"20 Fenster für 20 Jahre" nannte sich eine Spendenaktion, die der Freundeskreis Weißrussland im Jubiläumsjahr 2016 gestartet hat. Dabei ging es darum, für die Mittelschule Voropajevo neue, energiesparende Fenster zu finanzieren. Diese Einrichtung ist die Partnerschule der Herzogenauracher Realschule.
Die Zweite Vorsitzende des Vereins, Marga Auer, ist nach Belarus gefahren, um das gespendete Geld an den Direktor der Schule, Victor Shuk, zu übergeben. Die Spenden reichten für 17 Fenster, die Kosten für drei weitere (rund 1000 Euro) wurden zwischenfinanziert und müssen noch gesammelt werden.
Marga Auer berichtet von einer aufregenden Reise. Sie hatte ja viel Bargeld bei sich, denn die Schule wollte auf keinen Fall eine Überweisung, wie die ehemalige Lehrerin der Herzogenauracher Realschule berichtet. Sie schreibt: "Der Grund war, dass sie dann in eine höhere Steuerklasse kämen." Die gleiche Begründung habe man auch aus der Niederlassung der beauftragten Fensterfirma in Minsk erfahren. Eine Überweisung auf das Schulkonto war laut Auer ebenfalls nicht möglich, da die Voropajever Mittelschule kein Schulkonto besitzt.


Marga Auer als Geldkurier

Man überlegte im Verein dann noch, einen Transfer über dort ansässige Kirchen oder über das Goethe-Institut in Minsk durchzuführen, doch alle Versuche stellten sich als nicht praktikabel heraus. Schließlich gab Schuldirektor Shuk die Empfehlung, das Geld am besten persönlich in bar zu überbringen. Auer weiter: "Das hat uns übrigens auch eine Organisation empfohlen, die in der Nähe von Voropajevo Häuser für Aussiedler aus dem Tschernobyl-Gebiet baut."
Also "stellte ich mich sofort als Geld-Kurier zur Verfügung", schreibt die Fürtherin. Die Fenster waren zum Zeitpunkt der Reise bereits eingebaut, der Schulchef wartete auf das Geld. Mit dieser Entscheidung kamen aber auch schlaflose Nächte, wie die Reisende weiter schreibt. Besonders nachts tauchten immer wieder Fragen auf, wie zum Beispiel "Wie erkläre ich den Grenzbeamten, wozu ich soviel Geld mitbringe? Wie kann ich beweisen, dass das Geld nicht zur Unterstützung der Opposition oder gar zur Geldwäsche dient? Kann ich begründen, dass das Geld nicht gestohlen wurde? und so weiter.
Ihr wörtlicher Bericht der folgenden Stunden in Auszügen: "Das Geld verstaute ich sicher in meinem umfangreichen Gepäck (zwei Koffer, zwei große Einkaufstaschen, eine Tasche mit einem Geschenk zur Übergabe an einen Bekannten, meine Essenstasche und ein Rucksack mit den Dokumenten) und so stieg ich also mit vielen guten Wünschen und ein wenig Herzklopfen am Nürnberger Busbahnhof in den Linienbus nach Minsk. Mit Spannung wartete ich nun auf das, was wohl an der Grenze passieren wird.
Nach circa 18-stündiger Fahrt ist der Bus mit den 21 Fahrgästen am späten Vormittag in Terespol an der polnisch/belorussischen Grenze angekommen. Die Passkontrolle durch einen polnischen Beamten war schnell und unkompliziert und so fuhr der Bus über die Brücke des Grenzflusses weiter auf die weißrussische Seite. Dort war alles etwas komplizierter. Zunächst betrat ein Grenzbeamter den Bus und kontrollierte die Anzahl der Passagiere. Von einem weiteren Beamten wurden kurze Zeit später alle Pässe eingesammelt und weggebracht. Da ich einen deutschen Pass besitze, musste ich zusätzlich eine Migrationskarte ausfüllen, die ständig im Pass mitzuführen und bei der Ausreise wieder abzugeben ist. Danach fuhr der Bus zur Zollinspektion.
Von früheren Reisen war mir bekannt, dass nun eine umfangreiche Zollerklärung auszufüllen war, wobei nach mitgeführten Schmuck, Drogen, Waffen und so weiter gefragt wurde und auch, wie viel Devisen man in der entsprechenden Währung mit sich führte. Doch dieses Mal war es anders. Das gesamte Gepäck musste aus dem Bus über Stufen beziehungsweise eine Rampe in das Zollgebäude geschleppt werden, wo eine Zollbeamtin die mitgebrachten Gepäckstücke kontrollierte. Gott sei Dank war sie sehr großzügig und ließ nur einige Koffer beziehungsweise Taschen öffnen.


Noch viele schadhafte Fenster

Als ich an der Reihe war, wobei ich mich mit Rucksack, den diversen Taschen und den beiden Koffern schiebend und ziehend in der Schlange vorwärts bewegte, fragte sie nur, was ich in den großen Taschen mitführe, die ich vor meinen beiden Koffern herschob.
Während der langen Busfahrt hatte ich schon vorher die Bezeichnung der Gegenstände im Russisch-Wörterbuch nachgeschlagen, so dass ich ihre Fragen mehr schlecht als recht beantworten konnte. Scheinbar habe ich bei ihr einen guten Eindruck hinterlassen, denn sie winkte mich großzügig durch - ohne eine einzige Kontrolle!"
Mit der Spende von 7630 Euro konnten sechs Klassenzimmer à drei Fenster mit neuen Fenstern versorgt werden. Ein Fenster wurde im Dienstzimmer der beiden stellvertretenden Direktorinnen eingebaut und ein weiteres bei den Toiletten. Marga Auer berichtet abschließend: "Leider gibt es noch viele Fenster, die ebenfalls ersetzt werden müssten. Die finanzielle Situation in Belarus insgesamt ist leider so schlecht, dass es in naher Zukunft keine Aussicht auf eine Erneuerung der Fenster gibt." Deshalb habe sich die gesamte Schulfamilie umso mehr gefreut, dass wenigstens die allerschlechtesten Fenster ersetzt wurden und es dadurch wesentlich wärmer in den Klassenzimmern geworden ist. red