs, sehr guter Finanzkraft und abnehmenden Schulden sowie sehr ausgeprägtem Ehrenamt sei der Landkreis bestens aufgestellt. Hier wird "nicht nur verwaltet, sondern vor allem gestaltet", findet Piwernetz. Sie beglückwünschte den Landkreis auch für den Blick weit über den "eigenen Tellerrand" hinaus.

Insbesondere die Förderung des europäischen Gedankens sei "besonders in der jetzigen Zeit, wo die nationalen Interessen zunehmend in den Vordergrund gerückt werden, von großer Bedeutung".

Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer ordnete die Geschichte des Landkreises Bamberg in den historischen Kontext ein. Sie spannte den Bogen von den umfangreichen Verwaltungsreformen des frühen 19. Jahrhunderts über die Einteilung Bayerns in Kreise und Landgerichte durch den königlich-bayerischen Minister Maximilian von Montgelas, zu den Landgerichten Bamberg I (rechts der Regnitz) und Bamberg II (links der Regnitz), die zu Bezirksämtern umgewandelt und 1929 zusammengelegt wurden. Daher könne der 1. Oktober 1929 als Geburtsstunde des Landkreises Bamberg bezeichnet werden, dem der Bezirksoberamtmann Paul Köttnitz gleichsam als erster Landrat vorgestanden habe.

Sein Dienstsitz war der Ebracher Hof am Kaulberg, bis er 1933 wegen seiner antifaschistischen Haltung aus dem Amt entfernt wurde. Köttnitz folgten bis heute neun Landräte, unter anderem der spätere Bundesjustizminister Thomas Dehler (1945/46). Das Landratsamt veränderte seinen Standort zunächst an die Promenade und später an die Ludwigstraße.

Die aktuellen Herausforderungen des Landkreises sind die Fragen nach den Wirtschaftsstandorten, die Integration von Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat suchen, der Klimawandel, der erstarkende Nationalismus und vor allem die Frage nach der eigenen Identität des Landkreises "irgendwo zwischen Digitalisierung und Bierkulturzentrum".

Für die Zukunft sei es wichtig, so Schäfer, sich stets der individuellen Eigenheiten der Region bewusst zu sein und sie zu bewahren. Dafür habe man auch einmal unbequeme Wege einzuschlagen, die kontrovers begleitet würden. Der Landkreis Bamberg ist Heimat für fast 150 000 Menschen. "Die Aufgabe der politisch Verantwortlichen wird es sein, wachsam in die Zukunft und mit Weitsicht in die Vergangenheit zu blicken."

Das Tubaquartett "Tuba mirum" der Kreismusikschule mit Sophie-Marie Gunzelmann, Niklas Nüßlein, Michael Botlik und Johanna Krug umrahmte den Festakt. asp