"Seitdem wir den Vortrag im letzten November gehalten haben, werden wir von den Dormitzern beim Bäcker, Metzger oder mitten auf der Straße regelmäßig auf die 'Zeitreise' angesprochen", freut sich Ludwig Schmitt auf die Reaktionen, die schon seit einem Jahr im Ort nachklingt. "Seither sind die Menschen in unserer Gemeinde richtig verliebt in den damaligen Abend", erzählt er weiter.

Drei Jahre lang gesammelt

Drei Jahre lang sammelten die Jugendlichen aus dem Jugendclub Leuchtturm Bilder für die Zeitreise und machten daraus eine einmalige Multimedia-Show. "Wir haben zwei Musikkapellen bei unserem Auftritt mit dabei und wollen die Geschichte zu neuem Leben erwecken. Das Kredo dabei lautet: Geschichte erforschen, fühlen und verstehen", erklärt Projektleiter Schmitt. Betrachtet wird der Zeitraum von 1875 bis 1965. Die Dormitzer Jugendlichen forschten in den Bereichen "Landwirtschaft, Kirche und Gemeinde, dörfliche Gemeinschaft, Kameradschaften und Vereine, Kriegserinnerungen, jüdische Mitbürger, Kirchweih, Brauerei, Wirtschaften, Lebensmittelläden oder die Infrastruktur.

Die Idee für das Jugendprojekt entstand aus dem Bundesprogramm "Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie". Es sucht das geschichtliche Verständnis im Erleben und Verstehen der eigenen Dorfgeschichte der Großeltern und Urgroßeltern.

"Als wir das Projekt begonnen haben, schienen mir die Jugendlichen hier in der Gemeinde recht orientierungslos und konnte die braune Gesinnung nicht recht einordnen. Da kam mir die Idee mit diesem Projekt, den so konnten sich die jungen Dormitzer mit ihrer eigenen Geschichte beschäftigen und nicht mit der Geschichte irgendeiner Familie in Deutschland", so Schmitt.

Neben der positiven Wirkung auf die Jugend in der Gemeinde war die Reaktion der alteingesessenen Dormitzer überwältigend. "Als wir die Bilder und Filmaufnahmen gezeigt haben, gab es viele Menschen im Saal, die feuchte Augen hatten", erinnert sich Ludwig Schmitt an den Vortrag im letzten Jahr. Mit so einem starken Menschenandrang Multimedia-Show hatten die Mitarbeiter am Projekt "Zeitreise durch das historische Dörflein Dormitz" gar nicht gerechnet. "Es sind anstatt der von uns erwarteten 150 bis 200 Menschen über 500 Gäste gekommen - die Halle ist regelrecht explodiert", erzählt Schmitt.

Viele fanden keinen Platz

Viele mussten im letzten Jahr wieder gehen, es war kein Platz mehr in der Halle zu finden. Deshalb - und wegen der stetigen Nachfrage vieler Dormitzer - wird die "Zeitreise" nun in der Dormitzer Mehrzweckhalle wiederholt. "Anlässlich unseres zehnten Jubiläums wollen wir der Gemeinde dieses Geschenk noch einmal machen. Schließlich haben alle Dormitzer den Jugendclub Leuchtturm in den letzten zehn Jahren stets unterstützt", so Schmitt.

Die Jugendlichen haben das Projekt im vergangen Jahr weiter vorangetrieben und ausgefeilt. Zum Beispiel wird der gesamte Multimedia-Vortrag am Freitag gefilmt. So entsteht eine DVD, die dem bald erscheinenden Bildband zur "Zeitreise" beigelegt werden soll.

Bezüglich der bebilderten Buchfassung der Dormitzer Chronik stecken Ludwig Schmitt und die Jugendlichen noch mitten in der Arbeit. "Zur Vervollständigung unserer geschichtlichen Dokumentation suchen wir noch Bilder, Filme und Geschichten aus unserer Gemeinde Dormitz beziehungsweise vom Schwabachtal. Hierzu gehören auch die Geschichte der benachbarten Mühlen und die gemeindliche und kirchliche Entwicklung, Landwirtschaft, Kirchweih, Seku, Kriegsereignisse, die jüdische Gemeinschaft, Brauerei, Schmieden und so weiter", erzählt Schmitt.

Damit meint er gerade Bilder vom eigenen Elternhaus, der Dorfstraße, Klassenfotos oder von verschiedenen dörflichen Ereignissen die jeder Dormitzer sicherlich in irgendeinem Schuhkarton oder Fotoalbum bei sich zu Hause irgendwo aufbewahrt. Ludwig Schmitt wendet sich damit direkt an alle Dormitzer: "Bitte helfen Sie uns mit Ihren Bildern, Filmen und Geschichten bei der Erstellung einer bebilderten Dokumentation unserer Dorfgeschichte."