Franken
Ermittlungen

"Cold Cases" Franken: Sechs Verbrechen, die bis heute nicht aufgeklärt sind

Für die Angehörigen eine unvorstellbare Qual: Nicht immer können Gewaltverbrechen oder Vermisstenfälle sofort aufgeklärt werden, einige Fälle bleiben sogar für Jahrzehnte offen. Doch Mord verjährt nicht und auch nach Jahren der Ungewissheit können "Cold Cases" wieder aufgerollt werden. Hier sind sechs Kriminalfälle aus Franken, die die Ermittler heute noch beschäftigen.
 
Manche Kriminalfälle bleiben jahrelang ungeklärt. Sogenannte "Cold Cases" werden jedoch immer mal wieder aufgerollt. Symbolfoto: Andreas Gruhl/Adobe Stock
Manche Kriminalfälle bleiben jahrelang ungeklärt. Sogenannte "Cold Cases" werden jedoch immer mal wieder aufgerollt. Symbolfoto: Andreas Gruhl/Adobe Stock Foto: Polizeiabsperrung, Absperrung, Überfall, Einbruch, Mord, Polizeieinsatz, Polizei, Untersuchung Symbolfoto: Andreas Gruhl/Adobe Stock (112097302)

Die Aufklärungsquote für Mord liegt Polizeistatistiken zufolge seit Jahren bei 90 bis 95 Prozent. Aber bei manchen Fällen kommen die Ermittler einfach nicht weiter. Auch nach Jahren haben die Angehörigen keine Klarheit, was mit ihren Liebsten geschehen ist oder wer verantwortlich ist.

Doch Mord verjährt nicht, und so werden Altfälle, sogenannte "Cold Cases", auch immer mal wieder aufgerollt. Dazu gehören auch die folgenden Kriminalfälle aus Franken.

Der Fall Simone Strobel: Erzieherin tot in Australien aufgefunden

Im Februar 2005 wird die 25 Jahre alte Erzieherin Simone Strobel aus dem Landkreis Würzburg tot unter Palmwedeln in Australien gefunden. Sie war gemeinsam mit ihrem Freund durch das Land gereist. Er gilt bis heute als Hauptverdächtiger. Doch nachgewiesen konnte ihm bisher nichts.

Im Oktober 2020 setzt die Polizei in Australien eine Belohnung von einer Million Dollar aus für Hinweise in dem Gewaltdelikt. Schon wenige Wochen später bestätigten die Ermittler, neue Hinweise erhalten zu haben, die nun Teil der laufenden Ermittlungen sind.

In Deutschland wurde währenddessen Ermittlungen gegen einen Mitreisenden von Simone eingestellt. Nun bleibt abzuwarten, ob die neuen Hinweise aus Australien eine Wende in dem Fall bringen.

Der Fall Christiane Junker: Mord an 15-Jähriger seit 40 Jahren ungeklärt

Kurz vor Weihnachten im Jahr 1979 kehrt die 15-jährige Christiane Junker aus Aschaffenburg nicht mehr zu ihrer Familie zurück. Der Wächter vom Schlosspark findet die Leiche der Schülerin am nächsten Tag hinter einem Bootshaus im Schlossgarten. Ihr Körper weist eine Bissspur auf, die Ermittler gehen von einer versuchten Vergewaltigung aus.

Knapp 40 Jahre nach der Tat nimmt die Kripo einen verdächtigen Nachbarn fest. Doch im Prozess 2020 erweist sich das zahnmedizinische Gutachten, das den Mann als Täter überführen soll, als fehlerhaft. Der Angeklagte wird freigesprochen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage legen Revision ein.

Ehepaar verbrannt auf Parkplatz an A3 gefunden - Identität der Toten unklar

Vor 37 Jahren werden auf einem Parkplatz an der Autobahn 3 bei Erlangen die brennenden Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden. Bis heute weiß die Polizei nicht, wer die Toten sind - geschweige denn, dass sie eine Spur von den Tätern hätten.

Während der Ermittlungen bildet sich, auch dank neuer technischer Möglichkeiten, die Erkenntnis heraus, dass es sich bei den Opfern um ein Paar aus Italien handeln könnte, möglicherweise aus der Gegend um Florenz. Doch in Italien geht es nur schleppend voran. Auch deshalb kommt immer wieder der Verdacht auf, die Mafia könnte ihre Finger im Spiel haben.

Die Ermittlung führt der Erste Kriminalhauptkommissar Klaus Bauer - er war am 1. Mai 1983 noch als junger Streifenpolizist einer der ersten am Fundort der Leichen.

Der Fall Heidi Dannhäuser: Postbotin beim Joggen verschwunden

 Im November 2013 kehrt die damals 49 Jahre alte Postbotin Heidi Dannhäuser aus Fischbach bei Nürnberg nicht vom Joggen zurück. Alles spricht für ein Verbrechen, denn die Frau hat alles zurückgelassen, was man mitnehmen würde, wollte man etwa ein neues Leben beginnen: Ausweis, Versicherungskarte, Handy, Auto. Auf ihrem Konto tut sich nichts.

Ein erster Verdacht gegen den Lebensgefährten erhärtet sich nicht, seit Jahren findet die Polizei keine heiße Spur. Auch eine erneute Durchsuchung des Hauses der Frau im Mai 2018 - also fast fünf Jahre nach ihrem Verschwinden - bringt nichts ein.

Die Familie sucht über eine Internetseite nach ihr. Die Stadt machte jahrelang Plakatwände für die Suchaktion frei - auch hier: keine Ergebnisse. Doch die Akten seien nicht geschlossen, sagt Polizeisprecher Rainer Seebauer. "Vielleicht finden wir ja doch noch die entscheidende Spur."

Der Fall Peggy: Mord an Neunjähriger bleibt ungeklärt - Ermittlungen eingestellt

Die neun Jahre alte Peggy Knobloch verschwindet am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule in Lichtenberg im Landkreis Hof. Das Skelett des Mädchens wird Jahre später in einem Wald gefunden, der Mörder bis heute nicht. Selbst NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt steht kurzzeitig unter Verdacht, als am Fundort der Leiche vermeintlich seine DNA-Spuren entdeckt werden.

Die Ermittler werten in dem bundesweit Aufsehen erregenden Fall rund 6400 Spuren aus, führen 3600 Vernehmungen und geben 250 Gutachten in Auftrag - alles umsonst. Mehr als 19 Jahre nach dem Verschwinden der damals Neunjährigen aus Oberfranken werden im Oktober 2020 die Ermittlungen eingestellt. Die Indizien reichen nicht aus, um den letzten Verdächtigen wegen Mordes zu verurteilen.

Supermarkt-Besitzer bei Raubüberfall getötet

Der 61-jährige Inhaber eines Supermarktes in Mitwitz, Landkreis Kronach, wird am 13. November 2006 mit Schlägen und Messerstichen getötet. Der Täter erbeutet mehr als 30 000 Euro. Seit Dezember 2018 wertet eine Sonderkommission Hinweise aus der Bevölkerung aus, erstellt das DNA-Muster des mutmaßlichen Täters und plakatiert Straßen, Tankstellen und Firmen mit dem Fahndungsaufruf - bisher ohne Erfolg. 14 Jahre nach dem Raubmord im Landkreis Kronach gibt es keine heiße Spur.