Gertrud Glössner-Möschk

Mit fünf Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe ahndete die Zweite Strafkammer des Landgerichts Bamberg den Messerangriff eines 30-jährigen Syrers auf einen Landsmann. Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 7. Februar 2016 in einer Asylbewerberunterkunft in der Memmelsdorfer Straße.
Die Staatsanwaltschaft ging von versuchtem Mord aus - Oberstaatsanwalt Otto Heyder forderte neun Jahre - , der Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Barthelmes, wertete die Tat als gefährliche Körperverletzung und beantragte eine Strafe "keinesfalls über drei Jahre" .


Alkoholbedingt enthemmt

Die Kammer kam unter Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt zu einer anderen, einer dritten Wertung: Sie sprach Adam Z. (Name geändert) des versuchten Totschlags und der versuchten Körperverletzung schuldig.
Der Streit zwischen Adam Z. und seinem jüngeren Mitbewohner war, wie Richter Schmidt in der Urteilsbegründung rekapitulierte, am Abend des 6. Februar wegen einer Bahnfahrkarte ausgebrochen und hatte sich im Lauf der folgenden Stunden hochgeschaukelt. Per What'sApp gingen bitterböse Nachrichten hin und her. Gegen 1 Uhr schrieb Z. an den Jüngeren: "Wenn ich dich erwische, zerschlitze ich dich Zuhälter, du bist noch ein Kind, das fehlt mir noch, dass mich ein Kind verarscht."
Adam Z. ließ sich gegen 3 Uhr mit dem Taxi in seine Unterkunft fahren. Er betrat das Haus durch den Seiteneingang. Er klingelte nicht, sondern rief einen Mitbewohner an und bat ihn, zu öffnen. In der Wohnung schlich er sich leise in die Küche, holte das Messer aus der Schublade und betrat das Zimmer seines Opfers, das auf einem Stuhl saß. Ohne ein Wort zu sagen griff Adam Z. den Mann an, konnte ihm aber nur oberflächliche Verletzungen zufügen. Die Mitbewohner überwältigen ihn und hielten ihn fest, bis die Polizei kam. Zu Gunsten des Angeklagten rechnete die Kammer die Tatsache, dass er in Deutschland nicht vorbestraft ist, dass er Bedauern und Reue zeigte und dass er "alkoholbedingt enthemmt" war, als er seinem Kontrahenten das Wellenschliffmesser an den Hals setzte. Außerdem hatte er ein Teilgeständnis abgelegt: Er konnte sich an das Tatgeschehen in der fraglichen Nacht kaum mehr erinnern. Zum Zeitpunkt der Tat hatte der trinkgewohnte Adam Z. 1,63 Promille im Blut.