Zu seinem 18. Geburtstag bekam er neben einem Schlagstock auch ein Messer geschenkt - eineinhalb Jahre später wurde das Geschenk zur Tatwaffe: Mit der sieben Zentimeter langen Klinge tötete der junge Mann einen Menschen. "Ich habe während der Stiche keinen Widerstand gefühlt. Ich hab' einfach nur noch schwarz gesehen und war wie in einem Tunnel", sagt der mittlerweile 20-Jährige beim Prozessauftakt am Dienstag. "Ich habe mich gewehrt. Aus Angst habe ich wild um mich gestochen. Ich habe mich eher als Opfer gefühlt."

In Jogginghose und Trainingspullover erscheint er gut acht Monate nach der Tat vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Sein Gesicht verbirgt er vor den Fotografen penibel hinter einem Ordner. Die jüngeren beiden Mitangeklagten tragen Hemd und Jeans. Gemeinsam sollen sie einen 28-Jährigen im Streit an einem Fürther U-Bahnhof zusammengeschlagen haben.
Dann kam es zu den tödlichen Messerstichen.


Das Messer soll zufällig in seiner Tasche gewesen sein

Dem Hauptangeklagten drohen wegen Totschlags bis zu zehn Jahre Haft. Sollte das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden, kann die Strafe höher ausfallen. Seinem 18 Jahre alten Bruder sowie einem 17-Jährigen wird schwere Körperverletzung vorgeworfen.

An das Messer in seiner Hosentasche habe er sich während der Auseinandersetzung mit dem späteren Opfer "plötzlich erinnert", sagt der Gleisbauer in Untersuchungshaft. Es sei nur in der Hose gewesen, da er am Mittag ein Paket damit geöffnet und es danach eingesteckt habe. Ansonsten habe er damit immer nur kleinere Renovierungsarbeiten erledigt.

Nach Aussage der drei Angeklagten gab es in der Tatnacht viele Premieren: der erste Wodka-Rausch, die erste Prügelei. Später am ersten Prozesstag kommt heraus, dass der mitangeklagte Bruder schon in der Nacht zuvor aus einer Diskothek geflogen sein soll. "Ich bin ein Mensch, ich bin aggressiv. Wenn einer zu mir Ausdrücke sagt, dann gehe ich nicht, sondern sage Ausdrücke zurück. Das ist eine Schwäche von mir", gab der 18-Jährige bei einer Vernehmung nach der Tat zu Protokoll.


Messerspitze blieb im Schädel des Opfers stecken

Mit 2,23 Promille soll der Auszubildende der Auslöser für die Schlägerei gewesen sein. Nach einer Party sei man betrunken auf dem Weg zur U-Bahn unterwegs gewesen, erzählt der mutmaßliche Messerstecher. Im Vollrausch sei sein torkelnder Bruder dann auf die Freundin des späteren Opfers gestolpert. Daraufhin sei er von dem Mann mit Schlägen und Ausdrücken provoziert worden.

"Ich fühle mich für meinen Bruder verantwortlich", sagt der Älteste. Aus Beschützerinstinkt und Angst habe er sich eingemischt - und mehrfach zugestochen: Dabei brach die Messerspitze ab und blieb im Schädel des Getöteten stecken. "Mein Mandant hat sich nach massiver Beleidigung gewehrt", sagt Anwalt Alexander Horlamus. "Polizeilich ist er bis dahin völlig unbelastet gewesen."

Der erst 17 Jahre alte dritte Angeklagte will sich an nicht mehr viel erinnern können: "Ich gehe nicht mehr feiern, trinke keinen Alkohol mehr und versuche mehr mit meiner Familie und Sport zu machen", behauptet der blonde Junge. Auch mit dem Hauptangeklagten, von dem er durch einen leeren Stuhl getrennt sitzt, will er nicht mehr reden, sagt sein Anwalt. Am 23. Oktober soll das Urteil fallen.