Stephan Herbert Fuchs

Aus Frust über den lange anhaltenden Lockdown und weil ihr auch noch die Wohnung gekündigt wurde, drehte eine 47 Jahre alte Frau mitten in der Nacht die Musik kräftig auf. Natürlich ließen sich die Nachbarn das nicht bieten und riefen die Polizei. Die Beamten rückten gleich mit vier Mann an. Doch anstatt leiser zu machen, teilte die Frau kräftig aus und überzog die Ordnungshüter mit üblen Schimpfworten. Die Quittung erhielt sie jetzt bei einem Prozess am Amtsgericht in Kulmbach.

Glimpflich davongekommen

Trotz zweier offener Bewährungen kam die Frau noch einmal mit einer Geldstrafe davon. Eine Freiheitsstrafe stand schon im Raum. Doch Richterin Sieglinde Tettmann ging davon aus, dass es sich um eine einmalige Entgleisung handelte.

Teuer wurde es trotzdem, denn die Geldstrafe wurde mit 50 Tagessätzen zu jeweils 35 Euro (1750 Euro) nicht gerade niedrig angesetzt, zumal die Frau von einer Erwerbsunfähigkeitsrente leben muss.

Vor Gericht räumte sie die Beleidigungen ohne irgendwelche Ausflüchte ein und entschuldigte sich dafür. "Ich war so frustriert wegen verschiedener Dinge", sagte sie und wies darauf hin, dass der Lockdown für sie schon sehr belastend gewesen sei.

Weit weg

Ihre beiden erwachsenen Kinder wohnten weit weg, so dass man sich nicht sehen konnte; da habe sie eben mal zur Flasche gegriffen. Nur deshalb sei es so weit gekommen, sagte die Angeklagte.

Aufgrund von Streitigkeiten mit den Nachbarn und ihrem Vermieter sei seiner Mandantin kurz zuvor auch noch die Wohnung gekündigt worden, ergänzte der Verteidiger Ralph Pittroff.

Problem bei der Sache war, dass die Angeklagte gleich zwei offene Bewährungen hatte. 2018 wurde sie wegen verschiedener Drogendelikte und wegen des Besitzes einer verbotenen Waffe ebenfalls vor dem Amtsgericht in Kulmbach zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Nicht einmal ein Jahr später kam eine weitere Bewährungsstrafe in Höhe von vier Monaten wegen einer Sachbeschädigung dazu. Da ist eigentlich keine Bewährung mehr möglich.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah in ihrem Plädoyer allerdings auch, dass die Angeklagte Reue und Einsicht gezeigt habe. Unter anderem hatte sie an die vier Polizisten, die im Einsatz waren, Entschuldigungsbriefe geschickt.

Nachdem auch der Bericht der Bewährungshelferin positiv ausfiel, beantragte die Anklagevertreterin 50 Tagessätze zu jeweils 40 Euro (2000 Euro). Verteidiger Pittroff blieb mit 40 Tagessätzen zu jeweils 35 Euro (1400 Euro) deutlich darunter. Seine Mandantin habe von Anfang an alles voll eingeräumt und dem Gericht damit eine langwierige Beweisaufnahme erspart, sagte er.

Mahnung

Richterin Sieglinde Tettmann wählte für ihr Urteil den golde-nen Mittelweg. Die Beleidigungen seien als Spontantat aufgrund der schwierigen Lebensverhältnisse einzustufen. Eine Freiheitsstrafe sei nicht nötig. Sollte die Frau aber noch einmal dermaßen ausrasten, müsste sie wohl sämtliche offenen Bewährungsstrafen auch absitzen.