Der Digitaltrainer Hendrik Odendahl informierte über 900 Schüler, 300 Eltern und alle Lehrkräfte des Gymnasiums Fränkische Schweiz in Ebermannstadt über die enormen Risiken und erstaunlichen Chancen der inzwischen weitverbreiteten Smartphonenutzung durch Schüler - und gab ganz konkrete Tipps für einen besseren digitalen Alltag in Schule und Familie.

Whatsapp, Spiele und Youtube überall: Immer mehr Schüler bekommen von ihren Eltern Smartphones - und nutzen sie sofort nach Kräften. Doch der Einstieg ins Internet verläuft für viele Kinder früher oder später problematisch, was oft im Verborgenen bleibt und erst zum Vorschein kommt, wenn es zu spät ist. Da hilft nur Medienkompetenz, wie sie der Digitaltrainer Hendrik Odendahl in jeweils 90-minütigen Vorträgen an zwei Tagen mit Ausdauer und viel Humor vermittelte.

Eltern haben wenig Einblick

Zu Beginn des Elternabends erläuterten der Dozent die Problemstellung: In der Öffentlichkeit werde das Thema Smartphonenutzung von Kindern sehr kontrovers diskutiert: Die einen dächten, je früher die Kinder damit anfingen, desto besser könnten sie wichtige Kompetenzen für die digitale Zukunft erwerben; andere machten grundsätzlich jede Art von Smartphonenutzung dafür verantwortlich, dass die Kinder "dick, dumm, krank, faul und traurig" würden - und würden Smartphones am liebsten verbieten oder wegsperren, bis die Kinder erwachsen sind.

Doch Smartphones haben sich so schnell unter Kindern verbreitet, dass wissenschaftlich belastbare Aussagen über die Auswirkungen von deren Nutzung noch ausstünden - also läge es an den Eltern, in der Zwischenzeit selbst einen vernünftigen Weg für die eigene Medienerziehung zu finden.

Um dies zu tun, müsse man aber erst einmal verstehen, was die Kinder im Internet eigentlich tatsächlich machen. Odendahl entführte die Zuhörer in die digitale Lebenswelt der Kinder: Er stellte unter den Schülern Youtube-Stars wie "Bibi", "Gronkh", "Simon Desue" oder "Lisa & Lena" ebenso vor wie die Social-Media-Plattformen Instagram, Snapchat und Tik-Tok. Für viele Eltern offenbarte dieser Ausflug in die bunte digitale Lebenswelt der Jugend völlig neue Erkenntnisse - was zeigt, wie wenig viele Eltern zuvor über den digitalen Alltag ihrer Kinder tatsächlich gewusst hatten.

Google und Facebook

Laut dem Digitaltrainer fehlen aber auch den Kindern in der Regel grundlegende Kenntnisse über die Medien, die sie tagtäglich viele Stunden nutzen: So berichtete er, dass nur sehr wenige Kinder in den fünften und sechsten Klassen wissen, wie Google und Facebook - ihres Zeichens die Mutterkonzerne von Youtube und Whatsapp und gleichzeitig die beiden derzeit reichsten Firmen der Welt - eigentlich so viel Geld verdienen: Indem sie von jedem einzelnen Nutzer extrem detaillierte Datenprofile anlegen und diese sehr lukrativ an die Werbeindustrie verkaufen. Die Kinder zahlen also doch für die Nutzung der großen Plattformen: Zwar nicht mit Euro, aber mit ihren privaten Daten - und vor allem mit der Preisgabe nahezu aller ihrer Interessen.

Vielen Eltern ist erstaunlich unwichtig, was ihre Kinder auf dem Smartphone sehen können

Außerdem berichtete der Digitaltrainer, dass überraschend viele Kinder angeben, von ihren Eltern weder vor, bei oder nach der Übergabe des Smartphones wirklich ausführlich darüber informiert worden zu sein, welche Inhalte man ansehen dürfe und welche nicht. Dies sei schon ein wenig merkwürdig. Denn mit dem Smartphone lassen sich kinderleicht auch nicht altersgemäße Inhalte wie Pornos oder allerbrutalste Gewaltvideos ansehen.

Der Medienpädagoge führten aus, dass dieser "medienerzieherische blinde Fleck" vor allem an der Erfahrung der Eltern in deren eigener Kindheit liege: Damals gab es ganz einfach noch keine Smartphones. "Ein Heft mit Hardcore-Pornografie würde man seinem zehnjährigen Kind niemals schenken - und einen Fernseher, der übles Zombie-Gemetzel zeigt, würde man ebenfalls sofort ausschalten. Aber mit einem Smartphone, das dieselben Inhalte anzeigen kann, haben die meisten Eltern merkwürdigerweise kein Problem", stellte Odendahl fest. Er wies einige sichtlich betroffene Eltern darauf hin, dass laut geltendem Gesetz die Verfügbarmachung von Pornografie an Kinder oder Jugendliche eine Straftat darstelle.

Kein Smartphone im Kinderbett

Eine ähnliche elterliche Unbekümmertheit gelte für das zeitliche Ausmaß der Nutzung digitaler Medien: Etwa dreiviertel der jugendlichen Smartphonebesitzer hatten in den Workshops zuvor angegeben, dass sie ihr Smartphone sogar nachts im oder am Bett behalten dürften. Das ist laut Odendahl aber eine ausgesprochen bedenkliche Entwicklung, denn nachgewiesenermaßen schlafen die Kinder deshalb heute weniger als noch vor wenigen Jahren.

Kein Wunder: Wer etwa durch eine Auseinandersetzung im Klassen-Chat oder ein nicht unbedingt jugendfreies Video emotional aufgewühlt ist, schlafe nun einmal schlechter ein; hinzu käme, dass der blaue Anteil am Displaylicht den Schlafrhythmus zusätzlich störe. Schlafmangel und Konzentrationsschwächen seien die Folge - was dann besonders die Lehrer am nächsten Tag zu spüren bekämen.

Odendahl empfahl daher sehr eindringlich, alle Smartphones der Familie über Nacht an zentraler Stelle im Wohnzimmer oder Flur aufzuladen - natürlich gilt das auch für die Eltern.

Digitalwelt gemeinsam entdecken

Der ehemalige Informatik- und Vertrauenslehrer Odendahl führte obendrein eindrucksvoll aus, welch enormes Potenzial neue digitale Technologien für Gesellschaft und Wirtschaft haben - so dass man sich im Interesse der Kinder auch selbst für digitale Trends interessieren sollte und seine Kinder unterstützen sollte, wenn sie sich produktiv und kreativ mit digitalen Medien beschäftigen.