Eigentlich ist dann schon fünf vor zwölf. Wenn ein Verein im Mitteilungsblatt um Hilfe ruft, um Rettung bittet und das Einschreiten des Amtsgerichts als nächste Eskalationsstufe ankündigt. Und alles nur, weil sich keiner neuer Vorstand findet, der die Amtsgeschäfte übernehmen mag. Dies alles geschieht im Moment beim TSV Gräfenberg.
Doch bis zum Äußersten wollen es die Verantwortlichen nicht kommen lassen. Vielmehr sollte dieser dramatische Rettungsruf die Vereinsmitglieder wachrütteln: "Zu viele denken noch, dass wir schon weitermachen", erklärt Vereinsvorsitzender Harald Denk den Hintergrund der ungewöhnlichen Aktion.
Zweidrittel der an der Hauptversammlung anwesenden Mitglieder kommen allerdings nicht in Frage, weil sie ohnehin schon ehrenamtlich engagiert sind und oft schon mehrere Funktionen ausüben. Deshalb sollte dieser Schritt in die Öffentlichkeit alle Mitglieder erreichen, um klipp und klar darzustellen, dass es so nicht weiter gehe, gerade weil sich die Suche nach einer neuen Vorstandschaft schon seit etlichen Monaten in die Länge zieht.

Bis zu 18 Jahren im Amt


Bereits bei der Jahreshauptversammlung im März 2011 hatten Vorsitzender Harald Denk gemeinsam mit seinem Stellvertreter Thomas Weber und Christine Singer, Doris Niebler, Frank Bader, Birgit Gruber sowie Sebastian Schumann öffentlich gemacht, die Posten nach teilweise achtzehn Jahren im Amt nicht mehr länger ausführen zu wollen.
Die nun angeleierte "Rettungsaktion" zielt hauptsächlich auf die Funktionen des Vorsitzenden und des Geschäftsführers. Bislang ist die Suche allerdings ohne Erfolg geblieben, alle Angesprochenen winkten ab. "Vielleicht traut sich niemand zu diese Verantwortung zu übernehmen", mutmaßt Denk.
Dabei sichert er seinem Nachfolger schon einmal zu, wenn gewünscht gerne mit Ratschlägen und Tipps zur Verfügung zu stehen. Ohnehin dürfe man das Amt eines Vereinsvorsitzenden keineswegs nur auf bürokratisches Verwaltungshandeln reduzieren. Schon gar nicht beim TSV Gräfenberg, dessen Vereinsspitze auch schon einmal vom DFB in die Ehrenloge nach Düsseldorf eingeladen worden ist. Anlass dafür war die Überreichung des Julius-Hirsch- Preis. Aus dem Bürgerforum heraus gründete sich ein Sportbündnis mit neun anderen Vereinen, um dem Rassismus Flagge zu zeigen.

Vereine müsste selbst zahlen


Harald Denk will keineswegs den Teufel an die Wand malen und haltlose Untergangsszenarien in die Welt setzen. Tatsache aber sei nun einmal, dass der TSV Gräfenberg zum Fall für das Amtsgericht werden könnte. "Das Gericht würde dann einen Vorsitzenden bestimmen. Das ist in der Regel ein Rechtsanwalt oder Notar, in seltenen Fällen ein Bürgermeister", erläutert Denk. Hinzu komme, dass der Verein den Interims-Vorsitzenden aus der eigenen Kasse bezahlen müsste.
Das anschließend Szenario kennt sogar noch eine weitere Eskalation. Sollte die vom Interims-Vorsitzenden angesetzte außerordentlichen Versammlung ebenfalls ohne Ergebnis bleiben, wäre die traditionsreiche Geschichte des TSV Gräfenberg beendet. Die Gräfenberger müssten dann woanders kicken, Ski fahren oder Tischtennis spielen.