Die Frau auf dem Foto ist Thorsten Philipps Großmutter. Er hat die historischen Bilder seiner Familie mit zum 4 PS-Treffen des größten Alt-Opel-Clubs nach Ebermannstadt gebracht. Die Leidenschaft für Autos hat er von seiner Oma übernommen, dessen ist er sich sicher. "Sie war die zweite Frau, die im Jahr 1918 im Raum Chemnitz den Führerschein gemacht hat", berichtet er stolz. Der "Laubfrosch" freilich wurde erst ab 1924 produziert. Das Erfolgsmodell machte Opel damals zum führenden Automobilhersteller Europas. Die neue Fließbandmethode ebnete den Weg für die Massenproduktion.

Etwa 20 historische Autos sind zu dem Treffen gekommen, zwei davon sind "echte" Laubfrösche. Philipp ist einer der stolzen Besitzer. Sein Wagen trägt die Nummer 437, Baujahr 1924. Höchstgeschwindigkeit 60 Stundenkilometer. Als er die alten Aufnahmen seiner Großmutter in diesem Fahrzeug sah, war ihm klar, dass er so einen Oldtimer besitzen wollte. Gesagt, getan.

Durch Mundpropaganda erfuhr der heute 46-Jährige, dass ein Opel 4 PS zum Verkauf stand. "Ich habe nicht lange überlegt", erinnert sich Philipp. Die alten Besitzer haben kein Interesse mehr an dem Wagen gehabt. "Er war beim Kauf in einem schlechten Zustand", erzählt er. Dennoch sind viele Originalteile erhalten. Die Holzkarosserie musste aber ersetzt werden.

Vier Jahre nahmen die Restaurierungsarbeiten in Anspruch. "Ohne die Hilfe von Friedrich Rappsilber, dem ehemaligen Typenreferent der 4 PS-Gruppe, hätte ich es nicht geschafft", bekennt Philipp, der zwar Maschinenbau studiert hat, aber ohne spezielles Expertenwissen nicht weiterkam. Die alten Fahrzeuge kommen anders als heutige Modelle ohne elektronischen "Schnickschnack" aus und sind weniger störanfällig. Es ist eine einfache Technik, die funktioniert. Durch Rappsilber sei Philipp auch zur 4 PS-Gruppe gekommen.

Dass ein Oldtimer-Besitzer das Interesse an seinem Schmuckstück verliert, ist selten. Für Rudolf Symons absolut undenkbar. Wer einmal so einen Wagen besitzt, gibt ihn normalerweise nicht mehr her. Er nimmt mit einer Opel 8 PS Luxuslimousine, Baujahr 1929, an dem Treffen teil. Es handele sich zwar um ein 4 PS-Treffen, aber die 8 PS Limousine gehöre schließlich zur gleichen Baureihe, meint Symon.

Nur noch zwei Exemplare


Seine Luxuslimousine ist Symons ganzer Stolz und gehört quasi zur Familie. So fühlen viele Oldtimer-Besitzer. "Ich habe die Limousine relativ günstig erworben. Jemand hat mir einmal den fünffachen Preis geboten. Ich habe abgelehnt." Kein Wunder, gibt es von diesem Modell doch nur noch zwei Stück auf der ganzen Welt.
Einmal im Jahr im August treffen sich die 4 PS Opel-Liebhaber an wechselnden Orten in Europa. Heuer sind sie nach Franken gekommen.

Stephan Güthlein aus Erlangen hat das Treffen organisiert. Besonders stolz ist er, dass die Opel-Liebhaber so eine tolle Gemeinschaft sind. "Gestern gab es eine Panne. Ein Auto hat ein Rad verloren. Ehe der Besitzer sich versah, war das Rad schon wieder gefunden und angeschraubt, so dass die Fahrt weitergehen konnte." Vorher war die auffällige Kolonne in Bamberg unterwegs. Nach der Mittagspause in Ebermannstadt ging die Fahrt der Oldtimer am Samstag quer durch die Fränkische Schweiz. Die Mitglieder des Clubs kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Holland, der Schweiz und Luxemburg. Manche haben eine Anreise von etwa 800 Kilometern hinter sich.

Der Laubfrosch von Philipp wurde von einem Mercedes Transporter die 300 Kilometer vom Erzgebirge bis nach Erlangen gezogen. Für ihn ist sein Opel 4 PS Hobby und Leidenschaft zugleich. Den Vorwurf, Opel habe sich damals zu sehr am Vorbild eines gewissen zitronengelben Citroens bedient und sei daher ein Plagiat, hört er nicht gern. Das Sprichwort "Dasselbe in grün" stammt aus dieser Zeit. "Es ist ein Nachbau, kein Plagiat", sagt Philipp. "Opel hat den Rechtsprozess damals gewonnen."