Es klirrt nicht mehr im Küchenschrank von Monika Haas. Seit 1998 wohnt die 48-Jährige mit ihrer Familie in der Burker Straße 1c. Jahrelang hatte der vorbeidonnernde Schwerlastverkehr das Geschirr zum Tanzen gebracht - doch seit Dezember sind die Vibrationen verebbt. Monika Haas zählt sich zu den Gewinnern der Südumgehung. "Auf alle Fälle ist es viel ruhiger am Abend", stellt sie fest. Und am Morgen um 7.30 Uhr, während des Berufsverkehrs, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringt, "kommt man leichter über die Straße. Vorher hat man in der Autoschlange keine Lücke gefunden."

Knapp 17 000 Fahrzeuge und 700 Lastwagen waren vor der Eröffnung der Südumgehung täglich durch den Forchheimer Ortsteil Burk gefahren. "Wir hatten eine doppelte Beschallung", sagt die Burkerin: "Auf der einen Seite der LKW-Lärm, auf der anderen Seite die Autobahn; jetzt hört man nur noch die Autobahn."

So hat sich wenigstens für die Familie Haas die Last halbiert. Werner Schrüfer dagegen zählt zu den Verlierern der Umgehung. Der 49-Jährige betreibt die Bäckerei Pfister in der Burker Straße 68. Der LKW-Verkehr sei zwar weitgehend verschwunden, "aber insgesamt ist es mehr Verkehr geworden". Für Bäckermeister Schrüfer ist das täglich zwischen 17 und 18 Uhr messbar: "Ich brauche deutlich länger, bis ich mit dem Auto aus dem Hof rauskomme." Die Zunahme des Verkehrs sei ja auch ganz logisch zu erklären. "Bevor die Autofahrer aus Buckenhofen über Forchheim Nord oder über die Adenauerbrücke raufgurken, nehmen sie den längeren, aber schnelleren Weg über Burk."

Für den Bäckermeister ist das besonders ärgerlich, denn der Verkehrsfluss sei schneller geworden, seit keine Lastwagen mehr fahren. Gleichzeitig habe in der Nähe seines Ladens ein Backhaus "mit vielen Parkplätzen" eröffnet. Folge: Etliche Kunden fahren jetzt an seiner Bäckerei vorbei und kaufen bei der Konkurrenz. Fazit Schrüfer: "Die Umgehungsstraße ist ein Schuss, der nach hinten los gegangen ist".

Andreas Eisgruber, stellvertretender Chef am Staatlichen Bauamt Bamberg, bestätigt Bäckermeister Schrüfer zumindest in einem Punkt. Der Gesamtverkehr in Burk sei wohl "nicht weniger geworden", schätzt Eisgruber. Statistiken würden bald Auskunft geben. "Die Auswertung der Verkehrszählung liegt noch nicht vor", sagt Eisgruber.
Er betont aber die "Sinnhaftigkeit" der Südumgehung. Denn der Schwerlastverkehr sei raus aus Burk, was ja ein Ziel gewesen sei. Generell gelte: "Wenn eine Umgehung gebaut wird, geht es immer darum, den Verkehr von der Mitte nach außen zu verlagern. Und es wird immer jemand belastet." In einem so dicht besiedelten Land sei dem "Dilemma" nicht zu entkommen: "Nie findet sich eine Trasse, die allen gerecht wird. Irgendjemand wird sich immer auf die Füße getreten fühlen."

Zum Beispiel die Bürger in Wimmelbach und Oesdorf. Die hatten schon am 10. Dezember ihre Protestschilder hochgehalten. Während die Politiker die Scheren schnippen ließen, um den Westteil der Südumgehung freizugeben, hatten 50 Bürger aus den Ortsteilen Hausens und Heroldsbachs protestiert, weil sie nun einen zunehmenden LKW-Verkehr abbekämen. Ihre angekündigte Bürgerinitiative kam bislang nicht zustande. Aber Franz Josef Ismaier, Bauamtsleiter in Hausen, registriert die "steigenden Beschwerden" der Wimmelbacher Bürger: "Die Anwohner beklagen, dass sie deutlich mehr Verkehr haben. Die Lastwagen nach Höchstadt fahren nun teils durch Wimmelbach." Gespräche mit dem Straßenbauamt seien schon geführt worden, sagt Ismaier. Etwa könnte ein Nordumgehung von Hausen "Entlastung bringen", aber natürlich gebe es da wieder "Einwände von anderen Bürgern aus Hausen..."