Haßfurt — Zwei junge Burschen wollten eigentlich nur fröhlich Fasching feiern. Doch dann holte sich einer von ihnen eine blutige Unterlippe: Ein 18-Jähriger hatte ihm ins Gesicht geschlagen. "Wenn du die Strafanzeige nicht zurücknimmst, werde ich deine Familie umbringen", soll der Beschuldigte laut Staatsanwalt gesagt haben. Deswegen lautete der Vorwurf bei der Verhandlung am Jugendgericht Haßfurt "vorsätzliche Körperverletzung und Bedrohung."
Schon einmal war der 17-jährige Fachinformatiker mit dem Angeklagten aus Oberaurach in Streit geraten und hatte ihn daraufhin angezeigt. Und der Beschuldigte glaubte offenbar, sein Problem mit einer weiteren Gewalttat aus der Welt schaffen zu können. Deswegen schlug er beim diesjährigen Faschingsumzug in Eltmann zu.
Jugendrichter Martin Kober zeigte dem bulligen Fleischerlehrling schließlich auf, dass er damit nicht weiterkommt. Einen Arrest hielt Kober nicht für nötig, stattdessen muss der 18-jährige Schläger 300 Euro an den Jugendhilfefonds Haßberge zahlen und die Kosten des Verfahrens übernehmen.
Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 1600 Euro gefordert, die Verteidigung Freispruch. Der Angeklagte beteuerte bis zum Schluss seine Unschuld: "Ich kann kein Geständnis abgeben, weil ich es nicht war", sagte er. "Hätte ich geschlagen, würde ich dazu stehen."

"Sind Sie umgefallen?"

Glaubwürdiger fand Richter Kober jedoch die Aussagen des 17-jährigen Kumpels des Opfers, der erklärte, die Tat genau beobachtet zu haben, weil er direkt daneben stand. Er schilderte, dass den verbalen Attacken und Drohungen schließlich drei Schläge ins Gesicht seines Freundes folgten. Letztlich ging es dem Gericht darum, zu klären, wie heftig der Angriff war. "Sind Sie umgefallen oder stehen geblieben durch die Schläge?", hatte Richter Kober den Geschädigten gefragt. "Stehen geblieben", antwortete dieser. Zwar habe er Schmerzen gehabt und geblutet, zum Arzt sei er deswegen aber nicht gegangen. Unmittelbar nach dem Angriff sei er zusammen mit seinem Kumpel von dem Angreifer weggelaufen, um weiteren Ärger zu vermeiden.
Dass bei der Attacke "keine gravierenden Verletzungen entstanden sind", wertete Richter Kober schließlich zu Gunsten des Angeklagten, der strafrechtlich vorher nicht größer in Erscheinung getreten ist. Zweifel hatte Kober allerdings keine, dass sich die Ereignisse so zugetragen haben, wie es die beiden 17-Jährigen ausgesagt hatten. Eine von der Verteidigung vermutete Falschaussage des Zeugen hielt Richter Kober für äußerst unwahrscheinlich, denn die daraus resultierenden strafrechtlichen Konsequenzen wären enorm. "Da steht viel mehr auf dem Spiel, als die 300 Euro, die ich hier auferlegt habe", sagte er.
Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Der 18-Jährige hat eine Woche Zeit, Einspruch einzulegen. al/ak