"Waischenfeld lebt"heißt das neue Waischenfeld-Lied von Johannes Berner. Und wie das Wiesent-Städtchen lebt, das zeigte sich eindrucksvoll am vergangenen Wochenende. Da feierten die Menschen den Umstand, dass Waischenfeld vor 700 Jahren zur Stadt erhoben worden ist, mit einem großen Bürgerfest.

Tausende Besucher strömten am Samstagabend und am Sonntagnachmittag nach Waischenfeld, um dort den Auftritt von Antonia aus Tirol oder den Festzug mit 50 Gruppen und etwa 1000 Teilnehmern mitzuerleben.
Solch ein Fest hat Waischenfeld in den zurückliegenden 700 Jahren sicher noch nicht erlebt. Einem hat es am Samstag so richtig die Sprache verschlagen. Der Mann aus dem Waischenfelder Ortsteil Zeubach gewann mit der Losnummer 661 einen Audi A 3 Sportsback im Wert von 24 500 Euro.
"Ich bin sprachlos", sagt er. Sein Los hatte er erst am Vortag um 17.50 Uhr gekauft.
Unter der Hauptbühne am Marktplatz steppte derweil der Bär mit den Sumpfkröten und Antonia aus Tirol, die dem ausgelassenem Publikum kräftig einheizt.


Von der Weltoffenheit

Zuvor schon hatte die Blaskapelle Terlan musikalische Grüße aus Südtirol mitgebracht. Am Sonntagmorgen beim Senegalgottesdienst auf dem Marktplatz prasselte allerdings strömender Regen auf die Besucher.

Dennoch drängten sich viele unter die Zelte und Schirme, als Stadtpfarrer Wolfgang Dettenthaler auf der Hauptbühne, auf der nun ein Altar aufgebaut war, in seiner Predigt von der Weltoffenheit der Waischenfelder sprach. Dazu spendierten der Chor um Johannes Berner sowie Trommler Urbein N' Dakon aus dem Senegal afrikanische Klänge. Assistiert wurde Dettenthaler von den Pfarrern Abbe Partrice aus dem Senegal und Patienct Ntahondi aus Tansania. Es war ein ganz anderer Sonntagsgottesdienst als sonst üblich.
Mit sechs Freiwilligen aus dem Senegal und Tansania war auch Gabi Keulen zu diesem Gottesdienst gekommen. Sie ist die Projektleiterin für internationale Arbeit auf Burg Feuerstein. Zwei ihrer Schützlinge lernen hier für ein Jahr, was es heißt, ein Jugendhaus zu führen.


Kurzzeitig in Gefahr

Denn in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Bamberg plant man im Senegal die Errichtung eines Bildungshauses für Jugendliche.
Derweil regnete es inzwischen derart stark, dass der Festzug am Nachmittag in Gefahr war. Aber fast pünktlich zum Festzugsbeginn stoppte der Regen. Ganz an der Spitze des Festzugs marschierte symbolisch der Dirigent Johann Pflaum. Der ist zwar schon seit etwa 100 Jahren tot, aber er war der erste Dirigent des Musikvereins Cäcilia Waischenfeld. Dieser ist 1883 gegründet worden und ist der Vorgänger der Waischenfelder Blasmusik. Gemimt wurde Pflaum im Übrigen von Manfred Huppmann.


Winken aus der Kiste

Danach kamen der Waischenfelder Stadtrat, einheitlich gekleidet mit der berühmten roten Weste des einstigen Pulvermüllers Kaspar Bezold, sowie einige Bürgermeister aus der Region. Dann die erste Pferdekutsche mit einem vergnügt herunterwinkenden Regierungspräsidenten Wilhelm Wennig (CSU).
Eine zweite Kutsche beherbergten den Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk (CSU) sowie Waischenfelds Ehrenbürger Professor Heinz Gerhäuser und seine Frau Elvira. Auch sie winkten mit den Waischenfelder Fähnchen.

Originell präsentierte sich der Wagen der Nankendorfer mit einer lebensgroßen Plastikkuh. Originiell war auch das Ausbuttern oder die historischen Handdruckspritzen der Waischenfelder Ortsfeuerwehren. Diese waren noch intakt, was einige Besucher am eigenen Leib zu spüren bekamen.
In den Zug reihten sich auch der Steinerne Beutel, das Wahrzeichen der Stadt, historische Wagengespanne mit Mittelaltergruppen oder einige Ritter hoch zu Ross ein. Das galt auch für das Schlachthaus mit einer Wurstküche der Siegritzberger oder einem Kammerwagen mit Bett und Schrank und einem historischen Brautpaar.
Fahrräder, Motorräder und Autos ließt der AMC Waschen-feld anrollen. Fast jede Ortschaft der Stadtgemeinde hat ihren eigenen Wagen und auch fast alle Vereine waren mit dabei. Auch die Jagdhornbläser aus Freising waren da, die am Vormittag noch ein Standkonzert auf der Bühne am Bischof Nausea Platz gaben.
Dieses Wochenende werden die Waischenfelder so schnell nicht vergessen.