8.30 Uhr:


Als die Mitarbeiter nach der morgendlichen Besprechung vor dem Eingang des Erlebnisparks bereits zu ihren Einsatzorten eilen, ruft ihnen Benedikt Graf Bentzel noch hinterher:"Denkt daran, immer noch freundlich sein, auch wenns die letzten Tage sind."
Am Ende der Saison, am 3. Oktober, werden annähernd 250 000 Besucher einen Tag in Schloss Thurn verbracht haben. Und Geschäftsführer Bentzel kann sich dann wieder einen Wetterbericht ansehen, ohne bei den Worten "leichter Regen" , "starker Regen" und "Gewitterrisiko" gleich nervös zu werden. "22 bis 24 Grad, leichter Wind aber kein Badewetter - das ist für uns perfekt", sagt Bentzel.
Er ist hier im Erlebnispark groß geworden. Den Blick für die Details hat er trotzdem nie verloren. Bei der morgendlichen Rundfahrt überzeugt er sich selbst davon, dass alles passt. Heute fehlt noch die Hüpfburg vor dem Romantiksaal, das Namensschild von Herrn Lieb und kurzerhand repariert er den Futterautomat bei den Wildtieren.


9 Uhr:


Roland Brünig bückt sich mit den Worten: "Das ärgert mich am meisten, wenn Leute die Sachen neben den Papierkorb werfen." Der 54-Jährige ist für den Spielplatz zuständig und wird heute noch öfter über die Unbedachtheit mancher Besucher stolpern. Während er aufsperrt, ist es wieder soweit: "Hier fehlt eine Bank", stellt Brünig in sächsischem Dialekt fest, als er durch das Tor zum Minigolfplatz läuft. "Die stellen die Gäste einfach um, dabei geht das wirklich niemanden etwas an." Brünig hat jahrelang auf dem Bau gearbeitet, bis ihn eine chronische Erkrankung zum Aufhören zwang. Seit fünf Jahren ist er jetzt hier. Zusammen mit seiner Frau, die drüben in der Westernstadt im Coffee-Shop arbeitet, bewohnt Brünig eine kleine drei-Zimmer-Wohnung über der Kasse am Eingang. Im Winter ist der Park geschlossen. Da muss sich der 54-Jährige "manchmal über die Monate quälen". Roland Brünig wird jetzt noch die Kinder-Karussells abwischen und einmal zur Probe fahren lassen. Dann kommen die ersten Besucher.


12 Uhr:


Der Stuntman hängt, mit einem Fuß noch vor der Tür, seinen braunen Cowboy-Hut und das rote Hemd an den Haken. In dem kleinen Raum, hinter dem Sandplatz, auf dem die Westernshows stattfinden, setzt sich Manuel Zinnecker lässig auf den abgenutzten Holzstuhl und streckt die staubigen Reitstiefel von sich. In der Rolle des Wunderdoktors war er eben noch in der Kinder-Westernshow zu sehen. Aufgewachsen in einer Zirkusfamilie, tourt der 32-Jährige seit 13 Jahren mit der Prager Stuntgruppe "Haraldos" durch Europa. Während der Saison im Erlebnispark wohnt der Friedberger in der Campingstadt auf dem Gelände. Die Shows sind für ihn "eigentlich wie Urlaub". Die Vorbereitung sei das Schimmste: "Ein Schaukampf im Turnier dauert eine Minute. Dafür muss man drei bis vier Wochen Training einplanen." Bei den Stürzen wechseln sich die Stuntmen ab: "Wenn man sich jeden Tag vom Pferd hinterherziehen lässt, dann geht das nicht", sagt Zinnecker, der sich bisher nur einmal das Handgelenk gebrochen hat.


13 Uhr:


Auf dem Weg in den Stall trifft Thilo Rinn mit seiner Kutsche plötzlich auf Gegenverkehr - die Stuntmen reiten ihre Pferde für die Rittershow warm. Später, in der Western-Stuntshow, wird er selbst noch einen kleinen Auftritt haben.
Für den gelernten Forstwirtschaftsmeister aus Marburg ist es die dritte Saison, in der er die Besucher durch den Park kutschiert. "Ich musste erst 45 Jahre alt werden, um noch WG-Erfahrung zu sammeln", kommentiert er sein Zusammenleben mit fünf weiteren Angestellten in einer kleinen Wohnung in der Westernstadt.
Mit Hilfe einer kleinen Leiter, die im Gebüsch versteckt ist, dreht Rinn die "Nächste Fahrt"-Uhr auf 15 Uhr. Im Gegensatz zu Thilo Rinn und Onix hat Diabolo den Nachmittag frei. Auf der Koppel mit Schlossblick kann sich der Kaltblüter "jetzt mal ausgiebig wälzen", sagt Rinn und stellt Diabolo den Futtereimer hin. Die restlichen, der bis zu 25 Fahrten am Tag, wird Onix in Begleitung von Idefix, Thilo Rinns eigenem Pferd, absolvieren.


14.30 Uhr:


Draußen hat es über 30 Grad. Unter dem Dinolino-Kostüm, wo sich Alexander Wolter-Maatz bis vor wenigen Minuten noch befand, gefühlt über 40 Grad. Schweißgetränkt, aber mit einem Strahlen im Gesicht, muss Wolter-Maatz gar nicht erst sagen, wie viel Spaß ihm sein Job macht.
Fünf Auftritte hat der Pfälzer täglich. Neben der Dinolino-Zauber-Show führt er gemeinsam mit seiner Frau das Stab-Marionettentheater auf - seit elf Jahren an 125 Tagen zwei Mal täglich. Nebenbei betreiben die Eltern von vier Kindern noch den Crêpe-Stand in der Westernstadt, den die 15-jährige Tochter managet.
Zu der 300-jährigen Puppenspieler-Tradition in der Familie seiner Frau kommt vielleicht bald eine Zauberer-Tradition dazu.
Der Erfolg der neuen Dinolino-Show mit Magie ist jedenfalls "Wahnsinn", meint Wolter-Maatz nicht ohne Stolz. Wirklich zaubern musste er dafür aber nicht lernen: "Die Tricks kann man kaufen. Die Illusion zu vermitteln aber nicht."


16.30 Uhr:


Ein kurzes Piepsen - und Andreas Proksch entreißt der kleinen schwarzen Maschine auf der Anrichte schwungvoll den Bon. Nicht schwer zu erahnen, welches Gericht auf dem kleinen Zettel steht. Das Brutzeln der Fritteuse und die Schnitzel auf den halbfertig angerichteten Tellern sind ein guter Hinweis. Doch das Vater-Sohn-Gespann kann auch anders. "Wir fahren hier zweigleisig. Der Parkbetrieb muss schnell gehen. Bei Veranstaltungen servieren wir gehobene, internationale Küche", sagt Vater Günter Proksch, der hier seit 14 Jahren arbeitet; Sohn Andreas seit drei Jahren. Das sei manchmal "stressiger als mit anderen, er erwartet von mir mehr", sagt Andreas.
Es ist jetzt kurz nach halb fünf und in der Küche des Restaurants Romantiksaal geht es ruhig zu. Die meisten der bis zu 200 Essen, die bei Normalbetrieb zubereitet werden, haben die Küche bereits verlassen. Gerötete Wangen und kleine Schweißperlen auf der Stirn des 53-Jährigen, lassen den Stress noch erahnen.