• Rivalität zwischen Franken und Bayern gibt es bis heute
  • Die fränkische Identität bildete sich vor allem gegen Bayern heraus
  • Napoleon Bonaparte sprach Franken im 19. Jahrhundert Bayern zu
  • Bis heute existieren politische, kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede zwischen Franken und Bayern

Franken sind keine Bayern. Zumindest fühlen sie sich bis heute nicht so. Dabei gehören große Teile Frankens bereits seit mehr als 200 Jahren zu Bayern. Woher kommt die bis heute andauernde Ablehnung Bayerns durch Franken?

Franken als einheitliches Gebiet existierte lange nicht

Bis heute gibt es große kulturelle Unterschiede zwischen den fränkischen und bayerischen Regionen des Freistaates. Das fängt beim Dialekt an, geht über unterschiedliche Traditionen und eine andere Mentalität bis hin zu religiösen Unterschieden. Doch in der Außenwahrnehmung wird Bayern mit Bergen, Lederhosen und Weißwurst verbunden - sehr zum Ärger der Franken.

Doch "die Franken" gibt es eigentlich gar nicht. Über Jahrhunderte war die Region politisch zerstückelt. Kleinstaaterei, Zwistigkeiten und Konflikte prägten das Gebiet - eine gemeinsame Identität gab es nicht.

Diese entwickelte sich vielmehr erst im Laufe des 19. Jahrhunderts - als Gegenentwurf zu der bayerischen Dominanz. Doch dass es überhaupt dazu kommen konnte, hat mit dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte zu tun.

Napoleon spricht Franken Bayern zu

Dieser hatte große Teile der fränkischen Region 1803 und 1806 mit der Rheinbundakte und dem Zerfall des Heiligen Römische Reich Deutscher Nationen Bayern zugesprochen. Damit ist die Geschichte Frankens unzertrennlich mit der Bayerns verbunden: Denn erst durch das Bündnis Maximilians I. Joseph von Bayern entstand Bayern in seiner heutigen Form - und der ehemalige Kurfürst wurde 1806 zum ersten König Bayerns gekrönt. 

Den Franken gefiel dies weniger. Gerade die fast 600 Jahre freie und mehrheitlich protestantische Reichsstadt Nürnberg war wenig begeistert, nun unter der katholischen Führung Münchens zu stehen. Wenig hilfreich war dabei auch, dass durch die Säkularisation des Staates 1803 "Beutekunst" aus fränkischen Gebieten nach München verfrachtet wurde. 

In der durch Nationalismus und revolutionären Geist geprägten ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Franken dann auch eine eigene Identität, die die bestehenden starken regionalen Unterschiede zwischen Mittel-, Unter- und Oberfranken übertünchte.  Wie häufig in der Geschichte entwickelte sich die Identität Frankens demnach mehr gegen etwas - nämlich die bayerische Vorherrschaft - als dass sie auf innere Gemeinsamkeiten fußte.  

Entwicklung nach der Gründung des deutschen Kaiserreichs

Doch spätestens mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 hatten diese harten Frontlinien ihre Bedeutung schon wieder teilweise verloren: Bayern war nun Teil Deutschlands - und die fortschreitende Zentralisierung des neuen Kaiserreichs ließ alte Konflikte in den Hintergrund treten.

Aus der Feindschaft wurde dadurch immer mehr die kulturelle Rivalität, die bis heute das Verhältnis von Süd- und Nordbayern prägt. Eine Abspaltung Frankens, wie sie noch im 19. Jahrhundert Ziel war, fordert heute niemand mehr ernsthaft. Dennoch bleiben kulturelle, politische und wirtschaftliche Unterschiede bis heute bestehen.

So ist bis heute ein wirtschaftliches Gefälle zwischen Südbayern und Franken zu beobachten, die insbesondere noch durch die über 40 Jahre dauernde Teilung Deutschlands herrührt: Franken, insbesondere Oberfranken war über Jahrzehnte Grenzregion zum Ostblock und lag deshalb weit weniger zentral in Deutschland, als dies nach dem Fall der Mauer der Fall war. Bis heute ist beispielsweise die Arbeitslosenquote in Franken höher, als vielerorts im Süden Bayerns.

Rivalität mit Bayern - trotz fränkischer Ministerpräsidenten

Auch politisch fühlt sich Franken bis heute häufig von München übervorteilt - auch wenn mit Günther Beckstein (2007-2008) und Markus Söder (seit 2018) gleich zwei der letzten drei bayerischen Ministerpräsidenten aus Franken, genauer Mittelfranken, stammen. 

Dass vor allem von fränkischer Seite gelebte Rivalität zwischen Franken und Bayern in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten auflösen wird, ist deshalb äußerst unwahrscheinlich - auch wenn heute kaum noch jemand weiß, woher sie eigentlich rührt. 

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