In vielen Landstrichen ist die Sache klar: Im südlichsten Oberbayern sind die Kirchen katholisch, um Bayreuth herum oder in Nürnberg herrschte jahrhundertelang der Protestantismus. Wer aber aufmerksam durch die Fränkische Schweiz fährt, bemerkt die Abwechslung: ein Ort evangelisch, der nächste wieder katholisch.

Am Beispiel der Gemeinde Kunreuth kann Albrecht Graf von Egloffstein zeigen, dass sie einen langen blutigen Weg von Reformation und Gegenreformation hinter sich hat, bevor sie evangelisch wurde. Graf von Egloffstein ist ein promovierter Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und Buchautor. Von 1976 bis 1994 war er Bezirksheimatpfleger von Oberfranken. Zur Zeit von Luthers Thesenanschlag, 25 Jahre nach der Entdeckung Amerikas, einer Zeit des Aufbruchs, war Deutschland ein Flickenteppich, erklärt er. Das Land bestand aus 2000 Territorien, und eines davon war Kunreuth unter Egloffsteiner Herrschaft.


Nachricht vom Thesenanschlag

Die Lukaskirche in Kunreuth wurde 1426 geweiht und gehörte damals noch zur Gemeinde St. Martin in Forchheim. 1458 wurde die Kirchengemeinde eigenständig.
Die Herrschaft - die Familie Egloffstein - hatte das Recht, den Pfarrer einzusetzen. "Das Dilemma bestand darin, dass man eingekeilt war zwischen dem katholischen Bischofssitz Bamberg, der Reichsstadt Nürnberg und dem Markgrafentum Ansbach-Bayreuth", erklärt Graf von Egloffstein.

Die Reichsritter mussten sich zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen hindurch lavieren. Deshalb fließen die Konfessionsgrenzen in der Fränkischen Schweiz ineinander. Man sieht das noch heute daran, dass die politischen Verwaltungsgemeinschaften immer aus katholischen und evangelischen Ortschaften bestehen. In der Blütezeit der Reformation waren von damals 500 Gemeinden des Bistums Bamberg nur 150 katholisch geblieben. Weil die Herrschaften über die Dörfer die Konfession bestimmten, konnte sich die Reformation rasch ausbreiten. Allerdings hält es Albrecht Graf von Egloffstein für ein Gerücht, was in alten Schriften über den Ort Egloffstein steht. Dass der bereits 1517 evangelisch gewesen sein soll.

Die Nachricht vom Thesenanschlag Luthers kann unmöglich so schnell in die Fränkische Schweiz gekommen sein. "Wie das so im menschlichen Leben ist, wollte man der Erste sein", erklärt sich der Graf die unglaubwürdig frühe Jahreszahl. Belegt aber sei, "dass sich Teile unserer Familie ungewöhnlich früh zum evangelischen Glauben bekannt haben".


Verlorene Dokumente

Fakt ist auch, dass in Egloffstein 1521 der erste evangelische Pfarrer eingesetzt wurde. Das benachbarte Kunreuth könnte ab 1525 evangelisch gewesen sein. Es wurde aber im Bauernkrieg verwüstet. Die heutige Kunreuther Pfarrerin Brigitte Müller hat im Landeskirchlichen Archiv geforscht, doch keine Unterlagen dazu gefunden. Sie vermutet, "dass bei einem großen Brand 1553 entscheidende Dokumente aus dieser Zeit verloren gegangen sind".

Dass viele Orte in der Gegend bereits vor dem Augsburger Bekenntnis von 1530 evangelisch wurden, zeigt laut Albrecht Graf von Egloffstein die Bedeutung der Reichsritterschaft, die viel zur Verbreitung des neuen Glaubens beigetragen habe. Paradoxerweise waren Egloffsteiner damals auch Domherren zu Bamberg. So ist zum Beispiel überliefert, dass der Domherr Pankratz von Egloffstein im Jahr 1534 heiratete - und das konnte er nur als Evangelischer tun. Es blieb aber attraktiv, katholisch zu sein, denn die Bischöfe hatten lukrative Ämter zu vergeben. Klaus V. von Egloffstein war der Oberkommandierende der Truppen des Fürstbischofs von Bamberg.
Seine Familie lebte im Schloss von Kunreuth und vereinigte alle dortigen Besitztümer des Hauses Egloffstein auf sich. Für den Ort sollte sich das verhängnisvoll auswirken, als im Markgrafenkrieg Albrecht Alcibiades die Region heimsuchte. Als Klaus von Egloffstein im Jahr 1553 die Festung Forchheim erfolgreich vor dem heranstürmenden Markgrafen verteidigte, konzentrierte sich dieser auf den Heimatort des Verteidigers und verwüstete Kunreuth.

Der wütende Markgraf sicherte den Verteidigern des Schlosses freies Geleit zu, hielt sich nicht an sein Versprechen und brachte alle um - auch den Pfarrer, die Burgbesatzung und die Kinder.
Bis ins 17. Jahrhundert hinein wurde Kunreuth immer wieder katholisch. 1630 ließen sich Wallensteins Soldaten hier nieder, 1634 kamen die Weimarer Truppen (evangelisch) und 1640 die Kroaten (katholisch). 1648 waren die Schweden an der Reihe, plünderten den Ort, setzten aber auch den Schlusspunkt unter die gegenreformatorischen Angriffe. Die Kirchengemeinde Kunreuth betreut heute noch 14 evangelische Ortschaften. epd