Zehn Kilometer in einer Stunde und 16 Minuten. Die meisten Marathon-Läufer schaffen diese Strecke vermutlich schneller. Die meisten Marathon-Läufer sind aber auch nicht blind - wie Ilona Schreml aus Forchheim. Doch trotz ihrer Erblindung lässt sich die 49-Jährige nicht von ihrer größten Leidenschaft abbringen: dem Laufen.

"Ich habe diesen Drang zum Laufen. Bewegung ist für mich wie Medizin. Immer wenn ich Bewegung habe, ist es, als ob ich eine Ibuprofen genommen hätte", beschreibt Ilona Schreml ihr Gefühl beim Sport. Die spät erblindete Läuferin nimmt seit 2010 an unterschiedlichen Marathons teil.


Platzierung ist nicht entscheidend

Ihr weiteste Strecke bisher: zehn Kilometer beim München-Team-Marathon im Oktober 2014. Zusammen mit ihrem Blindenhund Emily und drei Guides, die sie im Dreieck positioniert begleiteten, kam sie als 1370. ins Ziel. Ein Ergebnis, auf das die 49-Jährige sehr stolz ist. "Selbst wenn ich als Letzte ins Ziel komme, ist mir das egal. Dabei sein ist für mich alles", sagt sie.

Die Zuschauer waren von der Leistung der erblindeten Forchheimerin begeistert - applaudierten lautstark am Straßenrand. "Die Menschen haben gerufen: Super Ilona, du schaffst das."

Damit es zu Beginn kein Gedränge gibt, startete die 49-Jährige mit Hund und Guides als Letzte. "Wir haben gesagt, wir rollen das Feld von hinten auf", scherzt die Forchheimerin. Die Guides gaben der 49-Jährigen nicht nur Kommandos, sondern umschrieben ihr auch die Situation beim Marathon. "Mir wurde beschrieben, wie viele Leute am Rand stehen und was sie hochhalten."

Zum Schluss bekam sie eine Urkunde und eine Medaille überreicht. Sogar die Labradorhündin Emily durfte sich mit einer Medaille, die ihr um den Hals gehängt wurde, brüsten.

Nach sieben Jahren sind Ilona Schreml und ihre Hündin ein eingespieltes Team - laufen auch privat miteinander. "Am Tag sind wir im Schnitt 17 Kilometer unterwegs. Langsames Laufen geht bei mir schon gar nicht mehr. Mein Motto ist: Wer rastet, der rostet", erklärt die 49-Jährige.


Ein Haargummi hilft beim Laufen

Bekannte Strecken in Forchheim bewältigt sie mit ihrem tierischen Partner alleine, doch für neue oder weitere Strecken benötigt sie Hilfe von Freunden und Begleitern. Mit einem großen Haargummi, das um das Handgelenk der beiden Läufer gelegt wird, bleibt Ilona Schreml in der Spur. Regelmäßig nimmt sie an Wettkämpfen teil - ist den Würzburger Marathon vier Mal und auch den Fränkische-Schweiz-Marathon mehrmals mitgelaufen.

Obwohl die Forchheimerin derzeit gesundheitlich angeschlagen ist, macht sie bereits Pläne für die Zukunft. Ilona Schreml: "Das Laufen ist meine Welt. Ich möchte beim Berlin-Marathon mitlaufen. Erstens, weil es die Hauptstadt ist, und zweitens, weil ich ursprünglich von da bin." Dann aber einen Halbmarathon ohne Hündin Emily, für die eine so weite Strecke, anders als für Ilona Schreml, nicht die beste Medizin wäre.