von unserem Mitarbeiter Werner Baier

Gundelsheim/Hallstadt — Endlich liegt er vor, der Planfeststellungsbescheid der Bezirksregierung für den Ausbau der Kreisstraße BA 5, einen 1974 Meter langen Abschnitt zwischen Gundelsheim und Hallstadt. Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) hatte seine letzten Mitstreiter - Landrat a. D. Günther Denzler (CSU) und Markus Zirkel (SPD), Hallstadts abgewählten Bürgermeister - eingeladen, um sich des gewichtigen und heiß ersehnten Inhalts eines knallgelben Aktenordners zu erfreuen.
Zirkels Nachfolger Thomas Söder (CSU) war zwar nicht präsent, aber er hat Verständnis, dass Denzler, Merzbacher und Zirkel den Erfolg ihrer Bemühungen auskosten wollen. Gegenüber dem FT erklärte Söder seine Bereitschaft, das Projekt voranzubringen, die Bürger einzubeziehen und letzte Steine aus dem Weg zu räumen, um möglichst schnell zu einem Abschluss zu kommen. Dies sei auch das Ziel von Landrat Johann Kalb (CSU), ergänzte Söder.

Deftige Beschimpfungen

Günther Denzler hat volle drei Amtsperioden - 18 Jahre lang - um dieses Projekt gerungen. Und sich bis zum Vorwurf der Untätigkeit alle denkbaren und auch deftigen Beschimpfungen anhören dürfen. Er ist sich dessen bewusst: "Hätte man den Grundbesitzern 30 Euro für den Quadratmeter anbieten können, wäre die Straße längst gebaut." Tatsächlich aber bewegt sich der von Gutachtern ermittelte Bodenpreis für das nach Ansicht der Spargelbauern freilich allerwertvollste Ackerland im unteren einstelligen Bereich. Bei 4,50 Euro sollten die Grundbesitzer einschlagen, wenn sie das Risiko einer Enteignung vermeiden möchten, lässt Jonas Merzbacher durchblicken. Er hat es, wie Denzler feststellt, ein bisschen leichter als sein neuer Hallstadter Amtskollege Söder. Die Sache ist nämlich so: Für Gundelsheim ist diese Kreisstraße mitsamt den begleitenden Rad- und parallel verlaufenden Feldwegen von ungleich höherer Bedeutung als für Hallstadt. Auf dem wesentlichen kürzeren Gundelsheimer Abschnitt sind entsprechend wenige Grundbesitzer zur Abtretung von Bauland anzusprechen. Für Hallstadt hat die Straße weniger unter dem Aspekt Gemeindeverbindung Bedeutung, als für die Naherholung. Und die Bauern kamen mit ihren landwirtschaftlichen Geräten und Fahrzeugen mit der bislang und auch in Zukunft 6,50 Meter breiten Fahrbahn zurecht.

Verkehr soll getrennt werden

Es entspringt regional-politischem Willen, den Verkehr aus Sicherheitsgründen zu trennen und für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge sogar eine eigene drei Meter breite Spur zu ziehen. Thomas Söder erbt die nicht beneidenswerte Aufgabe, die Grundbesitzer nun an den Verhandlungstisch und zum Notar zu bewegen.
Der Straßenkörper wird auf einer neuen Trasse insgesamt 20,5 Meter und damit doppelt so breit wie bisher, sagt Bürgermeister Merzbacher. Betroffen seien rund 200 Grundstücke. Darunter befindet sich unter anderem eine Parzelle, die sich im Eigentum von 96 Erben befindet. Es sei also mit einer Vielzahl von Eigentümern zu verhandeln. Merzbacher ist zuversichtlich, zügig voranzukommen und hofft, dass nun nicht wieder einzelne aus Prinzip das Projekt zum Scheitern bringen wollen.

Landkreis muss Mittel aufbringen

Der Gundelsheimer Bürgermeister hofft, dass bis Ende 2015 alle Grundstücksangelegenheiten abgewickelt und sonstige Behinderungen ausgeräumt sein werden, sodass 2016 mit dem Bau begonnen werden könnte. Die Mittel, annähernd zwei Millionen Euro, hat der Landkreis aufzubringen. Sie waren, so Denzler, nie das Problem.
Der für den Tiefbau zuständige Amtsleiter Michael Dotterweich war ebenfalls von der Notwendigkeit überzeugt. So stand die täglich von etwa 3000 Fahrzeugen frequentierte und vom Ausbauzustand her vielleicht schlechteste Straße des Landkreises seit Jahren auf der Prioritätenliste. Sogar schon der frühere Hallstadter Bürgermeister Erwin Braun habe keine Gelegenheit ausgelassen, auf die Verwirklichung des Projekts zu drängen, erinnert Denzler. Lange hätten sich jedoch viele Grundbesitzer vorgeblich wegen des hohen Flächenverbrauchs quergelegt und zum Schluss hat auch noch ein Personalwechsel bei der Bezirksregierung zu einer Verzögerung geführt. So konnte bei der Verabschiedung von Landrat Denzler am 28. April in Schlüsselfeld Regierungspräsident Wenning den Planfeststellungsbescheid nur mündlich für die nächste Zeit in Aussicht stellen. Es verging dann noch ein Monat, bis er gedruckt und gebunden war. Denzler sieht in dem Neubau eine wichtige Ergänzung für die Radregion Bamberg und Zirkel kann sich freuen, dass sein Mitwirken an dem Vorhaben letztlich doch von Erfolg gekrönt war. Auch wenn ihn sein Arbeitsweg wieder nach Hirschaid führt, wo er ab August eine neue Aufgabe bei Schaeffler übernehmen wird, freut er sich mit allen Benutzern der Kreisstraße BA 5 über den sich abzeichnenden Fortschritt.