82 Kilogramm Lebensmittel werden in Deutschland pro Person und Jahr weggeworfen. Hochgerechnet sind das 11,5 Millionen Tonnen. Diese Zahl lässt Kreisbäuerin Rosi Kraus nicht ruhen. "Sie landen im Müll", sagt sie , und man hört ihr inneres Kopfschütteln mit. Denn sie weiß, dass viele Produkte aus Unkenntnis über die richtige Lagerung und nur vermeintlich verdorben entsorgt werden.
Kraus, selber Mutter dreier Kinder, kennt von ihnen das Problem des Aufbewahrens in ganz kleinen Wohnungen, mit winziger Küche und ohne Vorratskammer. Einen grundsätzlichen Rat hat sie ihnen mitgegeben: "Nach einem Einkauf muss die ältere gleichartige Ware nach vorne geräumt werden. Jedes Lebensmittel sollte seinen bestimmten Platz haben." Dann bleibt das Joghurt nicht hinten im - mittleren - Kühlschrankfach, bis sein Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Schimmel kann man riechen


Aber auch dann ist noch nichts passiert. Milchprodukte halten im allgemeinen deutlich länger als angegeben. Und: "Ob sie noch gut sind, lässt sich durch eine Geruchs- und Geschmacksprobe leicht testen. Schimmel reicht man schon, ehe man etwas sieht." Nur aufpassen müsse man, dass stark riechende Lebensmittel gut verschlossen sind, denn Milch nehme nun mal leicht Gerüche an. Alte Hausfrauenerfahrungen, nur jungen Leuten fehlen sie oft. Das hat Kraus auch selbst erlebt.Deshalb fordert sie : "Aufklärung über Nahrungsmittel muss auf den Stundenplan aller Schüler." Da mangle es doch Alltagskompetenzen .
Kraus' Beispiel: Viele Leute lagerten Produkte im Kühlschrank, denen die Temperatur von acht, neun Grad nicht guttue: exotische Früchte, stark wasserhaltiges Gemüse wie Gurken und Tomaten, Radieschen (ohne Grün aufbewahren!), Äpfel, Brot, Geräuchertes und Hartwurst, Eier und Kartoffeln. "Unter vier Grad werden Kartoffeln süß und weich. Und grün, wenn sie nicht dunkel lagern", sagt sie und fängt das Lachen an: "Am einfachsten schlägt man sie in Zeitungspapier ein. Das nimmt sie auch, wenn sie eine Blattsalat im Kühlschrank, "unten im Gemüsefach" einlagert.

Bitte nicht proppevoll!


So vorgegangen, wird der Kühlschrank auch nach dem großen Einkauf nicht proppenvoll, so dass keine Luf t mehr zirkuliert und die Waren nicht ausreichend gekühlt wird. Ein Punkt, auf den man auch beim Weg zwischen Ladentheke und eigenem Kühlschrank genau achten sollte.
Vorgekochtes und Reste dürfen aus demselben Grund erst auf Zimmertemperatur abgekühlt in den Kühlschrank verfrachtet werden.
Ein Spezialgebiet ist der Käse, besonders Romadur und Camembert. "Von einander getrennt und gut verpackt aufbewahren!", rät Kraus dringend. Denn der "gute Schimmel" springe sonst auf andere Lebensmittel über und verderbe sie.
Zwei Drittel der Lebensmittel müssten bei richtiger Lagerung nicht weggeschmissen werden, schätzt sie. Und sie hofft, dass "die Leute den Wert der Lebensmittel wieder schätzen lernen".