Karamell hier. Malz da. Und dort der Hopfen! Die Forchheimer Annafest-Festbiere sind schon etwas ganz besonderes. Quasi aus Tradition und als Ode an die Genuss-Region. Wir verneigen uns vor der Braukunst und rufen spontan den großen Festbier-Test aus.

Schnell geht es hinauf zum Treffpunkt im Kellerwald. Als Bierexperten und Bierkenner haben wir den Brauer vom Kreuzberg, Norbert Winkelmann, eingeladen. Auf dem Hebendanz-Keller finden wir ein gemütliches Plätzchen. Zur Vorbereitung serviert der neue Kellerwirt Hermann Brand den kulinarischen Klassiker: Kellerplatte! Und dabei spricht Norbert Winkelmann über den Geschmack des Gerstensaftes. Unser Experte ist freilich vom Fach: Biersommelier.

Der Schaum bringt's

"Zum Verkosten braucht man Ruhe", sagt der Brauer. Und wie kann man besser abschalten, als mit einem gemütlichen Essen unter freiem Himmel. Dazu gibt es Mineralwasser.
Noch! Gleich wird es ernst. Die Gläser stehen schon bereit. Die vier Festbiere der Forchheimer Brauereien - Eichhorn, Greif, Neder und Hebendanz - warten schon auf uns. Gleich fällt der Startschuss. Aber vorher gibt uns der Bierkenner noch die letzten praktischen Tipps mit auf den Weg:
"Das Bier so ins Glas gießen, dass sich der Schaum schön entfalten kann. Danach riecht man. Und keine Angst. Mit der Nase ruhig fast bis ins Glas hinein." Weil gerade während der Schaumbildung, bringe die Kohlensäure die Geruchs- und Geschmacksstoffe mit nach oben. "Deswegen nimmt man zum Biertesten auch immer ein breiteres Glas mit einer Kelchform, damit man was riechen kann".


Der berühmte Abgang

Nachdem Farbe und Klarheit beurteilt wurden, könne man endlich auch an der Flüssigkeit nippen. "Aber erst nur einen kleinen Schluck, um die Zunge zu umspülen." Schließlich seien dort ringsum Geschmacksknospen verteilt. Aber keine Sorge! Auch ein kräftiger Schluck ist erlaubt. Schließlich soll ja auch der Gaumen beurteilen können, was man sich hinter die Binde kippt. "Ja, und dann kann man auch genießen." Irgendwann kommt der berühmte Abgang. Der Schluck nach unten. Den haben wir gleich vor uns.

Als Biertester setzen sich der Forchheimer Redaktionsleiter, Michael Memmel, Redakteur Josef Hofbauer, der Bierexperte und meine Wenigkeit auf die Bierbank . Eine Bierkönigin - schließlich sollte ja auch die weibliche Zunge mitreden - sagte leider kurzfristig ab.

Dann geht es los. Die Blindverkostung! Unser freundlicher Keller-Wirt serviert die Bierproben im Weinglas. Josef Hofbauer riecht und schaut und schmeckt und trinkt und trinkt und kommt dann doch zu einem klaren Urteil: "Ich trink' doch lieber aus Maßkrügen als aus Weingläsern."

Bernstein und genialer Hopfen

Apropos: Wir vergeben keine Noten, sondern Maßkrüge. Maximal drei. Josef Hofbauer hat einen klaren Favoriten. Dann ist Michael Memmel an der Reihe. Er umspült den Gaumen, benetzt die Knospen und gesteht dann: "Ich mag eher die süßen Biere." Aber einfach macht er es sich nicht. "Dem gebe ich noch eine Chance", sagt er und schmeckt und riecht und trinkt und setzt das Glas wieder ab und sagt: "Das Bier konnte die Chance leider nicht nutzen." Das letzte Bier hat seinen Gaumen erobert. Da ist er sich ganz sicher und leert den Kelch in einem Zug. Das Geheimnis kann gelüftet werden. Ins letzte Glas hat der Wirt diesmal "sein" Bier eingeschenkt - ein Hebendanz.

Dann setzt sich der Brauer vom Kreuzberg auf die Biertest-Bierbank. Sofort fällt auf: der Profi lässt sich Zeit. Schaut sich in Ruhe die Farbe an. Hier erkennt sein Auge "dunklen Bernstein", dort "helle Kastanie". Dann steckt er die Nase ins Glas. "Kräftige Karamellnoten!" Erst dann setzt er an: Spritzig sei der Antrunk beim Hebendanz, schön satt beim Eichhorn, im Neder entdeckt er ein "geniales Zusammenspiel von Malz und Hopfen". Beim Greif überzeuge seine "Vollmundingkeit" . Beim Hebendanz frohlockt er über "langanhaltende Karamellnoten" im Abgang. Dann probiert er alle nochmal. Schließlich sei das ja das schöne, an der fränkischen Brauereien-Vielfalt, die unterschiedlichen Charaktere. Und dazu noch die Atmosphäre im Kellerwald! Einfach unschlagbar! Schließlich vergibt er jedem Bier die Bestnote.

"Ich schmecke, also bin ich"

Dann bin ich an der Reihe. Diese Vorfreude! Dieser Durst. Das Eichhörnla sehr gut, noch einen Schluck. Dann das zweite! Noch besser! Ich schmecke Kirschnoten, also bin ich. Das Annafest kann kommen.