Der April rückte immer näher, und Willi Harhammer hatte alle Hände voll zu tun. Zum Beispiel bei der Firma Elektron in Weißenohe, auf deren Dach Harhammer noch schnell eine Solaranlage bauen musste. Dass der Geschäftsführer der Weißenoher Firma Ikratos derart unter Druck gestanden ist, hat viel mit der Bundesregierung zu tun.

Die hatte sich kurz zuvor entschlossen, die staatliche Einspeisevergütung für Solarstrom von 24,43 Cent auf dann 19,5 Cent pro Kilowattstunde zu senken. Sollte der Bundesrat seine Zustimmung geben wird der Satz für die Einspeisevergütung rückwirkend zum 1. April sinken. Die Bundesregierung will mit dem neuen Gesetz den Ausbau der Photovoltaik auf nur noch zehn bis 20 Prozent des derzeitigen Zubaus stutzen und die ausgeschütteten Fördermittel begrenzen.


60 Aufträge im März



Für Vertriebsmitarbeiter Jürgen Trippel und Geschäftsführer Willi Harhammer sind die Entscheidungen der Bundesregierung unverständlich. "Windkraft ist vielleicht auf dem Land sinnvoll, aber nicht in der Stadt", sagt Trippel. Vor zehn Jahren lag die Förderungssumme noch bei 55 Cent pro Kilowattstunde. Seitdem sei die Förderung alle sechs Monate um gut 20 Monate gekappt worden. "Man kann schon sagen, dass sie jeden Monat um einen Prozent sinkt", sagt Trippel und es klingt fast ein wenig fatalistisch.

Denn diese Kürzungen der Solarförderung spiegeln sich auch in der gegenwärtigen Auftragssituation der Firma Ikratos wider. "Im Moment haben wir einen erheblichen Einbruch zu verzeichnen. Aufträge für gut 4,5 Millionen Euro im Bereich der Photovoltaik können wir nicht mehr realisieren", ärgert sich Harhammer.

Auftraggeber wie Schulen, Landkreise, aber auch Privatkunden haben nach den Nachrichten aus Berlin kalte Füße bekommen. "Im Augenblick hätten wir zwei neue kommunale Anlagen in Nürnberg errichtet, die alleine drei Millionen Euro gebracht hätten. Aber durch die erneute Kürzung sind diese Aufträge storniert worden." Um jedoch weiterhin im Bereich der Photovoltaik Aufträge zu bekommen, will Harhammer insbesondere den Fokus auf den privaten Kleinverbraucher richten. Diese will er mit intelligenten Solar-Speichersystemen ködern, die die Verbraucher unabhängig von Stromkonzernen machen können.


Auf den letzten Drücker



Im März, als bekannt wurde, dass es zu einer erneuten Kürzung kommt, hatte Ikratos 60 Aufträge. Gut 450 haben sie im Jahr. Jetzt gibt es noch 20 Aufträge, die die Firma bearbeitet. Rechtzeitig zum Stichtag am 31.März fertig geworden ist das Projekt der Firma Elektron. Diese erhält in den kommenden Jahren die Förderung von 24,43 Cent pro Kilowattstunde. "Das war auf den letzten Drücker. Wir hätten es beinahe notariell dokumentieren lassen müssen. Wäre die innovative, stromerzeugende Gebäudefassade erst nach dem Stichtag abgeschlossen gewesen, hätte es die reduzierte Förderung von 19,5 Cent gegeben", erklärt Harhammer.

Frank Streit, dem das Gebäude der Firma Elektron gehört, ist erleichtert, dass der Aufbau der Solaranlage rechtzeitig fertig gestellt worden ist. "Die Förderung von 24,43 Cent ist ein starker Motivator. Ohne sie hätten wir das Projekt nach hinten verschieben müssen und gewartet, bis die Preise für die Solarmodule gefallen wären."

Die sinkende Einspeisevergütung ist aber nicht die einzige schlechte Nachricht, die Harhammer derzeit umtreibt. Auch der scharfe Preiswettbewerb für Solarmodule und die billige Konkurrenz aus China bereiten seiner Solarfirma ernste Sorgen. Trotzdem, etwas Positives kann Harhammer dieser Kürzung dann sogar doch noch abgewinnen. "Unseriöse Anbieter werden vom Markt verschwinden." Behält Harhammer recht, dann treffen die veränderten Rahmenbedingungen vor allem Firmen, die falsche unternehmerische Entscheidungen getroffen haben. In den meisten Fällen also jene, die zu lange auf die Solarförderung gesetzt haben.


Keine Angst vor Insolvenz



Die Firma Q-Cells könnte ein solches Beispiel sein. Erst in dieser Woche hat der einst weltweit führende Anbieter von Photovoltaiklösungen einen Insolvenzantrag stellen müssen. Immerhin, soweit ist es zwar bei Ikratos noch lange nicht. Aber auch Harhammer hat inzwischen davon Abstand genommen, wie geplant zwei bis drei weitere Arbeitsplätze in seinem Weißenoher Betrieb zu schaffen.

Angst, das s es seiner Firma einmal ähnlich wie Q-Cells gehen könnte, hat Harhammer dennoch nicht. Er setzt auf Diversifizierung. Denn Ikratos ist nicht nur in der Photovoltaik tätig, sondern auch im Bereich der Blockheizkraftwerke und Energiesanierungen. Und bis 2030 sollen nach Willen der Bundesregierung 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien geschaffen werden.