Bei der Bürgerversammlung im Feuerwehrhaus ging es hoch her. Grund war der Antrag auf eine Baugenehmigung zur Erweiterung des Zeltplatzes der Eheleute Ingrid Lang und Hartmut Meier-Lang am Kormershof in Allersdorf.

Man hatte den Eindruck, dass ein ganzes Dorf gegen diese Erweiterung von bisher zehn auf dann 25 Stellplätze Sturm läuft. Die Fronten sind inzwischen so verhärtet, dass das Ehepaar Lang vorzeitig die Bürgerversammlung verließ, da mit den Dorfbewohnern in der aufgeheizten Stimmung kein Kompromiss zu erzielen war.
2005 hatten die Langs unmittelbar hinter ihrem Kormershof einen Zeltplatz mit zehn Stellplätzen als Nebenerwerb beantragt, der vom Landratsamt genehmigt wurde. Für Hartmut Maier-Lang ist dieser Zeltplatz inzwischen zum Haupterwerb geworden, weshalb die Langs 2010 eine Erweiterung beantragt hatten, die der Marktgemeinderat mit Verweis auf die Erstellung eines Flächennutzungs- und Landschaftsplans ablehnte.
Diesen Plan stellte nun speziell für den Zeltplatz in Allersdorf Klaus Albrecht vom Büro Anuva vor. Alleine von den Allersdorfern gingen 63 schriftliche Einwände gegen die Erweiterung ein. Daher hatte Albrecht nun eine weitaus größere Fläche, die den Langs ebenfalls gehört, die aber viel weiter von der Ortsbebauung weg liegt als der bisherige Zeltplatz, im Flächennutzungsplan als Zeltplatz ausgewiesen. Dort hätten 100 Zelte Platz.
Hier müssten die Langs aber erheblich investieren und möglicherweise auch eine eigene Kleinkläranlage bauen. Das neue Gelände hätte allerdings den Vorteil, dass die Lärm- und Geruchsbelästigung für die Dorfbewohner kaum mehr gegeben wäre, die Camper eine eigene Zufahrt bekämen und sich nicht mehr durch die enge Ortsdurchfahrt schlängeln müssten.

Das Landratsamt sah dort wegen des Immissionsschutzes auch keine Probleme. Dass es in der Vergangenheit zu Problemen wegen Lärmbelästigung, erhöhtem Verkehrsaufkommen oder Geruchsbelästigung durch Grillen kam, haben die Langs aber auch selbst mit verursacht, da sie zu Spitzenzeiten eine Überbelegung und Ausweitung der Zeltplatzflächen duldeten.

Dies führte zu einem Vertrauensverlust bei der Ortsbevölkerung, deren Mehrheit jegliche Zeltplatzerweiterung strikt ablehnt. Längst reicht der ursprünglich kleine Patz für die Nachfragen nicht mehr aus. Deshalb haben die Langs eine Erweiterung auf 25 Plätze, und zwar in der Nähe ihres Bauernhofs, beantragt.
Dagegen laufen die Allersdorfer aber Sturm. "Das Vertrauen ist einfach erschüttert, denn am Ende sind es 200 Plätze", sagt Angelika Hubmann, eine der Nachbarinnen. "Ich habe den Eindruck, gegen uns wird eine Intrige geschmiedet", gibt Ingrid Lang zurück und bat Bürgermeister Georg Lang (CSU), dass ihr die Gemeinde unter die Arme greife. "Ich schäme mich, wenn ich den Leuten absagen muss", so Ingrid Lang, die den Kormershof in der 14. Generation betreibt und den Zeltplatz braucht, um ihren Hof erhalten zu können.

Von Horden umzingelt


Lärm gäbe es nur während ein paar Tagen im Jahr und der Lärmpegel werde nun auch strikt überwacht. "Es ist hier sehr viel Bedarf da und ich werde dafür schon fast kriminalisiert", so Ingrid Lang. "Dann sind wir umzingelt und Horden ziehen durch den Ort", sagt Jagdpächter Hans Bayer, der als Jagdpächter zurücktreten will, wenn die große Lösung Richtung Stadelhofen kommt.

Bayer berichtete von randalierenden Zeltplatzgästen in der Ortsmitte. Er sprach sich dafür aus, den jetzigen Zeltplatz auf 20 Plätze zu erweitern und vielleicht zweimal im Jahr eine Überbelegung zu tolerieren. "Ihr zieht den anderen Campingplatzbetreibern die Leute ab und die nagen dann am Hungertuch", so Bayer, der sagte, dass "die Zeltplatzbetreiber bis jetzt unzuverlässig waren".

"Ihr nehmt uns als Unternehmer ja gar nicht ernst", so Hartmut Meier-Lang, der betonte, dass er den größten Beitrag für die Allersdorfer Kläranlage bezahlt hat. "Ich muss alles in Allersdorf erwirtschaften", so Meier-Lang. Er meint, das sein Zeltplatz für das ganze Dorf gut sei. "Unser Campingplatz ist doch das Potenzial für euren Ort und vielleicht auch für ein Wirtshaus", so Meier-Lang und seine Frau Ingrid ergänzte: "Wenn ihr uns abwürgt, ist das fatal für die ganze Gemeinde".

"Unser Hof wird nur noch die Hälfte wert", sagte Nachbar Karlheinz Dechert und seine Tochter Angelika Hubmann betonte in Richtung Ingrid Lang: "Du hast das Ding überbelastet, es geht doch um unsere Lebensqualität". Isabella Rothlauf, Besitzerin eines Hauses am Waldrand hinter dem Zeltplatz, kündigte an, dass sie ihr Haus verkaufen will. Sie lud alle auf ihre Terrasse ein, um das einmal mitzuerleben. "Die pieseln in die Natur", so deren Sitznachbarin Annelene Baier.

Für Marktrat Jürgen Kränzlein (SPD) muss notfalls eine Satzung her. "Da haben sie in der Vergangenheit ein Vertrauensdefizit geschaffen, leider", so Kränzlein zu den Zeltplatzbetreibern, der weiter betonte: "Man muss sich an Absprachen halten, sonst habt ihr in Allersdorf keinen Frieden mehr". Jeder Beschluss des Gemeinderats werde den Konflikt nur noch verschärfen, so Kränzlein, der den Allersdorfern riet, sich zusammen zu setzen, um selbst eine tragbare Lösung für alle Beteiligten zu finden.

"Ich habe mir viele Gedanken gemacht", begann der weitere Nachbar Christian Bayer seinen Vortrag, den er auch mit Bildern belegte. Ursprünglich hätten die Platzbetreiber gesagt, sie wollten nur ein kleines Zubrot zur Landwirtschaft verdienen. Dann war auf einmal an Ostern, Pfingsten und in den Augustwochen mehr los. 2010 zählte Bayer schon im Juli 40 Zelte und zusätzlich noch ein Zeltlager im hinteren Bereich. Ein weiterer Allersdorfer will schon einmal 100 Zelte gezählt haben.

Bayer wollte ein Gartenhaus bauen, hat aber dann verzichtet. "Und auf meinem Balkon kann ich auch nicht mehr sitzen", so Bayer, der sich über die Lärmbelästigung beklagte. Dann wollte er zwei Ferienhäuser bauen. Auch die baute er wegen des Platzes nicht. Bayer berichtete von Verkehr bis spät in die Nacht, der Verunreinigung der Natur durch Fäkalien, der Entwendung von Brennholz und der Wertminderung seines Anwesens. "Müssen wir unsere Natur so verkaufen", sagt Bayer, "es ist nicht erträglich, man hält es nicht mehr aus". Bayer sieht "keinen Lösungsweg".

Zerstörung hinnemen


"Eine kleine Erweiterung scheint keine Lösung zu sein, da der Konflikt dann an dieser Stelle bleibt", stellte Planer Albrecht schließlich fest. Und meinte weiter: Die Kommune habe auch die Aufgabe, den Tourismus zu stützen.
Für Bürgermeister Lang war es die Frage, ob sich Gößweinstein hin zu einem Hochpreistourismus entwickeln soll. "Dann müssten wir 250 Euro pro Übernachtung verlangen, das wäre für uns die Rettung", so Lang. "Entweder wir sind bereit, eine gewisse Naturzerstörung hinzunehmen, oder wir schicken alle fort", so der Bürgermeister.

Am 22. Mai will der Gemeinderat über den Flächennutzungs- und Landschaftsplan abstimmen. Danach wird er erneut öffentlich ausgelegt und die Bürger können ihre Einwände vorbringen. Bürgermeister Lang wäre es am liebsten, wenn sich die Allersdorfer bis dahin mit den Zeltplatzbetreibern geeinigt hätten. Ob es wegen der verfahrenen Situation dazu kommt, ist allerdings mehr als fraglich.