Im Ruheforst oder auch im Friedwald: Die Bestattungskultur in Deutschland gewinnt derzeit bedeutend an Vielfalt. Zwar entscheiden sich hierzulande immer noch viele Menschen für eine klassische Erd- oder Feuerbestattung. Gleichwohl wächst die Bedeutung alternative Formen der Beisetzung.
Ein besonderes Bestattungskonzept findet sich auch am Rande von Ebermannstadt. An den Waldhängen im Südosten der Stadt erstreckt sich über ein Areal von knapp 40 Hektar ein sogenannter Friedwald.


Ökologisch abbaubare Urne

In einem eigens dafür ausgewiesenes Waldgebiet besteht seit fast sechs Jahren die Möglichkeit, an den Wurzeln eines Baums in einer ökologisch abbaubaren Urne seine letzte Ruhe zu finden.

Ein ortsansässiges Bestattungsunternehmen begleitet die Entwicklung des Friedwalds seit seiner Eröffnung im Jahr 2010 mit: ,,Unsere Aufgabe besteht hauptsächlich in der überblickenden Beratung zu möglichen Formen der Bestattung. Also auch zum Konzept des Friedwalds. Auch um das Ausheben der Grabstelle kümmern wir uns, das Schließen übernimmt zumeist der Friedförster", heißt es vonseiten des Unternehmens.

Simone Zercher ist eine der betreuenden Friedförsterinnen vor Ort. Sie war sich anfangs unsicher, ob sie sich eine solch spezielle, mit dem Tod verbundene Aufgabe überhaupt vorstellen kann. Nach einem Jahr im Einsatz als Friedförsterin war für sie klar, dass sie weitermachen würde.
Über die anfallenden Pflegetätigkeiten hinaus betreibt sie insbesondere Öffentlichkeitsarbeit: Sie berät Interessierte bei der Auswahl eines geeigneten Baumes, organisiert auf Wunsch den Ablauf der Beisetzungen und bietet regelmäßig Führungen durch den Friedwald an.

Auch wenn der Aufgabenkatalog eines Friedförsters sehr umfangreich und zeitraubend ist - es sei schön zu erleben, so Simone Zercher, dass die natürliche Umgebung des Friedwalds den Trauernden Halt gebe. Das steigende Bedürfnis nach alternativen Bestattungsformen spiegelt sich auch in der aktuellen Entwicklung auf dem Friedwald Fränkische Schweiz wider. Dem Bestattungsunternehmen zufolge ist das Interesse der Menschen und auch die Nachfrage an dieser besonderen Form in den letzten Jahren immens gestiegen. Seit seiner Gründung 2010 haben hier mittlerweile über 1000 Menschen ihre letzte Ruhe gefunden.


99 Jahre Garantie

Weil der nächste Friedwald relativ weit entfernt sei, kämen viele Anfragen nicht nur aus der näheren, sondern auch aus der weiteren Umgebung.

Es ist nicht nur die attraktive geographische Lage, die den Ebermannstadter Friedwald auszeichnet. Im Vergleich zu den anderen Friedwäldern weist er mit einer Laufzeit von 99 Jahren die längste Bestandsgarantie auf. Die zur Bestattung ausgewiesenen Bäume bleiben auch tatsächlich nahezu ein Jahrhundert als solche erhalten.

Als Grund für die zunehmende Beliebtheit des Friedwalds gilt ferner die zunehmend gesellschaftliche Individualisierung. Menschen suchen heute vermehrt nach alternativen Bestattungsformen, die den Bedürfnissen des Einzelnen gerecht werden: Die besondere Nähe zur Natur oder der Wunsch, eine Grabstätte ohne Pflegeaufwand zu besitzen sind laut dem ortsansässigen Bestattungsunternehmer die am häufigsten genannten Motive für den Friedwald.

Die Interessenten kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Auch kirchlich Gebundene entdecken den Reiz des Friedwalds. Die genannten Beweggründe bestätigt auch Simone Zercher und verweist auf die Anziehungskraft des Walds als Bestattungsort: Der Gedanke, durch die eigene Asche in den ökologischen Kreislauf der Natur eingespeist zu werden und dem Baum als Lebensspender zu dienen, sei sehr tröstlich.