Die "Eisheiligen" unterbrechen das Frühlingswetter jedes Jahr mit einem Kälteeinbruch - so der Volksglaube. Und tatsächlich bringen die  "Eisheiligen" oft eine Kaltfront mitten im Mai. Doch das Wetterphänomen ist in diesem Jahr nicht so verlässlich wie sonst.

Der Wetterumschwung während der Tage der Eisheiligen vom 11. Mai (Mittwoch) bis zum 15. Mai (Sonntag) ist in diesem Jahr nicht auf den erwarteten Zeitraum gefallen. Denn die Kaltfront zog schon die Woche vorher über Deutschland hinweg. Schon am Montag (09.05. 2022) sind die verfrühten "Eisheiligen" vollständig vorbeigezogen - und dahinter folgte ein echter Sommerschub. "Die Eisheiligen fallen dieses Jahr aus", schreibt Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. "Sie zerfließen förmlich bei den sommerlichen Temperaturen." Tipp: Dominik Jungs aktuelle Wetterprognose für das Wochenende und die kommende Woche findest du am Ende des Artikels.

Name des Wetter-Phänomens: Wer sind die Eisheiligen überhaupt?

Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie - das sind die "Eisheiligen", die trotz der "kalten Sophie" auch die "gestrengen Herren" genannt werden. Die Eisheiligen sind Bischöfe und Märtyrer aus dem vierten oder fünften Jahrhundert, deren Gedenktage im Mai in Zusammenhang mit einem kalten Wetterumschwung gebracht werden. Grund für die Popularität der Heiligen sind traditionelle Bauernregeln.

Eisheilige 2022: Wann findet das Phänomen statt?

Die Eisheiligen finden in jedem Jahr an den folgenden fünf Tagen statt.

  • Mittwoch, 11. Mai Mamertus
  • Donnerstag, 12. Mai Pankratius
  • Freitag, 13. Mai Servatius
  • Samstag, 14. Mai Bonifatius
  • Sonntag. 15. Mai Sophie

Die alten Bauernregeln bezogen sich dabei jedoch auf den Julianischen Kalender. Mit der Gregorianischen Kalenderreform 1582 verschoben sich die Daten, die Tage der Heiligen blieben jedoch am angestammten Platz im Kalender. Die Kälteeinbrüche finden also inzwischen in der Regel rund eine Woche später statt, etwa ab dem 20. Mai.

Woher kommt der Begriff Eisheilige?

Der Begriff Eisheilige leitet sich von alten Bauernregeln ab und bezeichnet ein Wetterphänomen, das im Mittelalter häufig an denselben Tagen Anfang Mai beobachtet werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt unterbrechen alten Bauernregeln zufolge Kälteeinbrüche das meist schon warme Frühlingswetter und sorgen teilweise für Bodenfrost. Daher der Zusatz "Eis-" an den Tagen der Heiligen.

Eisheilige: Welches Wetterphänomen ist die Ursache?

In Mitteleuropa herrschen Anfang Mai in der Regel schon recht hohe Temperaturen. Das Festland erwärmt sich im Gegensatz zum Meer jedoch deutlich schneller. Diese Temperaturdifferenzen erzeugen Tiefdruckgebiete und verursachen eine Verschiebung der Luftmassen: Warme Luftströme auf dem Festland ziehen nach Norden und saugen "eiskalte" Luftströme aus den Polargebieten auf das Festland. Bei klarem Himmel kann dann auch Bodenfrost entstehen.

Welche regionalen Unterschiede gibt es?

Im Norden Deutschlands gilt Mamertus als erster Eisheiliger, in Süddeutschland und Österreich beginnen die Tage der Eisheiligen erst am 12. Mai mit Pankratius. Dieser Unterschied hat vermutlich einen meteorologischen Ursprung: Da die kalte Luft aus den nördlichen Polargebieten kommt, erreichen diese Luftmassen den Süden der Republik oftmals erst einen Tag später.

Gestrenge Herren: Wie exakt trifft das Wetterphänomen zu?

Alleine durch die Kalenderreform ist die Bauernregel der Eisheiligen rund zehn Tage später anzuwenden. Darüber hinaus zeigen Messreihen, dass an den Tagen der Eisheiligen keine Häufung von Frost auftritt - weder an den ursprünglichen, noch an den korrigierten Daten. Allerdings stellte man fest, dass Bodenfrost im Mai mindestens ein- bis zweimal vorkommt.

Gärtner aufgepasst: Das sollten Sie zu den Eisheiligen wissen

Für Gartenbesitzer sind die Eisheiligen im Mai ein wichtiger Termin. Denn erst nach den Eisheiligen, so heißt es oft, geht die Saison für Garten- und Balkonbepflanzung wirklich los. Was hat es damit auf sich - und was genau bedeutet das für Hobbygärtner? Bauernregeln wie diese liefern tatsächlich Hinweise für Landwirte und Gärtner - auch heute noch. In den Sprichwörtern steckt ein alter Erfahrungsschatz über meteorologische Wahrscheinlichkeiten und wiederkehrende Naturphänomene. Die Bauernregeln zu den Eisheiligen beziehen sich auf Spätfröste im Frühling - im schlimmsten Fall erfrieren dann empfindliche und noch ganz junge Pflanzen im Beet.

Aber es zeigt sich immer wieder auch: Alte Bauernregeln sind nur eine grobe Orientierungshilfe. Nicht jedes Jahr bringt noch Spätfröste bis Mitte Mai - in den vergangenen Jahren blieben sie oft ganz aus. Zudem gibt es heute wissenschaftlich ausgeklügelte Wettervorhersagen, auf die sich Gartenbesitzer besser verlassen können. Trotzdem lässt sich sagen: Ein paar Bauernregeln zu kennen und zu beherzigen, schadet nicht. So hilft es sicher, grobe Zeiträume, in denen sich die Witterung häufig stark verändert wie Anfang bis Mitte Mai zu verinnerlichen und die Gartengestaltung erst danach zu planen.

Hobbygärtner sollten rund um die Eisheiligen wissen: Spätestens jetzt können die kleinen, auf der Fensterbank vorgezogenen Gemüse- und Blühpflanzen ins Beet und in den Balkonkasten kommen. Außerdem können zum Beispiel Gurken und anderes Gemüse direkt ins Beet gesät werden. Alle gekauften, nicht winterharten Kräuter sowie Dahlienknollen und weitere Blühpflanzen werden ausgepflanzt. Und Kübelpflanzen kommen nun endgültig aus dem Winterlager ins Freie. Also: ab in die Beete!

Welche Bauernregeln gibt es?

Die Bauernregeln, die sich auf die Eisheiligen beziehen, sind zahlreich:

  • Pankraz, Servaz, Bonifaz, machen erst dem Sommer Platz.
  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
  • Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.
  • Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi, und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
  • Pflanze nie vor der kalten Sophie.
  • Mamerz hat ein kaltes Herz.
  • Die kalte Sophie macht alles hie (nur im bayerischen Raum).
  • Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss.

Die Eisheiligen: Wer war Mamertus?

Mamertus war ein katholischer Bischof. Er wurde um 400 in Lyon geboren und starb 477 in Gallien. Er war der Erzbischof von Vienne und führte die drei Bittgänge ein, die vor dem Fest Christi Himmelfahrt zelebriert werden. Er ist Schutzpatron der Hirten und der Feuerwehr. Mamertus wird bei Dürre, Fieber und Brusterkrankungen angerufen.

Wer war Pankratius?

Pankratius wurde um 290 in der heutigen Türkei geboren und um 304 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet. Er gilt als römischer Märtyrer. Sein Name bedeutet "Der alles Besiegende".

Wer war Servatius?

Servatius war Bischof in Tongern, das im heutigen Belgien liegt und lebte von 340 bis 384 nach Christus. Der Legende nach soll Servatius mit einem Holzschuh erschlagen worden sein. Er soll den Hunneneinfall im Jahr 450 vorhergesagt haben. Inzwischen geht man davon aus, dass Servatius eine konstruierte Figur ist, deren Geschichten aus den Leben zweier historischer Figuren verschmolz.

Wer war Bonifatius?

Bonifatius wurde Überlieferungen zufolge in Rom geboren und starb um 306 in der heutigen Türkei. Er war ursprünglich kein Christ, sollte aber Reliquien aus der Türkei nach Rom bringen. Als er dort sah, wie Christen verfolgt wurden, ließ er sich aus Empathie taufen. Er stand zu seinem Glauben und wurde dafür durch das Bad in siedendem Pech hingerichtet.

Wer war Sophie?

Die als "kalte Sophie" bekannte Sophia von Rom war ebenfalls eine christliche Märtyrin, die um 304 starb. Sie ist die letzte der Eisheiligen und wird gegen Spätfröste und für das Gedeihen der Saat angerufen.

Wetter-Prognose für das Wochenende und die nächste Woche von Dominik Jung

Die Eisheiligen in diesem Jahr werden alles andere als frostig.  Schweiß statt Eis heißt es in einigen Wetter-Vorhersagen. Mit Höchsttemperaturen, die an der 30-Grad-Grenze kratzen, steht echtes Freibad- und Sommerwetter vor der Tür. Keine Spur von Bodenfrost, wie im vergangenen Jahr. "Stand heute ist der Mai rund 2,7 Grad wärmer als das Klimamittel 1961 bis 1990", so Wetterexperte Dominik Jung. "Diese Abweichung nach oben wird weiter zunehmen, denn es geht insgesamt sehr warm weiter. Schon am Wochenende werden im Westen und Südwesten erneut bis zu 30 Grad erwartet. Der Mai wird zum Hochsommermonat." 

Wetterexperte Dominik Jung sagt eine heiße Wetterwoche vorher, die auch heftige Gewitter mit sich bringt:

  • Freitag: viel Sonne, im Süden noch etwas Regen, sonst trocken, 18 bis 26 Grad
  • Samstag: sonnig und trocken, 18 bis 27 Grad
  • Sonntag: viel Sonnenschein und trocken, 20 bis 30 Grad
  • Montag: ab dem Nachmittag in der Nacht auf Dienstag überquert Deutschland ein Gewittertief von West nach Osten, mittendrin immer wieder Sonne, 22 bis 31 Grad
  • Dienstag: schwülwarm und gewittrig, dazwischen Sonnenschein, 18 bis 29 Grad
  • Mittwoch: immer wieder Sonne und Wolken im Wechsel, dabei Hitzegewitter, 17 bis 29 Grad
  • Donnerstag: teilweise sehr warm bis heiß, einzelne Hitzegewitter, 21 bis 33 Grad
  • Freitag: Mix aus Sonne, Wolken und Gewittern, sommerlich warm, 18 bis 28 Grad

"Es steht also eine hochsommerliche Wetterwoche bevor", so Jung. Die höchsten Werte erwartet er im Süden und Westen Deutschlands. "Mindestens eine Woche lang geht das hochsommerliche Wetter weiter. Dazwischen sind aber auch teils kräftige Gewitter dabei. Hagel und Starkregen können dabei ebenfalls auftreten."

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