Es war wohl Fügung, als sich Roswitha (70) und Dieter (72) Scheel aus Veitlahm 1970 auf dem ersten Deutsch-Sowjetischen Jugendfestival in Dresden kennenlernten.

"Ich wollte eigentlich gar keinen Blonden", scherzt Roswitha Scheel heute und lacht ihrem Ehemann am 50. Hochzeitstag zu. Er hat ihr zur goldenen Hochzeit am 5. Mai eine Ostfriesentorte mit kräftigem Schuss gebacken, "überhaupt macht er viel zu Hause, er kocht, bäckt, wäscht und putzt", lobt Roswitha Scheel. Gebürtig stammt sie aus Dresden, Dieter Scheel aus dem schönen Havelland. 1972 haben sie geheiratet, haben kurz darauf ihre erste Tochter Constanze bekommen. "Dieter hatte einen neuen Job, wir sind umgezogen, hatten binnen sechs Wochen eine kleine Wohnung und einen Krippenplatz, alles über seinen Betrieb", erzählt die Jubilarin, "das war die Sonnenseite der DDR."

Zwei weitere Kinder (Sohn Oliver und Tochter Maria) sowie die Enkel Lukas und Paul folgten. Der ausgebildete Maschinen- und Traktorenschlosser und die Lehrerin zog es schließlich aus beruflichen Gründen weg von Berlin, und über einige Umwege sind sie in Veitlahm gelandet, "mitten auf dem Dorf!" Und heute gefällt es ihnen so gut, dass sie beschlossen haben, für immer zu bleiben. "Wir genießen die Landschaft, denn wir wandern sehr gerne", verraten die beiden.

Roswitha Scheel singt im Veitlahmer Chor, ihr Mann Dieter hilft im Ort, wo immer Not am Mann ist. Als Waldorflehrerin war sie lange in der Wernsteiner Schule aktiv, und selbst heute mit 70 Jahren kann sie keine Ruhe finden, unterrichtet an der Waldorfschule in Nürnberg. Ein Geheimrezept für ihr jahrzehntelanges Glück hat das Ehepaar Scheel auch: "Wir haben uns immer unsere Freiräume gelassen." Uschi Prawitz