Die Dame war stolz, Teil des Spektakels zu sein. Dick in Decken gehüllt und im Schlittenkasten sitzend ließ sie sich von ihrem Kavalier über den verschneiten Schlossplatz und die Straßen der Stadt fahren. Mehr als ein Dutzend reich verzierter Schlitten nahmen an der prunkvollen abendlichen Prozession teil. Fackelträger und die schön geschmückten Stadthäuser der Bürger schufen eine einzigartige Atmosphäre.

Teil des höfischen Zeremoniells

Natürlich fuhr unsere Dame nicht an erster Stelle des Zuges, dieser Platz war dem Markgraf vorbehalten. Mehrere Monate hat der Zeremonienmeister des Hofes an diesem außergewöhnlichen Abendevent gearbeitet, hat Schlittenverzierungen entworfen, Handwerker beauftragt und sich um die Musik gekümmert.

So genannte Schlittarden waren während der Barockzeit Teil des höfischen Lebens. Hier konnte Prunk gezeigt und vor allem auch Macht repräsentiert werden. Wer dabei war, stand für alle sichtbar in der Gunst des Fürsten.

Der Barockschlitten aus dem Fränkische-Schweiz-Museum war Teil dieses höfischen Zeremoniells. Mindestens viermal besserten Handwerker diesen Schlitten aus, übermalten ihn und veränderten die Verzierungen. So kommt die markante Löwenfigur aus einer späteren Zeit als das Schnitzwerk des Schlittenkastens. Das Schnitzwerk stammt sicher aus der Zeit vor 1700. Wem dieser Schlitten gehörte, ist allerdings nicht mehr nachzuvollziehen.

Auf den Komfort der Passagierin wurde geachtet: Die hochgezogene Front des Schlittenkastens schützte die Dame vor dem Schnee, der durch die Hufe des Pferdes aufgewirbelt wurde. Im Kasten selbst lagen warme Steine für die Füße. Der schmale Sitz war gepolstert.

Karambolagen und Überschläge

Trotz dieser Maßnahmen gilt eine Schlittenfahrt als kein ganz ungefährliches Freizeitvergnügen: Der Kavalier musste das starre Gefährt sehr sorgsam lenken, um Unfälle zu vermeiden. Zahlreiche Karambolagen oder Überschläge bei solchen Festivitäten sind bildlich belegt.

Das Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld stellt in seiner Kunstgalerie diesen Schlitten aus. Vor kurzem hat das Museum auch einen Film über diesen Schlitten veröffentlicht. Er ist in der Reihe "Streifzüge durch das Fränkische Schweiz-Museum" auf dem Youtube-Kanal des Museums veröffentlicht. red