War's das Kleeblatt? Diese Frage wollte Stefan Leitl von der SpVgg Greuther Fürth lieber nicht beantworten. Nach dem Debakel gegen Champions-League-Kandidat RB Leipzig machte sich der Trainer des abgeschlagenen Tabellenletzten aber so seine Gedanken. "Es tut echt brutal weh. Es nervt auch echt, wieder in so ein altes Muster zurückzufallen", räumte Leitl nach dem 1:6 am Sonntag ein.

Die Franken hatten ähnlich naive Auftritte in der peinlichen Hinrunde beim 3:6 gegen die TSG 1899 Hoffenheim oder beim 1:7 gegen Bayer Leverkusen gehabt. In der Rückrunde der Fußball-Bundesliga hatten sie die Löcher im Rückwärtsgang eigentlich geschlossen.

Greuther Fürth vor Wiederabstieg: Azzouzi ratlos, Leitl genervt

Eine "unerklärliche Passivität" bescheinigte Sportdirektor Rachid Azzouzi der Mannschaft im BR Fernsehen. "Ich wünsche mir schon eine andere Gegenwehr."

Diese fiel aber gegen einen Gegner mit hervorragenden Individualisten zu schwach aus - trotz Führung nach nur vier Minuten durch Jamie Leweling. "Das ist schon ein Rückschlag", befand der sichtlich mitgenommene Mittelfeldspieler Paul Seguin. "Mir fehlen die Worte, ich bin ein bisschen geknickt."

Kein Wunder. Nach 26 Spieltagen haben die Franken nur 14 Punkte auf ihrem Konto. Acht Partien vor dem Saisonende beträgt der Abstand auf Relegationsplatz 16 satte neun Zähler.

SpVgg Greuther Fürth: Wer verlässt das sinkende Schiff?

Eine Rettung ist nicht realistisch - alle Fußball-Wunder und mögliche Felix-Magath-Hertha-BSC-Panikattacken der Konkurrenz mal außen vor. "Anlügen brauchen wir uns nicht. Wir kennen die Tabelle, wir wissen, es werden immer weniger Spiele, und die Punkte sind nicht leicht aufzuholen", sagte Außenverteidiger Marco Meyerhöfer, der seine Gefühlswelt im ersten Frust als "sehr kacke" bezeichnete. "Uns ist bewusst, dass es eine schwere Aufgabe ist."

Spätestens nach nun vier sieglosen Partien nacheinander steckt der Aufsteiger im Abstiegstreibsand und muss sich mit der Rückkehr in die Zweitklassigkeit abfinden. Der eine oder andere erst für diese Saison verpflichtete Profi dürfte dann nicht mehr dabei sein.

Die Fürther hätten sich die Bundesliga "sehr, sehr hart erarbeitet", erinnerte Leitl und kritisierte Neuzugänge, ohne sie namentlich zu nennen. Der eine oder andere Spieler solle sich bewusst sein, dass er hier Bundesliga spielen dürfe. "Damit meine ich nicht die Spieler, die mit uns aufgestiegen sind", betonte Leitl.

Mit Leitl in die neue Saison? Azzouzi: "Der Trainer hat Vertrag"

Ob er selber weitermacht? Einen Vertrag bis zum Sommer 2023 besitzt der Aufstiegscoach jedenfalls. "Der Trainer hat Vertrag, und ich plane mit dem Stefan die neue Saison. Das ist der Stand jetzt, und ich gehe davon aus und bin relativ sicher, dass wir nächstes Jahr nochmal zusammenarbeiten werden", sagte Azzouzi. Der Fürther Sportdirektor räumte nach der Klatsche aber ein, dass es im Fußball "keine Garantien" gebe. "In den letzten Wochen und Monaten hat man auch gesehen, dass sich Dinge anders entwickeln können. Wir sind aber so fokussiert, dass wir sehr gerne zusammenarbeiten."

Das Projekt Zweitklassigkeit 2022/23 läuft in Fürth längst. "Wir versuchen, nächstes Jahr wieder eine sehr, sehr gute Mannschaft auf die Beine zu stellen", kündigte Azzouzi an und betonte: "Wir sind Fürth und geben uns nicht auf." Egal in welcher Liga.

Für Verteidiger Maximilian Bauer tat die Leipzig-Klatsche übrigens gleich doppelt weh. Der 22-Jährige musste nach der Partie ins Krankenhaus. Bei einem Zweikampf mit Leipzigs Yussuf Poulsen verlor Bauer einen Schneidezahn - und musste blutend ausgewechselt werden. Für den 22-Jährigen kam Simon Asta in der 75. Minute in die Partie.