Martin schweiger Weil ein 38-jähriger Drogendealer aus dem südlichen Landkreis Haßberge einen anderen Drogenhändler der Polizei "ans Messer lieferte", rächte sich dieser und zeigte seinerseits den 38-Jährigen an. Die Staatsanwaltschaft ist dabei der lachende Dritte: Sie stellte Strafantrag gegen die Drogenfreunde, die seitdem beide in Untersuchungshaft sitzen. Am Montag verurteilte das Landgericht in Bamberg am zweiten Verhandlungstag den 38-jährigen Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, weil er selbst mit Drogen handelte und einen anderen dazu anstiftete.

Seltsame Idee

Dabei hätte er überhaupt nicht auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, wäre ihm am 7. März dieses Jahres nicht eine dumme Idee gekommen. Er bestellte bei einem ehemaligen Arbeitskollegen, der ebenfalls mit Rauschgift handelt, zwei Kilogramm der Droge Amphetamin zum Preis von 12 000 Euro. Doch er hatte nie vor, den Stoff auch abzunehmen, geschweige denn zu bezahlen. Stattdessen informierte er die Kriminalpolizei Schweinfurt darüber, dass bei dem Dealer aus dem nördlichen Landkreis etwas Illegales zu finden sei. Bei einer Hausdurchsuchung vier Tage später, am 11. März dieses Jahres, wurden die Beamten dann auch fündig. Sie stießen nach Angaben des ermittelnden Kripo-Beamten auf ein "Sammelsurium von Drogen", beschlagnahmten dort 1,6 Kilogramm Amphetamin und nahmen den verdutzten Dealer fest.

Rachegedanken

Nachdem ihm die Beamten mitgeteilt hatten, von wem sie den Tipp erhalten hatten, sann er im Knast sitzend auf Rache und belastete seinerseits den, der ihn "verpfiffen" hatte. Er gab an, dass der Angeklagte ihm angeboten hatte, ihm für 1300 Euro 26 Gramm Metamphetamin vom sogenannten "Vietnamesenmarkt" in Tschechien zu besorgen. Er habe ihm das Geld gegeben, aber drei Tage später nur 13 statt der vereinbarten 26 Gramm der künstlichen Droge erhalten. Als ihn dann der Angeklagte später bat, zwei Kilogramm Amphetamin für 12 000 Euro zu besorgen, witterte er die Chance, auch ihn über den Tisch zu ziehen. Er habe ein Kilogramm bestellt, das er dann auf zwei Kilogramm strecken wollte, sagte er im Zeugenstand vor Gericht.

Durch die Aussage des Inhaftierten wurde der Angeklagte am 11. Mai festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Vor Gericht schwieg er zu den Vorwürfen. Für ihn stand viel auf dem Spiel, denn ein Unbekannter ist er vor Gericht beileibe nicht. Elf Vorstrafen stehen in seinem Strafregisterauszug.

Im Mai 2017 wurde er wegen Rauschgiftdelikten zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Bereits zwei Jahre später wurde er aus der Haft entlassen. Der Rest der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Diese Bewährung wird wohl nun widerrufen, so dass der Angeklagte die Resthaft von zwei Jahren und vier Monaten dann auch noch verbüßen muss.

Mit 15 Jahren ging's los

Im jungen Alter von 15 Jahren begann seine kriminelle Karriere mit einer gefährlichen Körperverletzung, als er sich in einer Jugendeinrichtung prügelte. Es folgten Diebstahl, Tank- und Mietbetrug und eine weitere Körperverletzung im Jahr 2012.

Zum Fremdschämen war ein Fall aus dem Jahr 2013, als er Schulden bei seiner Schwiegermutter mit den Ersparnissen seiner beiden Kinder bezahlen wollte und bei der Geldübergabe der Schwiegermutter zweimal ins Gesicht schlug.

Schicksal

Leicht hatte es der Angeklagte in seiner Kindheit allerdings nicht. Seinen leiblichen Vater hat er bis zu seinem 15. Lebensjahr nicht kennengelernt. Er fand sowohl seinen Großvater als auch seinen Bruder erst, nachdem sie sich das Leben genommen hatten. Sein Stiefvater war ein gewalttätiger Alkoholiker.

Seine erste Ehefrau erwischte er zweimal in flagranti mit deren Ex-Mann im Bett. Es folgten die Trennung sowie ein verlorener Sorgerechtsstreit um seine beiden Kinder, was er mit Drogen kompensieren wollte. Hinzu kam die Spielsucht, die unter anderem daran schuld ist, dass er auf einem Schuldenberg von etwa 30 000 Euro sitzt.

Zwei Therapieaufenthalte halfen nur vorübergehend. Ein neuer Nackenschlag folgte im September vergangenen Jahres, als seine neue Lebensgefährtin das gemeinsame Kind verlor. Dieser Schicksalsschlag habe bei ihm "den Schalter rumgedreht" und er habe wieder angefangen zu konsumieren, gab er zu Protokoll. Mittlerweile sei seine Frau wieder schwanger, gab er als Lichtblick bekannt.

Laut dem Gutachter Christoph Matern leidet der Angeklagte nicht unter einer Psychose. Er sei intelligent. Die Steuerungsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt, trotz des jahrelangen Konsums harter Drogen wie Metamphetamin. Eine erneute Unterbringung im Maßregelvollzug erachtete der Arzt nicht als erfolgversprechend, allenfalls eine kurze, sechsmonatige Therapie, die das Gericht in Bamberg dann auch anordnete. Zuvor muss der Verurteilte ein Jahr "Vorwegvollzug" hinter Gittern verbringen.

Noch nicht rechtskräftig

Der Staatsanwalt hatte zuvor auf vier Jahre und drei Monate plädiert. Verteidiger Maximilian Glabasnia erachtete eine neunmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend. Das Gericht hielt die Aussage des Belastungszeugen für glaubwürdig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.