STePhan Herbert Fuchs

Weit über 17 000 Euro soll ein früherer Vereinsvorsitzender aus der Vereinskasse genommen und für private Zwecke verwendet haben. Wegen Untreue sollte ihm deshalb vor dem Amtsgericht der Prozess gemacht werden. Die Verhandlung scheiterte allerdings im ersten Anlauf und wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Die Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt erteilte der Kriminalpolizei allerdings ungewöhnlich umfangreiche Nachermittlungsaufträge. Grund dafür ist, dass dem Angeklagten viele der insgesamt 74 angeklagten Einzelfälle nicht so einfach nachgewiesen werden konnten. Der Mann behauptete, den größten Teil des Geldes eben doch für Vereinszwecke ausgegeben zu haben. War dies nicht der Fall, dann habe er das Geld im Nachhinein der Vereinskasse erstattet.

In einigen Punkten waren die Transaktionen auch gar nicht mehr so genau nachzuvollziehen, da es nicht nur Konten, sondern auch eine Barkasse gab. Laut Anklageschrift hatte der Mann fast 15 000 Euro abgehoben und für private Zwecke verbraucht. Mit den restlichen gut 2000 Euro soll er private Dinge finanziert haben.

Vorwurf: Untreue in 74 Fällen

Staatsanwalt Stefan Käsbohrer ging in der Anklageschrift davon aus, dass der 48-Jährige sich damit eine Einnahmequelle von erheblichem Umfang und von erheblicher Dauer verschafft habe, und warf dem Mann gewerbsmäßige Untreue in 74 Fällen vor.

"Das wird sich so nicht darstellen lassen", sagte Verteidiger Frank Stübinger gleich zu Beginn der Verhandlung. Wenn auch eine schludrige Kassenführung nicht in Abrede gestellt wird, so seien die Verwendungen doch sehr wohl für den Verein getätigt worden. Beim Durchgehen verschiedener Einzelposten wurde allerdings schnell klar, dass der Angeklagte sehr wohl private Ausgaben vom Vereinskonto getätigt hatte. So beglich er beispielsweise eine Zahnarztrechnung seiner Ehefrau mit der EC-Karte des Vereins.

Er habe damals nur die EC-Karte des Vereins einstecken gehabt und seine private Karte vergessen, erklärte er. Irgendwann einmal sollte das dann mit Sanierungsmaßnahmen des Sportplatzes verrechnet werden. Auch Telekommunikation samt Internet liefen über das Vereinskonto, allerdings nicht nur die Ausgaben des Vereines, sondern auch die privaten Kosten wurden dabei offensichtlich hineingerechnet. Dies sei technisch nicht anders möglich gewesen, sagte der Angeklagte. Er habe dem Verein niemals Schaden zufügen wollen, beteuerte er. Vielleicht sei ihm da und dort mal ein Fehler unterlaufen. Der Großteil der Ausgaben seien aber Vereinsausgaben gewesen, ob Farbe zur Platzmarkierung aus dem Baumarkt, die notwendige Steuersoftware oder Trainingsanzüge.

Eine ganz andere Aussage kam von der Hauptbelastungszeugin, der damaligen Kassiererin, die alles aufgedeckt und angezeigt hatte. "Es gab ganz, ganz viele Unstimmigkeiten", sagte die Frau. Für sie sei die Verwendung des Geldes völlig unerklärlich gewesen. Habe sie das zur Sprache gebracht, sei sie vom Angeklagten zunächst belächelt, dann bedrängt und schließlich sogar bedroht worden. Sie solle gefälligst von ihrem Amt zurücktreten, habe ihr der Angeklagte nahegelegt.

Kontosperren und Pfändungen

Dabei habe schon die Gemeinnützigkeit des ganzen Vereins auf dem Spiel gestanden. Es habe bereits Kontosperren und Pfändungen für das Vereinskonto gegeben. "Ich habe gesehen, wie es abwärts geht, und wollte den Verein für meine Söhne retten", sagte die Zeugin bewegt.

Von Verschleierungen und Doppelbuchungen seitens des Angeklagten sprach die ermittelnde Kommissarin der Kripo in Bayreuth. Private Abbuchungen seien gängige Praxis gewesen. Dabei sei es ja gar nicht seine Aufgabe gewesen, die Kasse zu übernehmen. Ein Beispiel für die Masche des Angeklagten war ein Streuwagen, für den der Angeklagte 300 Euro von einem Sponsoren in bar bekommen haben soll. Die Spende tauchte nirgends auf, der Vorsitzende kaufte den Streuwagen und belastete das Vereinskonto mit 300 Euro. Das alles sei extrem schwierig nachzuvollziehen, sagte der Zeuge, der seit 2019 die Kasse führt. Als er die Summe der Bargeldabhebungen erfuhr, die der Vorsitzende zuvor getätigt haben soll, musste er selbst schlucken. Auch 2019 habe es noch Bargeldabhebungen gegeben, aber längst nicht mehr in der Höhe. "Irgendwann hatten wir die Faxen dick und haben die EC-Karte des Vereins einfach zerschnitten", sagte er.

Richterin Allstadt sprach von einer zahlentechnisch schwer durchdringbaren Materie und will jetzt weitere Zeugen hören. Beispielsweise die Kassenprüfer, die immer wieder Unregelmäßigkeiten festgestellt hatten. Außerdem sollen weitere Zeugen aus dem Vereinsumfeld vernommen werden und sämtliche Kontoauszüge noch einmal geprüft werden, um das Dickicht aus Buchungen, Barabhebungen und Überweisungen zu durchdringen. Ein neuer Termin wird bestimmt.