Sie fuhren mit ihren Traktoren auf, demonstrierten vor Supermärkten und Molkereien, und die Landwirte des Vereins "Land schafft Verbindung" (LSV)" erreichten so binnen Minuten bundesweites Aufsehen. "Sie haben es geschafft, das muss man neidlos anerkennen. So mancher Verband ist nicht so schnell in der Lage, die sozialen Medien zu nutzen", lobt Hermann Greif, der Bezirkspräsident Oberfranken des Bayerischen Bauernverbands (BBV). 500 Landwirte aus dem Landkreis Forchheim, über Facebook vernetzt, haben es satt, als Buhmann der Nation betrachtet zu werden, egal was sie tun: Von immer mehr politischen Auflagen erdrückt befürchten sie, das Handtuch werfen und den Betrieb aufgeben zu müssen. Es geht den Mitgliedern und Anhängern des LSV in erster Linie nicht um mehr Geld, sondern um Wertschätzung - ähnlich der Sozialberufe -, und darum, aufzuzeigen, dass sie mehr Umweltschutz betreiben als es die Folge der aktuellen Politik sein wird.

EU-Abkommen

Alleine mit dem EU-Mercosur-Abkommen mit Südamerika würden verschleudert, Regenwälder abgeholzt und weder Umweltschutz noch Tierwohl betrieben werden. "Wir tun all das und sind systemrelevant", sagt Josef Taschner aus Obertrubach, der den Verein mit aus der Taufe gehoben hat. Zustimmung erhält er von Werner Nützel, dem Geschäftsführer des BBV, und Hermann Greif. "Man wundert sich, wenn kleine Familienbetriebe mausetot gemacht werden und dann nur noch große Betriebe da sind, die man eigentlich nicht wollte", zeigt Greif den warnenden Zeigefinger in Richtung Politik und Bürger. Laut LSV werde in der hiesigen Landwirtschaft gut gearbeitet. Die Konsumenten sollten die regionale Landwirtschaft unterstützen, anstatt sie mit dem Einkaufsverhalten, mit Volksbegehren und permanenter negativer Kritik zu zerstören. Beispiel Tierwohl und die Tatsache, dass die Kälbchen der Milchkühe sofort von der Mutter getrennt werden. "Wir dürfen die Kälber nicht bei der Mutter lassen. Aus hygienischen Gründen", erklärt Taschner. Das sei ein Ergebnis der Politik und der Auflagen, für die Gesundheit der Verbraucher zu sorgen, und nicht der Geldgier der Landwirte geschuldet.

In Corona-Zeiten

Gerade in Zeiten wie Corona zeige sich deutlich: Nicht nur Klopapier sei wichtig, auch das Essen auf dem Tisch. "Hartes Brot zu haben, ist schlimm. Aber kein Brot zu haben, ist hart", nennt Greif einen alten Spruch, der die momentane Situation beschreibt. Stattdessen werden die Landwirte mit immer mehr Auflagen geknebelt. So betrachtet haben beide - BBV und LSV - dieselben Forderungen, Wünsche und Ziele, auch finanzieller Art. "Auflagen und Verdienst müssen zusammenpassen", fordert Greif. Eigentlich sei, was die Inhalte betrifft, der LSV auf einer Linie mit dem Bauernverband, in dem viele Landwirte Mitglied sind. Allerdings würde Josef Taschner anders als Hermann Greif den LSV nicht als Ergänzung zum BBV sehen, aber auch nicht als Gegenbewegung. "Wir sehen uns als politisch neutraler Vertreter der aktiven Landwirtschaft. Viele Funktionäre des Bauernverbands können die Landwirte nicht mehr richtig vertreten, da sie in den politischen Parteien aktiv sind und dadurch an deren Doktrin gebunden sind", meint Taschner.

Im Aufsichtsrat mitreden

Das sieht Hermann Greif anders. "Wenn ein Landwirt nicht im Aufsichtsrat einer Molkerei sitzt, kann er auch nicht mitreden. Wo zieht man dann die Grenze? Welche politisches Amt darf der Landwirt dann noch ausüben?", fragt Greif. Für ihn ist es wichtig, dass der Landwirt in den politischen Gremien aktiv ist, um die Stimme zu erheben. Zwar habe auch der BBV den Ansatz zu Demonstrationen und Protesten, aber die Hintergrundarbeit stelle der BBV in den Vordergrund. Da gebe es Fachkräfte in den Gremien, um die Politik auf die Missstände aufmerksam zu machen. Erst kürzlich bei einer Videokonferenz mit dem Verband in Coburg habe er, Greif, deutlich gemacht, dass das gemeinsame Tun zum Erfolg führt: die Kombination aus den Protestaktionen der LSV und die Hintergrundarbeit des BBV. Hier ist sich der LSV nicht so sicher, denn warum würden ihre Aktionen nicht vom BBV unterstützt? Das tue der Bauernverband, entgegnet Greif, dessen Mitarbeiter und auch dessen Sohn bereits als Akteure bei den Protestaktionen dabei gewesen seien. "Wir würden uns natürlich über konkrete Gesprächsangebote zu einer offizielle Zusammenarbeit und Unterstützung sehr freuen und begrüßen - getreu dem LSV Leitsatz: Nur gemeinsam sind wir stark", sagt Taschner.