Auf einer roten Gartenbank schläft ein Mann, den Hut mit rosa Blume fest in die Stirn gedrückt. Nicht im Geringsten stört ihn die Kinderschar, die sich auf buntgestreiften Kissen mit in der Testarossa-Bar der Sparkasse niedergelassen hat.

Karl-Heinz Kremer, der Leiter und Initiator der Lesepatenschaften an Forchheimer Schulen, animiert die Kinder, den Schläfer zu wecken. Mit dem Lese-Lied. Der Mann beginnt mit den Augen zu rollen, räkelt und streckt sich und - stößt einen kaum verständlichen Wortschwall aus. Upps! Die Kinder haben ihn verstanden: Er ist noch so müde, der er die "Wechstaben verbuchselt". Mit Eifer helfen sie ihm die verdrehten Silben zu ordnen. Nein! Nicht: Er türt an die Rums. "Nein! Er rumst an die Tür", trompeten dem Verschlafenen viele Kinderstimmen entgegen.

Mit ihrer Hilfe kommt langsam die "Schedichte" zusammen. Upps! "Geschichte!" Auf "Schedichte" beharrt der Bankträumer, der sich als Horst Kiss entpuppt. Der Schauspieler trägt dem Lesejahrgang 2100/12 allerhand Geschichten vor, etliche davon kennen die Grundschüler schon, wurden sie ihnen doch von ihren Lesepaten vor einiger Zeit vorgelesen.


Initiativen sorgten für besseres Abschneiden



Zehn Lesepaten sind es durchschnittlich im Jahr, hat Lesepaten-Initiator gezählt. Zehn Jahre lesen sie schon für die Schulkinder. "100 Lesejahre ergibt das." Angefangen hat die Aktion der älteren Generation, als vor zehn Jahren die erste PISA-Studie den deutschen Schülern nicht gerade blendende Lesekenntnisse attestierte. Das ist inzwischen anders geworden, belegen die neueren Studien. Besser geworden, nicht zuletzt dank solcher Initiativen wie der von Kremer ins Leben gerufenen.

Nun aber muss der "Oberlesepate" zeigen, ob er sich seine Geschichten auch gut merken kann. Zehn Kinder um Kiss verteilt, repetieren das ihnen zugeordnete Wort, bis die Heckenhexe den Schnee-see-klee-reh-fee-dreh-zeh-weh-vergeh-tee brauen kann. Und dann ist Kremer dran. Schafft er es ohne Spicken den Bandwurm fehlerfrei zu wiederholen? Sieben Wörter passen, doch dann kommt das neunte und das zehnte. Die mitzählenden Kinder haben genau aufgepasst. "Weh hat gefehlt", wird sofort reklamiert.

Mit Sprachspäßen und Auszügen aus abenteuerlichen Reisen geht das Programm weiter. Kiss lässt Hunde kläffen und Springmäuse piepsen. Und Faultiere gähnen.


Kinder dürfen selbst mitmachen



Doch ohne Assistenten geht nicht alles. Die Viertklässerin Leonora darf in die Rolle des Sams schlüpfen und "Studienrat Kroll" zur Verzweiflung bringen. "Sie" soll das Sams sagen. "Was soll man von einem Lehrer lernen, der nicht einmal weiß, ob er ein Mann oder eine Frau ist?", ist die Quintessenz des Paul Maar'schen Fabelwesens. Und Kinder, Lesepaten und auch die Klassenlehrer lachen hellauf.

Als letzter Beitrag steht ein Auszug aus dem Buch "Schloss Draußendrin" von David Henry Wilson auf dem Kiss' Programm. In der ausgewählten Szene tritt ein Mausmeister auf. Upps! Mausmeister?

"Nein, Hausmeister", rufen die Kinder sofort. Da mag Kiss noch so auf "Mausmeister" beharren. Sie glauben es ihm nicht, hat er sie doch zu Anfang mit seinen Verbuchselungen genug gefoppt. Eins ums andere läuft zu ihm auf die Bühne und will es schwarz auf weiß sehen, dass hier wirklich "Mausmeister" steht.