Vor 30 Jahren, als Deutschland seine Wiedervereinigung feierte, gab es auch eine große Feier in Herzogenaurach. Am 2. Oktober 1990 versammelten sich die Bürger um 19 Uhr auf dem Marktplatz. Die Stadtjugendkapelle, der Liederkranz und der Volkschor umrahmten die Feier, der Historiker Klaus-Peter Gäbelein hielt die Festrede, und im Anschluss wurde im Schlossgraben eine Linde gepflanzt - der Baum der Einheit.

Rund eintausend Besucher fanden sich ein, darunter auch zahlreiche Jugendliche. Denn am folgenden 3. Oktober, dem heutigen "Tag der deutschen Einheit", es war ein Mittwoch, gab es schulfrei. Bürgermeister Hans Lang verwies darauf, dass dies ein besonderer Tag für Deutschland und Europa sei und erinnerte an das Leid, "das viele Deutsche unter dem kommunistischen Regime in der DDR zu ertragen hatten".

Klaus-Peter Gäbeleins Rede stand unter dem Aspekt "Das Ringen um die deutsche Einheit in zwei Jahrhunderten." Er führte aus, dass sich dieses Ringen wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehe. Als ein "bunter Fleckerlteppich" aus rund 1780 Territorien war Deutschland seit dem 17. Jahrhundert bezeichnet worden. Über die Freiheitskriege (ab 1813), den ersten Weltkrieg und die Wirren in der Weimarer Zeit spann der Redner damals den Bogen. Im Dritten Reich sei der Begriff Freiheit mit Füßen getreten worden. Die deutsche Einigung schien in den Folgejahrzehnten in weite Ferne gerückt zu sein. Zwischen 1976 und 1981 wünschten sich zwar rund 60 Prozent der Westdeutschen die Wiedervereinigung, doch nur 13 Prozent glaubten an dieselbe, erläuterte Gäbelein damals. Dann aber trat sie ein, die zunehmende Friedenssehnsucht der Massen und es folgte der Zusammenbruch der DDR. pe