Der Kopfeichen-Bestand am Hetzleser Berg im Landkreis Forchheim gehört deutschlandweit zu den bedeutendsten. Die alten, morschen Bäume beherbergen eine Vielzahl seltener und teilweise streng geschützter Käferarten. Im Rahmen des Projekts "Kopfeichenland" setzt sich das Landratsamt Forchheim seit 2010 dafür ein, die wertvollen Baumbestände sowie die umliegenden Streuobst- und Mähwiesen als Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten zu pflegen und zu erhalten.
Dafür erhielt das Projekt nun aus der Hand des bayerischen Umweltministers Marcel Huber (CSU) die Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Es trage in vorbildlicher Weise zum Erhalt einer wertvollen und artenreichen Kulturlandschaft bei und leiste damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt, begründet die Jury der UN-Dekade die Auszeichnung.
Ziel der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 bis 2020 in Deutschland ist es, möglichst viele Menschen für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität zu begeistern. Am Ende des Jahrzehnts sollen mehr Menschen wissen, was biologische Vielfalt ist, warum sie gebraucht wird und wie jeder etwas dazu beitragen kann, sie zu erhalten.


300 Jahre alt

Etwa 1000 Kopfeichen gibt es noch am Hetzleser Berg. Einige von ihnen sind über 300 Jahre alt. Bis in die 1950er Jahre wurden sie regelmäßig zurückgeschnitten, um Rinde zum Gerben von Tierhäuten für die Lederproduktion zu gewinnen. Heute gilt der Bestand als Hotspot der holzbewohnenden Käferarten in Bayern.
Über 245 verschiedene Arten, die teilweise streng geschützt sind, wurden hier nachgewiesen. Wie auch der Eremit, ein seltener Blatthornkäfer, leben viele dieser Käferarten in Mulmhöhlen, die durch holzzersetzende Pilze im Inneren der Bäume entstanden sind.


Lebensraum für Tiere

Ziel des Projekts "Kopfeichenland" ist es, die alten Bäume als Lebensraum und Element der Kulturlandschaft zu erhalten und sie vor dem Zerfall, beispielsweise durch Wind- und Schneebruch, zu schützen. Dazu werden die Eichen - wie früher - regelmäßig beschnitten. Weitere Pflegemaßnahmen umfassen die umliegenden Streuobst- und artenreichen Mähwiesen. Insgesamt ist die Projektfläche circa 60 Quadratkilometer groß.   Die Maßnahmen werden vom Landschaftspflegeverband Forchheim gemeinsam mit den Eigentürmern umgesetzt und aus Mitteln der Landschaftspflege, des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms und des Bayerischen Naturschutzfonds finanziert.  


Wässerwiesenprojekt

Als zweites Projekt aus dem Landkreis Forchheim zeichnete Minister Huber die besondere Art der Bewässerung im Grünland rund um die Wiesent aus. Es ist sowohl von natürlichen Wasserläufen als auch von menschlich geschaffenen Bewässerungsgräben durchzogen. Die sogenannten Wässerwiesen mit ihren Grabensystemen bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Seit 2017 setzt sich das Landratsamt Forchheim im Rahmen eines eigenen Projekts dafür ein, diesen Naturreichtum zu bewahren.
Der Erhalt des Ökosystemkomplexes Wiesentaue als historische Kulturlandschaft trägt nicht nur dazu bei, Biodiversitätsziele, insbesondere beim Schutz hochgradig gefährdeter Arten, umzusetzen, sondern wirkt sich zudem positiv auf Wasser, Boden, Luft und Klima aus.
Nun würdigt die UN-Dekade Biologische Vielfalt das Projekt für sein Engagement: Es trage nicht nur zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in einem ökologisch sehr wertvollen Gebiet bei, sondern beziehe darüber hinaus alle wichtigen Akteure von Schutz und Nutzung in vorbildlicher Weise ein, heißt es in der Pressemitteilung des Landratsamtes.  


Nachhaltige Nutzung

Der große Tier- und Pflanzenreichtum im Wiesenttal ergibt sich aus dieser seit Jahrhunderten praktizierten nachhaltigen Wassernutzung. Denn Gräben und Wehre formen zusammen Lebensräume, Brutreviere und Nahrungshabitate für Pflanzen, Vögel und Insekten. Zum Beispiel für Wiesenbrüter wie den gefährdeten Wachtelkönig oder die Sumpfheuschrecke. Gleichzeitig ist das Tal ein beliebter Rastplatz für Zugvögel. Dieses natürliche und kulturelle Erbe möchte das Landratsamt Forchheim erhalten.  
Seit 2017 unterstützt es Landwirte und Gewässergenossenschaften im Rahmen des Wässerwiesen-Projekts dabei, die Bewässerungssysteme auf der rund 2000 Hektar großen Fläche instand zu halten bzw. zu setzen, und berät sie zu deren umweltschonender Bewirtschaftung. So werden gleichzeitig die Lebensräume diverser heimischer Organismen bewahrt und der Schutz der biologischen Vielfalt vor Ort optimiert. Die Projektlaufzeit ist bis 2020 angesetzt.