Auch die Tiere spüren die Auswirkungen der Corona-Krise. "Die Tiere sind entspannter. Vor allem für die Hunde ist es Stress, wenn Besucher kommen", erklärt Karin Adelmann vom Forchheimer Tierheim.

Ein Hund bellt im Hintergrund, als das Telefon klingelt. Nach Terminabsprache konnten die Tiere in den vergangenen Monaten vermittelt werden. Das war für die ehrenamtlichen Mitarbeiter und für die Besucher entspannter. "Wir hatten mehr Zeit für die Leute", betont Marianne Wende, Vorsitzende des Tierheims Forchheim, einen weiteren Vorteil.

Auch Angebote, die Tiere zur Pflege zu nehmen, gingen im Tierheim ein. Die Menschen zeigen ein großes Herz für Tiere. Tatsächlich hätten in Forchheim mehr Tiere vermittelt werden können. Denn durch das Arbeiten im Heimbüro hatten die Menschen Zeit zu Hause - ideale Bedingungen für ein Haustier.

"Wenn wir fragten, was nach der Zeit im Homeoffice ist und die Tiere dann acht Stunden am Tag alleine wären, vermitteln wir nicht", sagt Adelmann. Zuviel Zeit des Alleinseins ist nicht gut für das Tier, und ob der Feierabend dann noch ausreichend ist, um den Bedürfnissen des Tieres gerecht zu werden?

Doch weniger Zeit als gedacht

Das wurde auch im Erlanger Tierheim so gehalten. Trotzdem bleiben bei Manuela Dohrer aus dem Erlanger Tierheim ein wenig Bedenken, dass manche Menschen doch weniger Zeit haben als gedacht und angegeben und dass die Tiere dann wieder zurückkommen. Derzeit sind nur noch vier Hunde im Erlanger Tierheim.

In Forchheim sind mit zwölf Hunden jetzt wieder viele da. Mit über 300 Wildtieren ist auch die Zahl dieser Tiere wieder gut besetzt. Jedenfalls schienen sich die Leute vermehrt in der Natur aufgehalten zu haben. Möglicherweise war das der Grund, warum manche Wildtiere im Erlanger Tierheim landeten, von denen einige in der Natur besser aufgehoben wären. Ein bisschen das Gefühl, dass alles aufgesammelt wurde, was nicht auf einem Baum saß, kam in Erlangen schon auf, auch wenn die Menschen eigentlich eine gute Tat verrichten wollten.

Häschen in der Grube

So wurde ein kleiner Hase gebracht, der in einer Kuhle saß. Das jedoch ist seine Natur, hier auf die Mama-Häsin zu warten, genauso wie das Vogeljunge, das von der Mutter weitergefüttert wird. Über 400 Wildtiere wurden nach Erlangen gebracht, 189 ins Forchheimer Tierheim und 152 in die Pflegestation. Darunter war auch ein Fuchsjunges in der Pflegestation und neben den üblichen Wildvögeln auch Greifvögel, Eichhörnchen und 32 Igel. Das war durchaus berechtigt.

"Die Igel stehen kurz vor der roten Liste", macht Wende deutlich. "Die Igel haben in den trockenen Sommern eh Probleme, Nahrung zu finden", fügt Adelmann an. Jedenfalls wird hier deutlich, dass sich die Bürger durchaus um die Tiere sorgen. Vor allem aber zeigten die Menschen ein großes Herz, was vor allem die Sachspenden betraf. Viele Futterspenden gingen ein, in Erlangen fast zu viele. Dort ist keine Lagermöglichkeit mehr frei. Allerdings fehlt das Geld. Die Tierheime müssen sich fast selbst finanzieren. "Mit zehn Cent pro Kopf der Bevölkerung beteiligen sich die Gemeinden an den Fundtieren", erklärt Adelmann. Aber nicht alle Kommunen machen mit. Die Stadt Forchheim dagegen leistet mehr als diese zehn Cent pro Kopf.

Weggefallen sind in dem Corona-Jahr jedoch alle anderen Einnahmemöglichkeiten. Der jährliche Verlust der Tierheime ist gestiegen, obwohl in Forchheim die Spendenbereitschaft in diesem Jahr sogar größer war, wie Adelmann erzählt. "Die Trödelmärkte und die Hundeschule konnten nicht stattfinden", erklärt Adelmann.

Feste entfallen, Kosten bleiben

In Erlangen musste auch das Sommerfest entfallen. Die mit Tierfutter gefüllte Halle hilft hier nicht weiter. "Wir müssen auch die laufenden Kosten bezahlen oder den Tierarzt", erklärt Dohrer. Auch Spülmittel, Schwämme oder Reiniger werden benötigt. Diese Art der Spenden ging in Forchheim ein, nicht in Erlangen, und das belastet die ohnehin leere Kasse.

Denn zusätzlich zu den entfallenen Veranstaltungen fiel in den harten Wochen auch die Vermittlungsgebühr weg. Trotzdem waren die Mitarbeiter mehr als üblich für die Tiere da und übernahmen auch das Gassiführen. Dieses Angebot durch Bürger und Tierliebhaber entfiel ebenfalls. Wer sich ein Tier holen möchte, sollte das gut überlegen. Unter dem Weihnachtsbaum sind sie von den Tierheimen nicht gerne gesehen, wenn nicht alles auf lange Dauer ernst gemeint ist.

Jahresstatistik der Tierheime

Forchheim: 2019 wurden in Forchheim 688 Fund-, Abgabe- und herrenlose Tiere, Wildtiere und Exoten aufgenommen. Mit den aus dem Vorjahr aufgenommenen Tieren wurden insgesamt 889 Tiere betreut. In 21 Fällen wurde den Meldungen von Tierquälereien und mangelhafter Haltung nachgegangen.

Erlangen: Bis November 2020 wurden in Erlangen insgesamt 1147 Tiere betreut: 130 Hunde, 267 Katzen, 345 Kleintiere, fünf Ziegen und über 400 Wildtiere. Erstaunlich hoch war die Anzahl an Hunden, die aus Haushalten älterer Leute übernommen werden mussten.