Altenkunstadt — "Es ist schwer geworden, einen Gesangverein am Leben zu erhalten", meint Vorsitzender Robert Wilm. Dem Gesangverein Lyra Altenkunstadt ist dies über 120 Jahre hinweg gelungen: "Ein langer Weg, der von Höhen und Tiefen geprägt war." Mit einem "Abend voller Melodien" im komplett gefüllten Kulturraum der ehemaligen Synagoge wurde der "runde Geburtstag" im Beisein vieler Gäste gefeiert.
Der Auftritt des Saxophon-Quartetts von Günter Priesner aus Nürnberg bildete den musikalischen Höhepunkt. Der Deutsche Chorverband und der Fränkische Sängerbund ehrten langjährige aktive Mitglieder.
"Gesang macht froh, fördert die Gemeinschaft und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl", stellte Vorsitzender Robert Wilm fest. Seit 120 Jahren widme sich die Lyra als einer der ältesten Vereine der Gemeinde mit Engagement und Begeisterung der Pflege des deutschen Liedguts. Er dankte dem Gesangverein Singgemeinschaft, mit dem die Lyra seit 1972 auf gesanglicher Ebene eine Chorvereinigung bildet, für das partnerschaftliche Miteinander.
Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) bezeichnete es als herausragende Leistung, einen Gesangverein 120 Jahre lang nicht nur am Leben, sondern auch lebendig zu erhalten: "Ohne die Lyra wäre das kulturelle Leben unserer Gemeinde wesentlich ärmer." Vorsitzender Georg Pitteroff von der Singgemeinschaft lobte die gute Zusammenarbeit innerhalb der Chorvereinigung: "Ich wünsche mir, dass wir noch lange zu unserer eigenen Erbauung wie auch zur Freude der Bürger gemeinsam singen können."
"Tatkraft und Unternehmungsgeist zeichnen den Chor aus. Resignation ist ihm fremd", erklärte Horst Ladegast, der die Glückwünsche des Sängerkreises Coburg-Kronach-Lichtenfels überbrachte. Im Chorgesang werde das Schöne gepflegt und die Gemeinschaft gelebt: "Ihr widmet euch einem reichhaltigen, vielseitigen Liedgut, das sich modernen Strömungen nicht verschließt, aber auch die geerbten Werte nicht vergisst."


Vorbildfunktion eingenommen

Als einer der ersten Gesangvereine habe sich die Lyra mit einer anderen Gesangsgruppe zu einer Chorvereinigung zusammengeschlossen. Sie erfülle somit für die heutige Zeit eine Vorbildfunktion. "Die Scheinehe, die ihr seit 43 Jahren mit der Singgemeinschaft führt, klappt vorzüglich. Deshalb kann man sie zur Nachahmung nur empfehlen", schmunzelte Ladegast.
Die Ehrung treuer Sänger stand im Mittelpunkt des Abends. Ausgezeichnet wurde Johanna Gebert, die seit 40 Jahren der Lyra angehört. Reinwald Kunzelmann, der 47 Jahre lang vorbildlich die Finanzen verwaltete, und Robert Wilm, der seit 45 Jahren das Vereinsschiff steuert, halten dem Gesangverein seit 50 Jahren die Treue. Margarete Baier und Walter Gierlich singen seit 60 Jahren im Chor, Elisabeth Kerling sogar seit 65 Jahren. Horst Ladegast und Robert Wilm überreichten den verdienten Sängern Urkunden und Ehrennadeln des Deutschen Chorverbandes und des Fränkischen Sängerbundes.
Zum Ehrenmitglied ernannt wurde Rudolf Knott, der seit 1949 der Lyra angehört. "Macht weiter so, denn ihr seid nicht nur als Sänger Vorbild, sondern auch als Menschen", appellierte Ladegast an die Geehrten.
Drei Chöre und ein Instrumentalensemble bestritten den musikalischen Teil des Jubiläumsabends. Die Chorvereinigung der Gesangvereine Lyra und Singgemeinschaft, begleitet von Larissa Efremova am Klavier, begeisterte mit den Weisen "Das Lied der Freude", "Der Schlüssel zum Glück" und "Lied unser Band". Auf der Eurovisions-Hymne basiert das Stück "Wir feiern ein Fest der Freude". Der bekannte Komponist Ralph Siegel schrieb den Text für den Schlager "Capri-Fischer". Beifall gab es auch für den Liederkranz Burgkunstadt. Mit volkstümlichen Liedern bereicherte der Gesangverein Obersdorf mit seiner Dirigentin Ingrid Müller das Programm. "Special Guest" war das Saxophon-Quartett aus Nürnberg. Mit atemberaubenden Darbie-tungen spielten sich die Musiker in die Herzen des Publikums. Bernd Kleinert