von unserem Mitarbeiter Richard Sänger

Herzogenaurach — Die Zahl der Flüchtlinge steigt und steigt, eine Herausforderung für den Landkreis Erlangen-Höchstadt und seiner Kommunen. Der dramatische Anstieg führt jetzt dazu, dass im Landkreis binnen weniger Tage erneut eine Erstaufnahmeeinrichtung geschaffen werden muss. Das teilte Landrat Alexander Tritthart (CSU) bei einem Forum "Jugendprojekt Flüchtlinge Willkommen" am Freitagnachmittag im Jugendhaus rabatz mit. Die neue Außenstelle der Zirndorfer Einrichtung werde genauso sein wie die damalige in der Staatlichen Berufsschule.
"Ich wurde vom Regierungspräsidenten angerufen, dass wir bis Donnerstag diese Einrichtung schaffen müssen, weil am Freitag 100 Flüchtlinge einziehen werden", erzählte der Landrat im Gespräch. Tritthart setzte unverzüglich alle Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden davon in Kenntnis und Mitarbeiter des Landkreises durchforsteten den Landkreis nach infrage kommenden Objekten. Übers Wochenende wurden die technischen Möglichkeiten geprüft. "Der Zeitraum, in dem wir Asylsuchende unterbringen müssen, wird immer kürzer und es wird keine Ende nehmen", befürchtet der Landrat. Damit sieht er auch eine weitere Belastung der Helferkreise, vor denen er den Hut ziehe.

Gebot der Stunde

Menschen, die wegen Krieg und Verfolgung den weltweiten Krisenherden entfliehen, ein sicheres Asyl zu gewähren und dies auch als Chance für unsere eigene Entwicklung zu verstehen, sei ein Gebot der Stunde. "Daher unterstütze ich ausdrücklich das Vorhaben, dem Thema in der Jugendarbeit einen Raum zu geben", sagte er im Forum.
Alexander Thal vom Bayeri-schen Flüchtlingsrat war Redner beim Forum. Er widersprach der Aussage der Staatsregierung, dass der Flüchtlingsstrom in Bayern ende und Deutschland das Zielland sei. Dass die bayerischen Landkreise und Gemeinden immer mehr Flüchtlinge unterbringen müssen, sei auch ein Stück "hausgemacht", erklärte Thal dazu.
Er kennt eine Reihe von Schicksalen. Die Flüchtlinge gerieten in die langsam mahlenden Mühlen des Bundesamtes für Migration. Für den Vertreter des Flüchtlingsrates ist das eine Einschränkung der Reisefreiheit. Flüchtlingen, die möglicherweise mit einem gefälschten Visum oder Pass einreisten, drohe irgendwann die Abschiebehaft, weil das den Tatbestand einer Straftat darstelle und in der Akte vermerkt werde. Für Christian Thal ein Teufelskreis, als vorbestrafter Asylbewerber gebe es nahezu keine Möglichkeit einer Anerkennung.
Dass die ins Land strömenden Asylbewerber einen Schub geben könnten, wie die Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, davon seien die Ehrenamtlichen der Helferkreise, die sich Tag für Tag mit den Asylbewerbern beschäftigen, überzeugt. Sie könnten nur Positives berichten, sagte Thal.

Positives Denken

Vor allem auch die jungen Leute in den Helferkreisen denken da positiv. Das Jugendprojekt "Flüchtlinge willkommen" kann schon auf beachtliche Erfolge verweisen. So berichteten im Forum Diana Könitzer von "Höchstadts Helfende Hände" und die Flüchtlingsinitiative Eckental (FLEck), aber auch die Kooperation Gymnasium Herzogenaurach & Liebfrauenhaus von durchgeführten Aktionen. Um die jungen Leute zu sensibilisieren, gibt es an der Realschule eine Projektwoche mit dem Thema "Flüchtlinge" oder beim TC Höchstadt die Projektaktion "Sport für alle" und "Syrisch-Deutsches Kochen" mit dem Herzogenauracher Gymnasium. Und bei einer weiteren Klasse heißt es: "Zusammen wachsen wir über und hinaus" oder auch "Wir sitzen alle in einem Boot".
Mit dabei ist auch das Freizeitheim Herzogenaurach, das mit Kooperationspartnern die ehrenamtlichen Mitarbeiter über fremde Kulturen aufklärt. Und der ASV Niederndorf führt Flüchtlingskinder mit einheimischen Kindern zusammen.
Eines wurde bei den Berichten aus den Helferkreisen deutlich. Es kommen zwar Flüchtlinge, die sollen aber als Gäste behandelt und willkommen geheißen werden. Diese Menschen haben zwar eine abenteuerliche Flucht hinter sich, haben Angehörige verloren, aber sie sind wissbegierig und wollen ihr Leben in die eigene Hand nehmen. So sind darunter gut ausgebildete Menschen, die arbeiten möchten und nicht von der Sozialhilfe leben wollen, deswegen steht der Sprachkurs bei den Helferkreisen im Vordergrund.
"Ich bin stolz, dass wir eine solche Bevölkerung haben und dass es im Landkreis und den Kommunen so vorbildlich klappt", lobte dann auch Bürgermeister German Hacker (SPD) die Vertreter der Helfer kreise. Die Stadt werde trotz knappen Wohnraums dazu beitragen, dass die Asylsuchenden merken, sie sind willkommen.

Leuchtturmprojekt

Der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksjugendrings, Christian Löbel verwies mit Stolz darauf, dass das Forum "Jugendprojekt Flüchtlinge Willkommen" ein Leuchtturmprojekt sei, das es in Bayern sonst nirgendwo geben würde. Der Kreisjugendring möchte damit die Willkommenskultur im Landkreis stärken