von Rudolf Distler

Bedingt durch die Unterbrechung geplanter Beiträge zur Schulgeschichte des Marktes Eggolsheim soll ein historischer Rückblick das Interesse für später geplante Veranstaltungen wecken.

Erstnennungen von "teutschen" Schulen finden sich im 14. Jahrhundert in Städten des Hochstifts Bamberg, darunter Forchheim 1355. Im 15. Jahrhundert sind auch auf dem Land in vermehrtem Maße Schulgründungen urkundlich belegt, so in der Urpfarrei Eggolsheim 1420, wobei ein noch höheres Schulalter möglich sein könnte.

An der Stelle des heutigen Pfarrjugendheims, westlich der Pfarrkirche, soll die erste Schule gestanden haben. Im Schwedenkrieg 1632 bis auf wenige Häuser niedergebrannt, waren wenige Jahre später die wichtigsten Bauten notdürftig wieder errichtet. So auch die Schule, die seit 1530 am heutigen Standort in der Hauptstraße 45 (Friseursalon seit 1953) stand.

Zuvor Lusthaus in Buttenheim

Wie die Eggolsheimer und die Bürger der zum Schulsprengel gehörenden Orte Unterstürmig, Neuses, Bammersdorf, Rettern, Kauernhofen und Weigelshofen sich einen Schulhausersatz beschafften, ist recht außergewöhnlich: Geldsammlungen in allen Orten, teils "im Krieg scharf mitgenommen", ermöglichten 1638 den Kauf eines Ersatzgebäudes: "Sofort wurde also das Stibarsche Lusthaus zu Buttenheim durch einen Zimmermann eingelegt, hierhergefahren und wieder aufgesetzt", unweit des abgebrannten Schulhauses vor dem "Kirchhofbauer". Nach 50 Jahren Unterricht unter sicherlich erschwerten Bedingungen genehmigte Bischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg auf Initiative von Pfarrer Ott 1687 den Bau eines neuen Schulhauses. An gleicher Stelle wie das zerstörte Schulhaus war es 1689 fertiggestellt, bis 1835 einklassig, dann zweiklassig mit insgesamt 170 Kindern und im Volksmund als "Bumm- und Maadlaschul" bezeichnet - Unterricht 225 Jahre lang bis 1914.

Schülerzahlen steigen

Steigende Schülerzahlen erforderten weitere Räumlichkeiten. Nach Errichtung der "Mädchenschule" 1870 (heute Jugendtreff "Faulenzer") musste noch das damalige Rathaus ab 1887 für die "untere gemischte Schule" genutzt werden. Des Weiteren erbaute die Gemeinde 1914 am Ortsrand ein imposantes prachtvolles Schulgebäude als "Knabenschule". Bedauerlicherweise musste das Schulhaus nach nur 60 Jahren des Bestehens 1974 dem Bau der neuen Verbandsschule weichen.

Dillinger Franziskanerschwestern

In den frei gewordenen Räumen der beschriebenen Schule fand so 1914 die neu errichtete Gendarmeriestation einen Standort, bis sie 1921 der "Kleinkinderbewahranstalt" Platz machen musste. Die Dillinger Franziskanerschwestern bezogen das Haus und sorgten sich dort bis 1953 um die Kinder - bis zu 50 Kinder in einem einzigen Raum auf 27 Quadratmetern!

Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1802 für alle Kinder "vom sechsten bis wenigstens ins vollstreckte zwölfte Jahr ihres Alters" war - mit Ausnahme der Erntezeit - der Besuch der "Werktagsschule" vorgeschrieben und schloss mit einer öffentlichen Prüfung ab. Darauf erfolgte der Besuch der "Sonntagsschule" verpflichtend bis zum 18. Lebensjahr jeweils zwei Stunden nach dem Hauptgottesdienst, davon eine halbe Stunde "Christenlehre" durch den Pfarrer. Die Unterrichtsinhalte der Werktagsschule sollten wiederholt, ergänzt und vertieft werden.

Allgemeine Schulpflicht

Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht war eine große soziale Errungenschaft, wurde durch sie doch eine Basis für eine größere Chancengleichheit in der Gesellschaft gelegt. Der Unterricht war im neuen Königreich Bayern ab 1806 durch Schulordnungen und die staatliche Schulaufsicht genau geregelt. Der Pfarrer als "Lokalschulinspektor" vertrat als Vorgesetzter des Lehrers die Schulbehörde und übte so die direkte Aufsicht über die Schule aus.

Das Notizbuch des Ortspfarrers

Die amtlichen Notizbücher der Eggolsheimer Schule geben einen tiefen Einblick ins Unterrichtsgeschehen und ins Alltagsleben der damaligen Zeit. Der Pfarrer erteilte nicht nur bis zu sechs Wochenstunden Religionsunterricht, sondern griff bei festgestellten Mängeln direkt in den Unterricht ein. Dazu eine kleine Auswahl der Eintragungen des Pfarrers Michael Hepp zwischen 1850 und 1858 aus den Notizbüchern:

15. Juli 1850: "besuchte die Feiertagsschule und übte Kopfrechnen mit den Schülern"

15. Oktober 1852: "die Schule besucht und die Kinder zum Fleiß und Gehorsam gegen ihre Vorgesetzten ermahnt"

12. Januar 1854: "die Schüler, welche gerade im Lesen begriffen waren, auf einen lebhaften und richtigen Lese-Ton aufmerksam gemacht"

13. August 1854: "den Lehrer im Unterricht unterstützt"

12. Dezember 1855: "... dabei den Lehrer ermuntert, mit allem Fleiße Sprach- und Rechtschreiblehre zu erteilen"

"Sittlichkeit" und "Moral"

Da es unter anderem zu den Aufgaben der Schulbehörde zählte, die "Sittlichkeit" und die "Moral" der Schüler zu fördern und zu überwachen, reichte der maßregelnde Arm des Schullehrers und des Ortspfarrers weit über die vier Wände des Klassenzimmers hinaus, was entsprechende Strafen nach sich zog:

8. Februar 1853: "die Sonntagsschüler wurden gewarnt, an den Fastnachtstagen Wirtshaus und Tanzplätze zu besuchen, widrigenfalls würden sie dem Königlichen Landgericht zur Bestrafung angezeigt"

3. Juli 1857: "wurden einige Schüler wegen unanständigen Badens mit Rutenstreichen bestraft; in dem nicht mehr als zwei Knaben baden dürfen und dies an einem entlegenen Ort"

13. August 1857: "... mehrere Schüler wegen Störungen in der Kirche körperlich gezüchtigt"

20. Juni 1858: "den Sonntagsschülern unter Strafandrohung verboten, am Johannis-Feste nachts ein Feuer zu schüren um das theure Holz zu sparen und um den dabei stattfindenden Unfug zu vermeiden"

Diese genannten Vergehen zeigen deutlich, dass dem Lehrer und Pfarrer auf dem Dorfe eben alles "zugetragen" wurde, sehr zum Leidwesen der betroffenen Schüler. Elternbeschwerden und Rückfragen über die angewandten erzieherischen Maßnahmen sind offensichtlich nicht eingegangen und nicht dokumentiert. Die Strafen waren offensichtlich konform mit der Erziehung im Elternhaus.

Meist bei einem einzigen Lehrer

Die meisten Dorfschulkinder gingen während ihrer gesamten Volksschulzeit nur bei einem einzigen Lehrer in die Schule. Er war meist die ausschließliche Bezugsperson in ihrer schulischen Ausbildung und Erziehung. Er wohnte am Schulort, war in die Dorfgemeinschaft und oft ins Vereinsleben integriert, bereicherte das kulturelle Leben und genoss hohes Ansehen.

Hinweis: Der ehemalige Rektor Sebastian Loßkarn, von 1947 bis 1987 ausschließlich mit Dienstort in Eggolsheim, verfasste in langjähriger intensiver Arbeit eine umfangreiche fundierte Schulgeschichte. Sie diente dem Verfasser als Grundlage dieses Artikels und erfährt somit eine entsprechende Würdigung.